Literatur Verbrechen aller Arten

Die Autorinnen Monika Küble, Bettina Hellwig und Adi Hübel (von links) stellten ihre Krimis vor. Dahinter im weißen Hemd Christof  Lehr, Leitender Oberstaatsanwalt aus Ulm.
Die Autorinnen Monika Küble, Bettina Hellwig und Adi Hübel (von links) stellten ihre Krimis vor. Dahinter im weißen Hemd Christof Lehr, Leitender Oberstaatsanwalt aus Ulm. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 16.07.2018

Was wir machen, ist spannender als jeder Tatort“, bekannte Christof Lehr, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Ulm, und plauderte im Franziskanerkloster über Sonderkommissionen, Tatnachweise und die Arbeit der Staatsanwaltschaft, die im Jahr 40 000 Verfahren bearbeitet. Ganz nebenbei rückte er die nicht vollzogene Tat der Krimiautorin Adi Hübel zurecht. „Von den drei Ehemännern ist der mit der Bratpfanne straflos dahingeschieden“, analysierte er den zuvor vorgelesenen Krimi aus Staatsanwaltssicht. Die Kriminacht, zu der sich rund 50 Zuhörer im Franziskanerkloster eingefunden hatten, war eine gelungene Mischung aus Fiktion und Realität, die mit Lesungen und Musik bis spät in die Nacht unterhielt.

Zur Lesung spielte die Band „Cops unlimited“ mit Beamten des Ehinger Polizeireviers. Die Sängerin Marina Mast unterstützte die Herrenriege mit ihrer Stimmgewalt. Von Gewalt war auch in den drei Lesungen zu hören. Die Ulmer Frauenaktivistin und Theatergründerin Adi Hübel machte den Anfang. Schon der Lebenslauf der ehemaligen Zahnarzthelferin, Lehrerin und Theaterwissenschaftlerin hörte sich aufregend an. Ein Genuss war die Episode aus der Anthologie „Frauen morden schöner“, in der drei Frauen die möglichst unauffällige und geräuschlose Beseitigung ihrer Männer planen. Dass das alles nicht nach Plan gehen würde, zeichnete sich schon nach den ersten Sätzen ab und so schied der erste Mann straf- und sprachlos von ganz alleine dahin.

Die Ulmerin Adi Hübel siedelt ihre Krimis in Ulm an und Bettina Hellwig findet ihre mordenden Frauen im Bodenseeraum. Die Konstanzerin Autorin hat in Göttingen und Berlin Pharmazie und Medizin studiert, was sich auch in den Krimis niederschlägt. „Morden mit Medikamenten und Gift geht so schön elegant“, schmunzelte die Medizinjournalistin, der es vor allem die tückischen Wechselwirkungen der Medikamente angetan haben. In ihrem Roman „Julmonds Tod“ soll eine Medizinjournalistin einen Skandal um gefälschtes Hengstsperma aufdecken. „Ich habe den Krimi zum 500. Bestehen des Marbacher Landgestüts geschrieben“, erläuterte Bettina Hellwig. Mit einem historischen Umfeld befasste sich Monika Küble, die aus historischen Originaltexten von 1876 ihre Geschichten webt.

Ganz in der Gegenwart ist jedoch die Arbeit der Staatsanwaltschaft Ulm angesiedelt. „Ich lese auch keine Krimis“, bekannte Christof Lehr. Er habe nach dem Studium nie Rechtsanwalt werden wollen, um sich nicht in eine Abhängigkeit von Mandanten geben zu müssen, sagte der Jurist. Nur einmal war er auch Verteidiger, schob der eloquente Redner nach. „Da wurde im Gericht ein Film gedreht und ich habe die Robe einfach angelassen“.

Täglich neun Verfahren

Lehr beschrieb den Gang eines gefassten mutmaßlichen Täters von der U-Haft bis zur Staatsanwaltschaft, die den Tatnachweis prüft. Ein Staatsanwalt sehe als erstes die Tat. „Es gibt Leute, die bereuen und in sich zusammensacken und es gibt die Unverbesserlichen“, sagte er. Jeder Ulmer Staatsanwalt bearbeite täglich neun Verfahren und nebenbei würden auch noch die Berufsanfänger eingearbeitet.

„Die haben zwölf Semester studiert und keine Ahnung davon, wie man eine Akte bearbeitet“. Auch die Einschätzung der Glaubwürdigkeit eines potenziellen Täters lerne man erst mit den Berufsjahren. 80 Prozent der Fälle seien Geldstrafen, „wobei die Zahlungsmoral unserer Kundschaft nicht besonders groß ausgeprägt ist“, wusste Lehr. „Wenn man ihnen dann Gefängnis androht, überlegen es sich die meisten nochmal und finden doch noch eine Oma, die ihnen Geld leiht“. Wie so oft war das wahre Leben mindestens so spannend wie die erfundenen Krimis.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel