Am ersten Sonntag der Passionszeit griff Pfarrerin Margot Lenz im evangelischen Gottesdienst das diesjährige Fastenthema „Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen“ auf. Faschmeldungen und „alternativen Wahrheiten“ begegne man täglich, meinte die Pfarrerin. Doch das Lügen oder Verdrehen von Tatsachen betrefffe nicht nur den Alltag und die Politik. Man könne sich auch selber fragen, wie ehrlich man ist, gab Margot Lenz Denkanstöße. „Wie ehrlich kann ich mir gegenüber und zu anderen sein?“, fragte sie die Gottesdienstbesucher. Würde man auf die Frage „Wie geht es Ihnen?“ ehrlich antworten, wäre das dem Frager vielleicht gar nicht so angenehm. Und so antwortet man „Danke gut“, obwohl einen die Sorgen plagen.

Dieses Lügen oder Zurückhalten der Wahrheit geschehe in der Absicht, sein Gegenüber nicht zu belasten, meinte die Pfarrerin in ihrer Predigt. Wer das Experiment wage, radikal ehrlich zu sein, ernte unter Umständen „stinksaure“ Mitmenschen. Daher müsse man unterscheiden zwischen Lügen, die den Mitmenschen schaden, und anderen Lügen, die einem zum Vorteil gereichen. Und dann gebe es noch die so genannten weißen Lügen – Unwahrheiten, die für das Zusammenleben der Menschen positive Konsequenzen zeigen.

Mit der Taufe erhalte der Mensch ein Kleidungsstück, das ihn verändere, meinte Margot Lenz. Das Taufkleid sei ein Sinnbild des Glaubens, das den Menschen Würde gebe. Schonungslos zu lügen sei damit unter der Würde des Menschen.

In der katholischen Kirche haben gestern Abend die Fastenpredigten in der Liebfrauenkirche begonnen. Die diesjährige Reihe geht der Frage nach, ob die Kirche als ein ,Haus voll Glorie“ renovierungsbedürftig ist und wenn ja, wie stark. Zum Auftakt der Reihe war für gestern Abend Dr. Irme Stetter-Karp angekündigt, Leiterin der Hauptabteilung Caritas im Bischöflichen Ordinariat (Bericht folgt).