Was am Sonntagabend auf der Facebook-Seite „Wanted: Ehingen“ anonym gepostet wurde, hat einen Sturm der Entrüstung unter Tierfreunden in der Region ausgelöst: Zwischen dem 30. April und dem 5. Mai soll demnach ein Rottweiler-Welpe in einem Wald bei Allmendingen an einen Baum gebunden worden sein. „Der Hündin wurden der Schwanz gebrochen und die Tatzen verstümmelt“, heißt es in dem Beitrag. Sie habe zwischenzeitlich ein gutes neues Zuhause gefunden, nun sollen die Menschen gefunden werden, die sie misshandelt und ausgesetzt haben.

Ulmer Tierheim-Leiter schaltet sich ein

Bis Montagnachmittag wurde der Post mehr als 1000 Mal geteilt und gut 250 Mal kommentiert. In die Masse der vielen entsetzten Stimmen, die den Tätern das Schlimmste wünschen, mischen sich kritische Worte – unter anderem von Ralf Peßmann, dem Leiter des Ulmer Tierheims. Dort war nämlich bis Sonntagabend kein Fundwelpe aus Allmendingen bekannt. Und auch dem Polizeipräsidium Ulm lagen bis dato keine Erkenntnisse zu dem Fall vor, wie Pressesprecher Holger Fink auf Anfrage mitteilt.

Polizei: Fundunterschlagung ist strafbar

Das verwundert – insbesondere vor dem Hintergrund, dass aus den Kommentaren hervorgeht, dass die Hündin offenbar anders als im Post geschildert bereits Anfang April gefunden wurde und seit einigen Wochen bei ihren neuen Besitzern ist. „Der richtige Weg geht bei einem gefundenen Tier immer über die Behörde“, mahnt Fink. Ganz unabhängig davon, in welcher Situation ein Tier aufgefunden werde und auch, wenn alles auf eine Aussetzung hindeute, gelte: „Nur weil ich es finde, ist es noch lange nicht mein Tier.“ Im Fall der Rottweilerhündin aus Allmendingen stehe deshalb der Verdacht auf Fundunterschlagung im Raum – „und das ist eine Straftat“.

Veterinäramt ist informiert

Ralf Peßmann ist zwischenzeitlich mit den neuen Besitzern in Kontakt. Vorerst wird der Welpe bei ihnen bleiben: „Das ist ein Platz, wie man ihn sich wünscht, wenn man einen Hund vermittelt“, sagt er. Auch würde die Hündin dort tierärztlich versorgt.

Ob der Platz von Dauer sein wird, ist allerdings unklar. „Zumindest theoretisch könnte der Welpe seinem eigentlichen Besitzer auch gestohlen worden sein“, gibt Peßmann zu bedenken. Es sei völlig unklar, wer den Hund ausgesetzt hat. Da zudem eine Misshandlung des Tieres im Raum steht, ist er in Kontakt mit dem Veterinäramt. Polizei und Gemeinde sind ebenfalls informiert.

Bei Fundtier immer Polizei und Tierheim informieren

Ganz grundsätzlich sollte bei einem Fundtier der erste Weg immer zur Polizei beziehungsweise zum Tierheim führen, sagt Peßmann: „Wir kümmern uns dann darum, was mit dem Tier weiter passiert.“ Sei es verletzt, komme das Tierheim für die Kosten der tierärztlichen Versorgung auf. Ein gefundenes Tier einfach zu behalten sei dagegen kein Kavaliersdelikt, sondern Unterschlagung: „Das kann richtig böse Bußgelder nach sich ziehen“, warnt Peßmann – bis zu 25 000 Euro.