Ehingen / CHRISTINA KIRSCH In der Bürgerwerkstatt zogen 60 interessierte Ehinger Bilanz aus der Familienwerkstatt und schauten nach vorne.

Vor fünf Jahren gab es in Ehingen eine Familienwerkstatt. Was ist davon geblieben? Wie haben sich Bedürfnisse verschoben und wie soll es weitergehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Bürgerwerkstatt im Bürgerhaus Oberschaffnei. Dieser Ort der Begegnung war vor fünf Jahren angeregt worden und ist mittlerweile ein Treffpunkt für Einheimische und Fremde, Junge und Alte geworden. Oberbürgermeister Alexander Baumann ging in seiner Bilanz der vergangenen fünf Jahre darauf ein, was alles in die Wege geleitet oder vollendet wurde und seine Ursprünge in der Familienwerkstatt von damals hatte. Darunter fällt der Neubau der Kindertagesstätte Rosengarten, der aktuell erweitert wird. Die Stadtteilarbeit im Wenzelstein kam voran und trieb vielfältige Blüten und Knospen. Nachdem es dort Angebote für Kinder und Familien gibt, sollen nun auch die Senioren in den Blick genommen werden.

Betreuung in Ferien gefragt

„Auf der Haben-Seite steht in Ehingen auch das Kinderbetreuungsangebot“, erläuterte Bürgermeister Sebastian Wolf. Der Rechtsanspruch auf Betreuung ab dem ersten Lebensjahr habe punktgenau erfüllt werden können. Welche Dynamik Kinderbetreuung annehmen kann, zeigte er am Beispiel der Ganztagsbetreuung in den Schulferien. Man habe vor fünf Jahren mit einer sechswöchigen Halbtagsbetreuung in den Sommerferien begonnen, „und jetzt sind alle Ferien ganztags buchbar“, bilanzierte Wolf. Die Schulsozialarbeit wurde aufgestockt und Kinder haben heute mehr schulische Entscheidungsmöglichkeiten als vor fünf Jahren. Temporeduzierungen um Schulen wurden voran getrieben und sämtliche Fahrzeuge im Stadtbusverkehr sind nun mit Niederflurtechnik ausgestattet.

Es habe sich leider niemand gefunden, der das Thema „Älter werden in Ehingen“ weiter voran getrieben hätte und auch die Idee des Mehrgenerationenhauses versandete. Eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit macht sich auch am Spätbus fest. „80 Prozent der Befragten wollen den Bus, aber die Nachfrage ist gering“, sagte der Bürgermeister. In verschiedenen Arbeitskreisen gingen die 60 Teilnehmer den Fragen nach, was in Ehingen bleiben und bewahrt werden soll. Auch neue Ideen werden in der Weiterentwicklung der Stadt aufgenommen. So wünschen sich junge Mütter in der Kernstadt einen Ort zum Stillen und Jugendliche hätten gerne eine Verbindung zwischen Groggensee und Jugendzentrum. Auch eine Neuauflage des Jungen Podiums ist erwünscht.

Gemeinsam Gemüse anbauen

Gleich mehrfach taucht in den Wunschzetteln das Wort „urban gardening“ auf. Diese Form des gemeinsamen Bewirtschaften eines Gemüsegartens findet in Großstädten großen Anklang und scheint auch nach Ehingen zu schwappen. In der großen Kreisstadt und ihrer verdichteten Bauweise werden Gärten immer weniger. Zu dem Thema passt, dass sich auch die VHS nächstes Jahr mit dem Thema „Gärten“ befasst.

Unter der Moderation von Städteplaner Frieder Hartung und Andreas Reuter vom Kommunalverband Jugend und Soziales äußerten sich in der Abschlussrunde einige Teilnehmer. Dabei bekam der Redner nach einem Indianerritual einen Redestock in die Hand. Er habe in seiner Arbeitsgruppe des öfteren einen bestimmten Satz gehört, meinte Frank Kubitschek. „Das haben wir schon vor fünf Jahren gesagt und hoffen, dass wir es in weiteren fünf Jahren nicht nochmal sagen müssen“, lautete dieser Satz. Der Jugendliche Jonas Dammann zog das Resümee, „dass ich das erste Mal in Ehingen erlebt habe, dass gut diskutiert wurde“. Dirk Ringhand dankte dem Veranstalter, „dass Ehingens Zukunft demokratisch gestaltet wird“ und Ada Bialecki vom Jugendhaus hoffte, dass die Ideen und der Spirit des Vormittags noch weiter wirken. Die Ergebnisse werden dokumentiert und Grundlage für weitere „neue elegante Schritte in Ehingens Zukunft“, sagte Andreas Reuter abschließend.