Mit schwäbischen Tugenden gegen die Wegwerfmentalität – und das mit großem wirtschaftlichem Erfolg: Landes-Umweltminister Franz Untersteller hat sich am Donnerstag beim Wasserzähler-Hersteller Lorenz in Ingstetten über ein Vorzeigeunternehmen informiert. Ressourceneffizienz ist ein Anliegen des Ministers der Grünen. In einem Projekt samt Buch sind die darin führenden Unternehmen des Landes vorgestellt worden. Er wolle sich einige dieser Leuchtturmprojekte anschauen, sagte Untersteller in Ingstetten. „Denn wir haben kaum Rohstoffe im Land.“ Rohstoffe werden auch weltweit knapper und teurer – sorgsam mit den Ressourcen umzugehen sei wichtiger denn je.

Messing statt Plastik

Und das tut Lorenz in Ingstetten. Denn während die Konkurrenz Plastik zur Herstellung der Wasserzähler verwendet, verarbeitet Lorenz stabiles Messing. Der Clou dabei: Die Lorenz-Zähler sind so nicht nur äußerst stabil, sie können auch wiederverwendet werden. Selbst aus Norddeutschland werden die  Zähler nach Ablauf ihrer Betriebsdauer zurück nach Ingstetten gebracht, dort umgerüstet, gereinigt und wieder als neue Zähler im Land in Betrieb genommen.

Die Lorenz-Konkurrenz sind große amerikanische Konzerne, die meist in Billiglohnländern fertigen lassen und deren Zähler  nach Gebrauch im Müll landen. Dank der nachhaltigen Produktion gelinge es Lorenz, die Herstellung in Deutschland zu belassen – und sogar laufend auszubauen, berichtete Geschäftsführer Wilhelm Mauß. 160 Mitarbeiter hat das Unternehmen derzeit. Minister Untersteller zeigte sich äußerst angetan von der Idee: Das sei fantastisch, er rätsle, warum da noch niemand vorher darauf gekommen sei, sagte Untersteller. Ob die Firma Lorenz ihr Konzept nicht auch in anderen Bereichen anbieten wolle? Etwa bei Stromzählern?

Geschäftsführer Mauß lächelte zurückhaltend. In dem Bereich habe die Firma keine Erfahrung – und man sehe gerade so viele spannende Möglichkeiten im Bereich der Wasserzähler, dass man da kein neues Feld eröffnen wolle. Hygiene spielt eine wichtige Rolle bei Lorenz – Wasser ist schließlich auch ein Lebensmittel. Mit der Abwärme der nahen Biogasanlage werden die Zähler auch mit Hitze behandelt, um dann ohne Keime an die Kunden ausgeliefert zu werden.

Mauß und die Lorenz-Führungsebene diskutierten mit dem Minister über eine weitere Zusammenarbeit. So will Mauß Vertreter von Wasserwerken und andere Kunden zu einer Fachtagung einladen. Er spreche dabei gerne über Ressourceneffizienz, sagte Untersteller.

Für neue Wege geschaffen

Auch Fördermöglichkeiten waren ein Thema. Die Landesagentur für Umwelttechnik arbeite daran, nachhaltige Entwicklung auch anderswo zu unterstützen. Gerade seien etwa die Balkanstaaten dabei, die EU-Umweltstandards einzuführen – und bräuchten dazu viel Wissen. Insgesamt sei ein Land wie Baden-Württemberg mit seinen innovativen Firmen doch wie geschaffen dafür, neue Ideen und Wege in Sachen Ressourceneffizienz zu finden, sagte Untersteller.

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Sorgsamer Abbau von Kalkstein


Bodenschätze Auch die Blaubeurer Firma Eduard Merkle hat Umweltminister Untersteller am Donnerstag besucht. Er lobte die Firma für ihren vorbildlichen Umgang mit Bodenschätzen. Wie Lorenz in Ingstetten ist auch Merk­le einer von landesweit 100 „Exzellenzbeispielen“ aus allen Teilen der Wirtschaft, die besonders schonend mit Ressourcen umgehen.

Innovation In den vergangenen 15 Jahren ist der Anteil von unbrauchbarem Material beim Kalkstein-Abbau bei Merkle von 20 auf 10 Prozent zurückgegangen. Mit Hilfe eines innovativen Projekts soll bis 2020 auch der Rest verwertet werden. Zwei Millionen Euro investiert die Firma, dadurch könnten 50 000 Tonnen Kalkstein weniger abgebaut werden.