Nachdem die Staatsanwaltschaft am 13. März ihre Sicht der Ereignisse geschildert hatte, die am 20. April 2017 schlussendlich zur Ermordung des 19 Jahre alten Albaners Xhoi M. an einem Erbacher Anglersee geführt hatte (wir berichteten), plädierten am Mittwoch die beiden Verteidiger des angeklagten Deutsch-Albaners, Rudi Mannl aus Göppingen und Dirk Meinicke aus Hamburg.

Rechtsanwälte bestreiten die direkte Tatbeteiligung

Während Oberstaatsanwalt Christof Lehr von einem von langer Hand geplanten Mordkomplott im Zuge einer Blutrache zwischen zwei verfeindeten Familien ausgeht, in dem der Angeklagte eine zentrale Rolle gespielt habe,  bestreiten die beiden Rechtsanwälte eine direkte Tatbeteiligung ihres Mandaten. Dieser habe bis zum Tattag angenommen, als Handlanger für ein Drogengeschäft zu agieren.

Im Laufe das Verfahrens, das sich ein Jahr lang hinzog, hatte der Angeklagte aus Göppingen in einer Erklärung seiner Anwälte eingeräumt, mit einem mutmaßlichen albanischen Auftragsmörder, der unter dem Spitznamen „Don“ Kontakt zu Xhoi M. aufgenommen hatte, im Vorfeld am späteren Tatort am See gewesen zu sein. Außerdem habe er in Baumärkten eine Bauplane, Malervlies, Klebeband, Draht, zwei Paar Handschuhe und einen knapp 20 Kilogramm schweren Betonsturz besorgt. Das belegen auch Kassenquittungen und Standort-Daten des Mobiltelefons des Angeklagten. Dieses Material wurde später benutzt, um die Leiche zu einem Paket zu verschnüren und in einem Gewässer zu versenken.

Erklärungsversuche der Verteidigung

Wegen der Einkäufe musste ihr Mandant aber nicht stutzig werden, erklärte Rechtsanwalt Mannl. Diese gehörten bei Drogengeschäften „fast schon zum Normalfall“. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, Drogen an abgelegener Stelle in einem so genannten „Bunker“ zu vergraben, so Mannl. Dann ergebe auch der Betonsturz Sinn: Er komme mit in die Grube – als Schutz vor allzu neugierigen Bibern.

Hittistetten/Vöhringen

Auf der Autofahrt vom Stuttgarter Bahnhof zum Erbacher Anglersee am 20. April 2017 kam dem jetzt Angeklagten die ganze Angelegenheit laut Verteidigung aber dann doch komisch vor. Er hatte dort den mutmaßlichen Auftragsmörder „Don“ und das spätere Opfer Xhoi M. abgeholt, im Kofferraum befanden sich die Einkäufe aus den Baumärkten. Und irgendwo im Fahrzeug auch noch ein Maurerhammer, die spätere Tatwaffe.

„Panne bei Google“

Der ins Zweifeln geratene Deutsch-Albaner habe sich an einer Waschstraße in Göppingen absetzen lassen. „Don“ und Xhoi M. seien zum Anglersee weitergefahren, an dem der 19-Jährige mit mindestens acht Hammerschlägen getötet wurde. Später sei „Don“ zur Waschstraße zurückgekehrt. Ob sich der jetzt Angeklagte zur Tatzeit tatsächlich in seinem Betrieb aufgehalten hat, lässt sich nicht klären: Für diesen Zeitraum gibt es keine Standortdaten des Mobiltelefons. Die Verteidiger machen dafür eine „Panne bei Google“ verantwortlich. Auch ein Alibi hat der Angeklagte für die Tatzeit nicht.

Weil die Verteidiger von einem aus dem Ruder gelaufenen Drogendeal zwischen „Don“ und Xhoi M. ausgehen, stellen sie auch das Motiv der Blutrache infrage. Diese spielt in der Argumentation der Anklage eine zentrale  Rolle.

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Anwälte plädieren auf Beihilfe zum Totschlag


Strafmaß Lange Zeit unwissend, ein geringer Tatbeitrag: Die Verteidigung plädierte vor dem Ulmer Landgericht auf Beihilfe zum Totschlag. Und forderte für ihren Mandanten eine Haftstrafe von maximal vier Jahren und sechs Monaten.   Die Verhandlung habe keinen Beleg dafür erbracht, der das Tatmotiv „Blutrache“ zweifelsfrei nachweise.  Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft wegen Mordes – aus „niederen Beweggründen“. Das Ulmer Landgericht verkündet das Urteil am 3. April um 10 Uhr.