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Anton Schlecker
Ehingen / Christina Kirsch, Karin Mitschang und Andreas Hacker  Uhr
Die Reaktionen nach dem Urteil reichen von Verständnis bis Kritik. Kaum Bedauern für die Haftstrafen der Kinder.

Da isch er aber billig weg komma“, urteilen die meisten Ehinger über die Bewährungsstrafe für Anton Schlecker.  So wie etwa Benno Mauz aus Kirchen. Der Senior hat die Familiengeschichte der Schleckers seit fast drei Generationen verfolgt. „Antons Vater hat bei uns immer Schweine geholt“, erzählt der 80-Jährige über den Vater des jetzt Verurteilten. „Das war früher alles ganz reell und seriös“, sagt er zu den Geschäftsbeziehungen von einst. Das sei allerdings schon 50 Jahre her. Den jetzt verurteilten Anton Schlecker kennt Benno Mauz als jungen, begabten Fußballspieler. Aber schon damals sei ihm aufgefallen, „dass der Anton beim Einkehren gut getrunken, aber wenig gezahlt habe“. Während andere mit ihrem Geld locker umgingen, habe Anton Schlecker sein Geld streng zusammen gehalten. „Und mit den Kindern habe ich kein Mitleid“, schiebt Benno Mauz nach.

„Wenn ich mich in die Lage von Anton Schlecker versetze, dann täte es mir um die vielen Mitarbeiter leid, die plötzlich ohne was dastanden“, meint Peter Häring aus Obermarchtal. Der junge Mann vermisst bei Anton Schlecker eine Entschuldigung gegenüber den Beschäftigten.

Auch Anne-Marie Schneider aus Ehingen hat gehofft, „dass Anton Schlecker stärker bestraft wird“. Die Ehingerin hat viele Jahre bei Schlecker gearbeitet, „und dann standen wir mit leeren Händen da“. Die Kinder hätten ihrem Vater besser unter die Arme greifen und ihn beraten sollen. „Aber es ist natürlich die Frage, ob er sich hätte beraten lassen.“ Ihrer Meinung nach waren falsche Berater an der Pleite mit schuldig. Dass die Kinder auf gute Schulen geschickt wurden und trotzdem keine guten Geschäftsleute waren, wundert und bedauert die Ehingerin.

„Ich hätte gedacht, dass er drei Jahre Gefängnis bekommt“, meint Brigitte Guter aus Lauterach. Die 67-Jährige empfindet die Bewährungsstrafe als ungerecht, über die Strafe für die Kinder möchte sie sich kein Urteil erlauben. Aber in einem ist sich Brigitte Guter sicher: „Die haben doch bloß noch in ihr eigenes Sach rein g‘schafft.“

„Der Prozess hat ja wirklich lange genug gedauert“, meint Brigitte Knorr aus Gamerschwang. Anton Schlecker hätte ihrer Meinung ein höheres Strafmaß verdient gehabt. Die Strafe für die beiden Kinder empfindet sie dagegen als „heftig“. „Womöglich gehen die aber in Revision“, überlegt sie.

Niemand sollte ins Gefängnis

Ganz anders denkt Maria Schäfer. „Ich habe ein gutes Herz und ich finde, von denen sollte niemand ins Gefängnis“, meint die Ehingerin. Maria Schäfer hat 12 Jahre als Kommissioniererin im Schlecker-Lager in Berg gearbeitet. Die Arbeit sei schwer gewesen, „aber trotzdem gut“, sagt sie. „Alle waren beschäftigt“, schwärmt sie von den Zeiten, in denen viele Frauen bei Schlecker unterkamen. „Jetzt bin ich 58 Jahre und wer nimmt mich da noch?“, fragt sie.

Einen ganz anderen Ansatz hat Concetta Vicidomini. „Die Eltern sollten doch Vorbild sein“, sagt die Jugend-und Heimerzieherin. „Wieso sind dann die Kinder straffällig geworden?“, fragt sie. Die Älteren müssten den Kindern den richtigen Weg zeigen und nicht womöglich in einen Schlamassel mit reinziehen. Man sehe allerdings nicht dahinter, sagt die 26-Jährige. Und: „Jedes Verhalten hat seinen Grund.“ Dass die Kinder ein höheres Strafmaß als der Vater haben, wundert die junge Frau.

Andere, die nicht genannt sein wollen, halten gerade dies für angemessen: „Die sind im Reichtum aufgewachsen und wissen nicht, was das heißt, sich anzustrengen und selbst Geld zu verdienen“, ist einer der Kommentare. Unvergessen zum Beispiel „das sündhafte teure Zeugs“, das in der Villa von Meike Schlecker verbaut worden sei. Möglicherweise helfe die Haftstrafe nun, dass die Schlecker-Kinder einige Dinge künftig besser ins Verhältnis setzen könnten.

Dass viele aus dem Kreis der ehemaligen Beschäftigten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, hat Gründe: Sei es, weil die Vergangenheit noch schmerzt, sei es, weil man damit abgeschlossen hat. Gleichgültig lässt die Aufarbeitung der Schlecker-Pleite aber keinen: „Geld geht halt doch vor Gerechtigkeit“, sagt einer, der eine Haftstrafe für angemessen gehalten hätte. „Wenn ein Handwerker Konkurs macht, zieht man ihn aus bis aufs letzte Hemd.“ Mitleid habe er nicht, weil Schlecker sein Unternehmen wie ein Patriarch geführt und alle Hinweise auf ein mögliches Scheitern ignoriert habe.

Schon bestraft genug

Andere meinen: „Lasst den Toni doch in Ruhe“, Schlecker sei ein alter Mann und habe sein Scheitern bis zuletzt nicht wahrhaben wollen. „Das war früher eben unser Arbeitgeber, da können wir uns nicht beklagen“, sagt eine Familie aus einem Ehinger Teilort, in der Vater, Mutter und Tochter bei Schlecker beschäftigt waren.  Für eine Frau aus Munderkingen, die 25 Jahre lang in der Verwaltung in Ehingen gearbeitet hatte, ist Schlecker auch im Bekanntenkreis schon lange kein Thema mehr: „Was soll das alles, der Mann ist doch mit dem Verlust seines Lebenswerks schon gestraft genug. Und das hat er sicher nicht mit Absicht gemacht.“ Anton Schlecker wäre zudem schön blöd gewesen, wenn er nicht gewisse Schlupflöcher im Gesetz genutzt hätte; „das ist bei den anderen in der Branche auch nicht anders, aber da ist es nicht so in der Öffentlichkeit.“