Vereine Verein zur Pflege der Feuerwehrtradition braucht Nachwuchs

Munderkingen / Ingeborg Burkhardt 19.07.2018

Jeder, der an der Hausener Straße in Munderkingen vorbei kommt, sieht auf dem Hof von Karl Maier seit Jahren eine historische Drehleiter und ein Löschfahrzeug aus derselben Generation an derselben Stelle stehen. Hinter den Toren der Werkstatt aus der Gründerzeit des Baugeschäfts von Karl Maier sieht es aus, als ob die Ulmer Feuerwehrfahrzeuge und -gerätefabrik Magirus-Deutz begonnen hätte, ein kleines Museum in der Donaustadt einzurichten. Unter anderem steht dort ein VW-Bus aus der ersten Produktionsreihe der „Mannschaftstranportwagen“; aufgebockt ist in dem großen Raum das erste Löschfahrzeug, LF 15, Baujahr 1949, der Munderkinger Wehr. Die hatte es am 15. Mai 1951 zum Abschluss der Neubeschaffungen von Geräten nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen.

Daneben lagern neu bereifte Räder, entlang der Ostseite ist ein gut sortiertes Ersatzteil-Regal und auf der Südseite gibt es ein gemütlich eingerichtetes Aufenthaltsstüble. Eine Treppe tiefer parkt in der Garage ein komplett restauriertes Tanklöschfahrzeug von 1951 aus dem Ulmer Magirus-Werk. Im neuen Glanz kam es zur Hochzeit von Vereinsmitglied Alwin Renner zum ersten Mal wieder zum Einsatz, wurde seither bei Feuerwehr-Oldtimer-Treffen oder beim Ulrichsfest in Berg von Besuchern bestaunt.

„Alwin Renner hat sich die Brautfahrt im Oldtimer verdient“, sagt Karl Maier. Der damalige Techniker bei Magirus und aktive Feuerwehrmann sei „der Motor des 1998 gegründeten Vereins zur Pflege und Erhaltung alter Feuerwehrtradition“ gewesen, dessen Inventar – die Fahzeuge und das Vermögen – die Stadt erbt, falls er aufgelöst werden sollte. Dazu gehören auch die der Historie nachempfundenen Uniformen der Fahrzeug-Mannschaft. Doch soweit wollen es die Gründer des Oldtimer-Vereins nicht kommen lassen. Sie hoffen, dass sie junge Mechaniker und Handwerker finden, die Feuer und Flamme sind, wenn sie historische Fahrzeuge restaurieren können. „Wenn nicht, dann können wir vielleicht als Pensionäre das am Munderkinger LF 15 begonnene Werk vollenden“, sagt Kurt Fues. Der ist Schriftführer des Vereins, der seit einem Jahrzehnt vor sich hindämmert, die Abbuchungen bei den passiven Mitgliedern eingestellt hat und die Einberufung einer Mitgliederversammlung „vor sich herschiebt“, wie Renner bekennt.

Karl Maier, 91-jähriger Seniorchef des Bauunternehmens, das inzwischen seinen Standort in Unterweiler bei Ulm hat und dem Verein seit 20 Jahren kostenfrei Räume und Parkplatz bereitstellt, wäre interessiert, was Renner, Fues, Arno Hardecker, Hubert Rupp und Heribert Engst für die Zukunft planen. Sein Sohn wolle die Immobilie irgendwann verpachten, sagt der Senior, der sich mit seiner Frau Theresia zehn Jahre lang mittwochs und samstags darüber gefreut hat, mit welchem Feuereifer ein Dutzend Mechaniker in ihrer Freizeit geschafft hatten, bis es wieder still geworden sei auf seinem Hof.

„Wir hätten noch ein gutes Jahr gebraucht, dann wäre auch das zweite Fahrzeug, das erste Munderkinger Löschfahrzeug, fertig gewesen“, sagt Renner, der nach Kisslegg geheiratet hat, dem aber der Erhalt der Feuerwehrtradition in seiner Heimatstadt ein wichtiges Anliegen ist. Dass die Arbeit am Munderkinger LF 15 nicht fortgesetzt werden konnte, habe nicht am erloschenen Eifer gelegen, sondern daran, dass die Mitglieder aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen nicht mehr weitermachen konnten und eines gestorben ist.

Das verbliebene fünfköpfige Team, das einmal von 90 passiven Mitgliedern unterstützt wurde, hat noch kein konkretes Konzept für die Zukunft. Einig sind sich die fünf „Männer der ersten Stunde“, dass sie sich von den auf dem Hof geparkten Mobilen aus der Magirus-Iveco-Ära trennen müssen, weil eine Restaurierung nicht mehr zu schaffen ist. Dazu bedarf es der Zustimmung der Mitgliederversammlung, die einberufen werden muss.

Auf jeden Fall solle das von Albert Engst erworbene und in das Vermögen eingebrachte TLF, das als „Hochzeitskutsche“ dient und Ergänzung zu dem Munderkinger LF ist, im Städtle bleiben. Sie hätten bei diesen beiden Objekten und auch schon beim VW-Bus alle Schrauben mehrmals in der Hand gehabt. Weil Renner, der bei seinen Kameraden als nächster Vorsitzender als Favorit gilt, monatelang schwer krank war, wurde die Mitgliederversammlung immer wieder verschoben. Wenn einmal das Munderkinger Löschfahrzeug fertig ist, muss für die beiden Fahrzeuge aus den 1950er Jahren eine passende Garage gefunden werden. Diese Sammler-Karossen mit den hölzernen Fahrgestellen müssen schließlich vor Nässe geschützt werden, soll die Arbeit der Vereinsmitglieder die Zeiten überdauern. Schwierig werde es wohl auch junge Leute zu finden, die wie sie das Restaurieren von Feuerwehr-Oldtimern zum Hobby machen wollen.

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