Ausbildung Viele Lehrstellen in Ehingen und Region unbesetzt

Vor allem kleine Handwerksbetriebe in der Region haben vergeblich nach Lehrlingen gesucht.
Vor allem kleine Handwerksbetriebe in der Region haben vergeblich nach Lehrlingen gesucht. © Foto: Jens Büttner
Ehingen / Werner Gallbronner 23.08.2018

Ganz unterschiedlich gestalten sich bei Lehrstellen Angebot und Nachfrage in Betrieben in Ehingen und Region. Vielen der kleineren Handwerksbetriebe – gleich welche berufliche Richtung – gemeinsam ist, dass sie nicht aktiv auf Auszubildenden-Suche gehen. Das ergab eine nicht repräsentative Nachfrage.

Buck’s Höfle

In der Ehinger Bäckerei fängt Anfang September ein Auszubildender eine Lehre in der Backstube an, zwei sind im zweiten Lehrjahr im Verkauf. Inhaber Hans Heckenberger würde gerade in der Bäckerei gerne für den eigenen Bedarf ausbilden, aber „normalerweise bekommt man da heute niemanden mehr“. Das sehe man schon in der Berufsschule, wo es nur noch eine „Bäcker-Klasse“ von früher vier für den ganzen Alb-Donau-Kreis gebe. Viele brechen die Lehre auch ab, ist seine Erfahrung. Sein neuer Azubi sei nur über persönliche Beziehungen zu ihm gekommen und werde nach der Lehre wohl nicht bei ihm bleiben, meint Heckenberger. Denn dessen Familie habe selbst eine Bäckerei. Normalerweise führe da der Weg zurück zum elterlichen Betrieb.

Elektro Dittrich

„Wir sind zwar zunächst bestückt, würden aber noch gerne einen Elektriker und eine Fachverkäuferin einstellen“, sagt Rudolf Dittrich. Gerne würde er vermehrt junge Leute ausbilden und langfristig binden. „Doch der Markt gibt das nicht her.“ Zum neuen Lehrjahr fange bei ihm ein Azubi an, den er über persönliche Kontakte gefunden habe. Aktiv suche er nicht, der Markt sei leergefegt, wisse er nicht nur aus Gesprächen mit vielen anderen aus seiner Branche. Auch gebe es eine gewisse Fluktuation: „Es interessieren sich welche, die dann im Lauf der Ausbildung überfordert sind“, denn der Beruf des Elektrikers sei durchaus anspruchsvoll. Sein Betrieb habe auch nicht die Möglichkeiten wie große Firmen, die mit hohem Aufwand die Suche betreiben würden. „Da bleibt mir nur der persönliche Kontakt.“

Ehinger Hairstyle

„Es ist schwierig, jemand Gescheites zu finden“, hat Inhaberin Mehtap Güngör festgestellt. Die Friseurin hat zwar derzeit eine Auszubildende, doch für das neue Lehrjahr niemanden einstellen können. „Da kommen Bewerbungen über Instagram oder Facebook, das finde ich zu unpersönlich. Da antworte ich auch nicht.“ Ihr sei die klassische Methode der Bewerbung lieber, „gerne auch handschriftlich“.

Banderitsch GmbH

Andreas Banderitsch hat für das neue Lehrjahr keinen Klempner finden können, wie er bedauert; obwohl der Beruf sehr interessant und vielseitig sei, mit allen Aufstiegs- und Weiterbildungschancen. Er ist im Familienbetrieb für die Ausbildung zuständig und hätte gerne ein oder zwei Azubis eingestellt. Die Firma geht aktiv auf die Suche, bekam aber für das kommende Lehrjahr nur zwei Bewerbungen. Als er die Kandidaten eingeladen hatte, kamen die nicht einmal zum Vorstellungsgespräch, ohne abgesagt zu haben.

Gapp Holzbau

Das Familienunternehmen in Öpfingen bildet regelmäßig aus, diesen Spätsommer fangen zwei Zimmerer ihre Lehre dort an. Auf die Suche habe man sich zumindest in ihren 18 Jahren der Betriebszugehörigkeit noch nie machen müssen, meint Bianca Staudenrausch. Oft seien es „beispielsweise Schüler, die bei uns ein Praktikum machen“, die sich dann für eine Ausbildung bewerben.

Metzgerei Weinbuch

„Wir stellen zum September einen Lehrling ein und auch für nächstes Jahr haben wir schon eine Zusage“, sagt Franz Weinbuch. Suchen müsse man nicht. Bewerber kennen den Betrieb meist schon, „die kommen als Ferienarbeiter oder für ein Praktikum zu uns“. Voraussetzung für den Beruf des Fleischers sei ein guter Schulabschluss, geboten werde bei Weinbuch eine moderne Arbeitsstätte mit computergesteuerten Maschinen, „wo man sich nicht mehr plagen muss“.

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Große Firmen tun sich leichter

Größere Firmen wie Liebherr, Sappi oder Tries haben ihre Ausbildungsplätze zum neuen Lehrjahr besetzen können. Doch auch sie stellen fest, dass die Bewerberzahlen zurück gehen, trotz Präsenz bei der Ausbildungs- und Studienmesse in der Lindenhalle oder ihrem Ausbildungstag in Ehingen. Bei Liebherr in Ehingen fangen diesen September 55 junge Leute ihre Ausbildung in den kaufmännischen und gewerblichen Berufen an. Sappi hat seine Ausbildungskapazität erhöht auf 13 neue Azubis, inklusive eines Studenten, da der Fachkräftemarkt in der Region leer gefegt sei, wie Personalchef Hauke Schillhorn meint. Bei Tries sind es vier Industriemechaniker und eine Industriekauffrau. gal

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