Kunst Ausstellung: Verführerisch und verletzlich zugleich

Die Künstlerin war nicht anwesend, als die Ausstellung mit Werken von Cornelia Schleime in der Galerie Schloss Mochental eröffnet wurde.
Die Künstlerin war nicht anwesend, als die Ausstellung mit Werken von Cornelia Schleime in der Galerie Schloss Mochental eröffnet wurde. © Foto: Christina Kirsch
Mochental / Christina Kirsch 16.07.2018
Die international bekannte Malerin Cornelia Schleime stellt im Schloss Mochental geheimnisvolle Frauenporträts aus.

Man erkennt sie sofort“, hat der Vernissage-Redner Charles Rump zur Ausstellungseröffnung mit Werken von Cornelia Schleime in Schloss Mochental gesagt. Die in Ost-Berlin geborene Künstlerin, die 1984 in den Westen übersiedelte, ist sich in ihrer Malerei stets treu geblieben. In Schloss Mochental hängen die Porträts von Frauen und Kindern, die zwischen „schön“ und „verletzlich“ changieren. „Bilder voller Versprechen und Erwartung“, meinte der Vernissage-Redner, der vor seiner Rente das Feuilleton der Zeitung „Welt“ leitete.

Cornelia Schleime arbeitet mit Acrylfarben, Schellack und Asphaltlack. Sie lässt über Nacht diverse Chemikalien eine kalkulierte, aber im Detail nicht vorhersehbare Arbeit tun. So bilden sich auf der Bildoberfläche Blasen und Risse, die neue Farbverläufe bilden. Die Gesichter der Figuren sind verätzt, wirken beschädigt und sind bei aller Verletzlichkeit weiterhin strahlend schön. Man könnte auch sagen, das Verletzen adelte die Frauen. „Der Schatten des Tragischen begleitet sie alle“, interpretierte Charles Rump die Porträts. Der Vernissage-Redner ging allerdings nicht auf die 2015 entstandene Serie „See you“ ein, in der Cornelia Schleime laszive, verträumte und selbstbewusste Frauen zeigt. Die Frauen schauen den Betrachter entweder direkt an oder sind wie Gerhard Richters berühmtes Porträt „Betty“ schräg von hinten zu sehen.

In ihren Aquarellen feiert die Künstlerin eine Frauenschönheit, die sich nahe an der Mode-Illustration bewegt und jedes Titelblatt einer Illustrierten schmücken würde. Cornelia Schleime war Friseurin, Maskenbildnerin und Pferdepflegerin, bevor sie an der HfBK in Dresden Grafik und Malerei studierte. Die Künstlerin stellte schon in der DDR aus und wurde dort 1981 mit einem Ausstellungsverbot belegt. Durch dieses Verbot provoziert unternahm Cornelia Schleime einen Ausflug in die Performance- und Filmkunst sowie die Tätigkeit in der Band „Zwitschermaschine“. Schließlich kehrte sie zur Leinwand zurück, nachdem sie 1984 aus der DDR ausgereist war.

Nicht nur bloße Unschuld

In Mochental hängen einige typische Bilder auch aus früheren Jahren. Man sieht eine Frau mit langen Zöpfen, die das Bild zu zerschneiden scheinen. Die Zöpfe als Bändigungsinstrument können aber auch zur Würgewaffe werden, was man Cornelia Schleimes Frauen durchaus unterstellen möchte. Hinter den rot lackierten Lippen und den Köpfen mit den schönen Frisuren versteckt sich nicht nur bloße Unschuld. „Cornelia Schleimes Malerei hält paradoxe Welten zusammen“, meinte Charles Rump. Auf manchen Bildern vermengt die Künstlerin verschiedene Lebensbereiche und vereint einen Vogel mit einem Frauenkopf. Auch der Adler oder Hirschköpfe gehören zu den durchdeklinierten Sujets.

Charles Rump sah in den Bildern vor allem die Verletzlichkeit der Seele und einen Konflikt zwischen dem Kind sein und den Rollenerwartungen an eine Frau. Das trifft vor allem auf die früheren Werke zu. In den Aquarellen aus der Serie „See you“ sind die Frauen einfach nur anziehend schön und ein bisschen geheimnisvoll.

Info Die Ausstellung dauert bis 2. September.

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