Ehingen / WOLFGANG H. SCHMID Am Samstag wird Veit Feger aus Ehingen 70 Jahre alt. Der ehemalige Lokalverleger der Schwäbischen Zeitung hat vor zehn Jahren verkauft und ist jetzt vor allem Kunstfreund, Mäzen und Bürger.

Er war der letzte selbstständige Lokalverleger im Bereich des Schwäbischen Verlags, also in Oberschwaben. Veit Feger wurde als anstößiges Relikt von der damals noch in Leutkirch beheimateten Zentrale mit aller Macht beharkt und entschied sich vor zehn Jahren zu einem Schnitt: Er verkaufte seine Verlagsrechte und zog sich ins Privatleben zurück. Zum Frühstücksdirektor wollte er sich nicht schrumpfen lassen.

Für Veit Feger war Verlegersein eine "Erbkrankheit", von der er sich ab 1975 in die Pflicht nehmen ließ und an die er täglich im Impressum der Ehinger Lokalausgabe erinnerte: Dort war auch sein Ururgroßvater Thomas Feger aufgeführt, der von 1834 an in Ehingen eine Zeitung herstellte.

In dem überschaubaren Ehingen der jungen Bundesrepublik als "dr Feger" aufzuwachsen, hatte neben dem Nachteil lästiger Begutachtung auch einen Vorteil: Die Buchhandlung Ortmann, heute das Verlagsgebäude der SÜDWEST PRESSE, gegenüber dem Elternhaus, dem Schlössle am Marktplatz, stand dem Schüler offen: Er konnte beliebig Bücher mitnehmen, die ihn interessierten. Ortmann schrieb die Käufe an und schickte die Rechnung erst an die Eltern im Nachbarhaus, als der Sohn nach dem Abitur 1963 nach Tübingen wechselte. Bücher wurden für den Ehinger Zeitungsverleger zu einer lebenslangen Passion: nicht nur der Besitz, auch das Lesen. Wenn andere sich einen Pool ins Haus bauten, gönnte Veit Feger sich einen Bibliotheksanbau und besucht bis zur Gegenwart brav die öffentlichen Bäder in Ehingen.

Trotz dem für ihn wichtigen Tübinger Lehrer Ernst Bloch wechselte Veit Feger bald von Tübingen über München nach Frankfurt. Dort fand man ihn in den kommenden Jahren in den Veranstaltungen von Adorno, Horkheimer und Habermas, um die drei bekanntesten Namen der Frankfurter Schule zu nennen. Nach der Erschießung von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 engagierte sich Feger im Studentenausschuss der Uni und im SHB, dem weniger radikalen Bruder des SDS.

Derlei war nicht die reguläre Schule für einen künftigen oberschwäbischen Lokalzeitungsverleger. Der Ehinger Honoratiorenwelt stand Veit Feger nach seiner Rückkehr nach Ehingen 1975 distanziert gegenüber; Repräsentieren war ihm Zeitverschwendung, ja Horror. Veit Feger konnte im Zeitungsalltag überaus zugewandt, freundlich zu seinen Lesern und Abonnenten sein. Wenn sie aber Amts- oder Statusbonus heischten, mit "Grattel" auftraten, wie er es in breitem Schwäbisch nannte, dann konnte die Klappe gnadenlos fallen. Dies und sein unübersehbarer Verzicht auf jegliche Statussymbole, seien sie aus Blech oder Zwirn, irritierten insbesondere jene, die sich krumm legten, um von jenen wahrgenommen zu werden, die ebenfalls wahrgenommen werden wollten.

Die positive Kehrseite dieser Haltung heißt Unabhängigkeit. Diese wurde unterfüttert durch enormen Fleiß, Geschick und eine solide finanzielle Basis des kleinen Zeitungsverlags. Unter Lokalverlegern war es schon lange unüblich, zugleich journalistisch zu arbeiten; Veit Feger hingegen war sein eigener Leitender Redakteur. Sein Produkt wollte er selber verantworten und täglich gestalten. Urlaub kannte er nicht, seine Redakteure dafür kaum Sonntagsdienst. Als er nach dem Tod seines Vaters ab 1985 die Ehinger Ausgabe allein verantwortete, nahm seine Bereitschaft zu kritischer Berichterstattung zu. Er scheute die Kosten nicht, ließ seinen Redakteuren alle Zeit der Welt zu recherchieren und nahm ungern, aber sehenden Auges hin, dass verärgerte Werbekunden oder Abonnenten absprangen, wenn er meinte, dass er seinen Lesern Kritisches liefern musste. Solch eine tapfere Pressearbeit war schon deshalb nicht einfach, weil der Raum Ehingen nicht im Monopolgebiet der "Schwäbischen" liegt: Die SÜDWEST PRESSE war und ist mit ihrem "Ehinger Tagblatt" vor Ort, wach und nicht aus Pappe.

Die Tochter und der Sohn von Veit Feger blieben von seinem "Erbleiden" (wie er selbst es nennt) verschont. Feger versank im Ruhestand nicht hinter seinen Regalen, sondern betreibt eine eigene Website, organisiert die monatlichen Treffs der Ehinger Grünen und kandidiert jetzt auf deren Liste für den Ehinger Gemeinderat. Aus diesem Gemeinderat wurden seine beiden Großväter im Frühjahr 1933 ausgeschlossen.

Feger pflegt seine Neigungen auch als Mäzen, ohne davon Aufhebens zu machen. So erwirbt er von einer Attenweiler Künstlerin gemalte Porträts geflüchteter deutscher Juden und stellt diese Bilder zur Hängung an öffentlichen Orten bereit. Als Dauerleihgabe finden solche Bilder vor allem Platz in Schulen. Erst vor einer Woche wurde ein von ihm gestiftetes Bild der Buchauer Jüdin Edith Kahn, die heute Ester Alsberg heißt und in Israel lebt, im Foyer des dortigen Progymnasiums aufgehängt.