Alle Vereine sind in ihren Aktivitäten und mit ihren Veranstaltungen von Corona schmerzlich ausgebremst worden. Doch beim Reit- und Fahrverein (RFV) Ehingen sind zusätzlich noch Lebewesen eingebunden, die trotz des Stillstands weiterhin unter erschwerten Bedingungen versorgt werden mussten. In den Ställen stehen insgesamt 32 Pferde, davon derzeit sechs Schulpferde, die nach Futter und natürlich auch nach Bewegung verlangen.

Nur wenige Menschen dürfen rein

Doch der Reitbetrieb musste eingestellt werden, nur mit Zutrittsberechtigung und strenger Einhaltung der Hygienevorschriften durften wenige Menschen Gelände und Stallungen betreten, um die Tiere zu versorgen.  Und das alles, kurz nachdem der Verein mit einem neuen Konzept für die Jugendarbeit an den Start gegangen war. Heike Glänzer ist seit Dezember 2019 Betriebsleiterin, bis Ende Februar konnte sie mit ihren Angeboten mehr als 50 Kinder und Jugendliche für den Reitunterricht begeistern, der vorrangig die individuelle Förderung im Blick hat. Auch eine Ponygruppe für Kinder ab vier Jahren wurde aus der Taufe gehoben und erfreute sich vor allem bei Jungs großen Zuspruchs.
„Jetzt wurden wir von Corona völlig ausgebremst“, bedauert Vorsitzende Angelika Aierstock. Ein Grund für die CDU-Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer, den Reit- und Fahrverein mit rund 220 Mitgliedern am Freitag zu besuchen und zu hören, wo der Schuh drückt. „Vereine stehen nicht so stark im Fokus wie Unternehmen. Doch auch sie brauchen politisches Augenmerk und finanzielle Unterstützung“, sagte sie und freute sich, dass für den Reit- und Fahrverein eine Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro gewährt wurde. „Vielleicht ist ja noch mehr Hilfe möglich“, schürte die Politikerin vage Hoffnung.

Investitionen kosten Geld

Denn nicht nur die Einnahmen aus den Reitstunden sind komplett weggebrochen, auch die Reitturniere im Mai, für die ein neues Konzept ausgearbeitet worden war, mussten abgesagt werden. „Sie sorgen sonst für den größten Umsatz im Jahr“, machte Aierstock deutlich. Und der wäre dringend nötig gewesen, denn Anfang des Jahres wurden Investitionen getätigt, die refinanziert werden müssen. Außerdem gilt es, die Scheune zu erneuern, einen Teil des rund 80 Jahre alten und mit Holzbock befallenen Stalles abzureißen und neu zu bauen.

Darüber sei man mit der Eigentümerin – der Stadt Ehingen – in Gesprächen, doch das Vorhaben übersteige bei weitem den finanziellen Rahmen des Vereins. Zudem müssen zwei neue Schulpferde angeschafft werden, denn ein Schulpferd ist in den wohlverdienten Ruhestand gegangen, ein anderes hat sich als nicht für den Unterricht geeignet herausgestellt und wurde verkauft. Denn Schulpferde müssen schließlich besonders geduldig sein, sie sind die Herzstücke des Vereins, werden geliebt, gehegt und umsorgt.

Spaß ist ganz wichtig

Nicht nur von den Schülern, auch von den zwei fest angestellten Pferdepflegern, die im Stall und auf den Koppeln für deren Wohlbefinden sorgen. „Der Spaß ist im Umgang mit Pferden ganz wichtig. Wir wollen als Verein das Reiten erschwinglich machen und das Gemeinschaftsgefühl fördern“, erklärte Heike Glänzer.
Ronja Kemmer schaute sich bei den Tieren und in den beiden Reithallen um, die 1963 einige Jahre nach Gründung des Vereins sowie vor rund zehn Jahren gebaut wurden. „Durch die beiden Hallen können wir zeitlich entzerrt Reitunterricht anbieten, denn auch die Halter unserer eingestellten Pferde wollen eher abends zum Reiten kommen. Wir müssen immer auch die Schulzeiten und das Freizeitverhalten der Schüler in der Planung berücksichtigen“, erläuterte Glänzer.

Verständnis für Nöte

Nach den Pfingstferien soll der Regelbetrieb wieder langsam hochgefahren werden, dann kann auch in den Hallen wieder Unterricht stattfinden. Ronja Kemmer zeigte Verständnis für die Nöte der Reiter und will sich für eine weitere Förderung stark machen: „Alle Vereine haben stark unter Corona gelitten und leiden immer noch. Es ist sehr wichtig, dass unsere Vereine am Leben bleiben, denn ohne sie wäre unsere Gesellschaft nicht vorstellbar“.

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Pferde stehen in den Ställen des Reit- und Fahrvereins Ehingen auf dem Stoffelberg. Unter ihnen sind sechs Schulpferde. Diese müssen besonders geduldig sein.