Soziales Tiere berühren die Seele der Menschen

Volkersheim / Christina Kirsch 29.08.2018

Hinter jedem Tierschicksal steckt ein Menschenschicksal.“ Diese Erfahrung hat die Volkersheimerin Elvira Schick schon zu der Zeit gemacht, als sie noch den Tiernotruf inne hatte. Aber auch heute sind im „Hasen“, dem Zuhause von Elvira Schick und ihrer Familie, jede Menge Menschenschicksale eng mit den Tierschicksalen verbunden. Und ganz Vieles geschieht im Verborgenen ohne viel Aufsehen.

„Neulich habe ich drei Sachen unter einen Hut gebracht“, erzählt die 47-Jährige. Bei Elvira Schick wohnt ein Herr, der Diabetiker ist und sich mehr bewegen sollte. Im Dorf wohnt eine Frau, die nicht gerne alleine spazieren geht und Elvira Schicks drei Hunde brauchen täglich Auslauf. „Jetzt laufen die miteinander und allen ist gedient“, sagt Elvira Schick, die seit fünf Jahren über den Freundeskreis Schussenried Betreutes Wohnen in der Familie anbietet. Manche Gäste bleiben ein ganzes Jahr, für andere ist Elvira Schick die Urlaubsvertretung. Immer werden die Menschen liebevoll ins Familienleben eingebunden und so sitzen mittags rund neun Personen miteinander am Tisch.

Erfolgserlebnis mit Igelchen

Wie Mensch und Tier zusammenpassen, geschieht bei Elvira Schick ganz selbstverständlich. Ein Gast war antriebslos und wusste nichts mit sich anzufangen. „Da brachte man mir ein winziges Igelchen, bei dem ich wusste, dass ich es zeitlich nicht schaffe, es aufzuziehen“, berichtet die Gastmutter. „Und dann habe ich meinem Pflegegast gezeigt, wie man Igel füttert und der Igel ist durchgekommen.“ Auch für den psychisch labilen Igelpapa war die Aufzucht ein Erfolgserlebnis, von dem er heute noch schwärmt.

Vor mehr als einem Jahr hat Elvira Schick die Vogelpflegesta­tion des verstorbenen Rudolph Kohlruss sen. übernommen. Kürzlich brachte die Polizei einen Bussard. „Dem werde ich wohl das Bein schienen müssen“, mutmaßt Elvira Schick, die den Vogel in einer großen Voliere untergebracht hat. Um den Greifvogel zu untersuchen, nähert sich Elvira Schick ihm mit leiser Stimme und nimmt ihn in den Arm. Das wilde Tier scheint überhaupt nicht beunruhigt zu sein. Selbst als Elvira Schicks Hunde dazukommen und mit der Schnauze fast die Schwanzfedern des Vogels berühren, regt sich der Bussard nicht auf.

In dieser Szene begreift jeder Beobachter sofort, dass Elvira Schick ein glückliches Händchen für Tiere hat. „Ich mochte schon als Kind Tiere und war bei den Hasen im Dorf“, erzählt Elvira Schick, die in dem Haus in Volkersheim geboren wurde, in dem sie heute lebt. „Mir ist selber einmal ein Vogel ins Auto geflogen“, erinnert sie sich an die Anfänge ihres Tiernotrufs. „Den Vogel wollte niemand und dann habe ich ihn selber gepflegt.“

Esel und Hängebauchschwein

Seit sie die Vogelpflegestation betreibt, hat sie den Gastwirtschaftsbetrieb aufgegeben. Verletzte Vögel werden nur so lange in Obhut genommen, bis sie sich wieder selber versorgen können. „Mich überkommt ein Glücksgefühl, wenn die Vögel wieder wegfliegen.“ Auf dem Gelände des  „Hasen“ gibt es auch ein Hängebauchschwein, das bei einem Hammellauf übrig war, und Esel, die eine Freundin aus schlechter Haltung freigekauft hat.

Schulklassen und behinderte Kinder kommen genau so gerne zu Elvira Schick wie Weltenbummler, die einen Platz für ihr Pferd brauchen oder Leute, die im Schäferkarren übernachten wollen. Sie setzt alles daran, aus den ihr anvertrauten Menschen das herauszukitzeln, was sie gut können. „Unser Michael hat eine so schöne Stimme“, berichtet sie. „Er hat erst uns ein paarmal vorgelesen und mittlerweile liest er im Ehinger Café Life vor“, beschreibt sie die Fortschritte eines ihrer Schützlinge, der sich vielleicht auch traut, auf dem Weihnachtsmarkt vorzulesen.

Sich selber etwas Gutes tun

Man brauche nicht viel Aufwand treiben, um Menschen etwas Gutes zu tun, ist Elvira Schick überzeugt. Als nächstes Projekt lässt sie ihren Collie Doro zum Seelenhund ausbilden, mit dem sie dann in Heime oder andere Einrichtungen gehen wird. Nicht nur bei ihren Hunden spürt sie, dass Tiere den Menschen berühren. „Viele Menschen haben hier das Gefühl, den Tieren etwas Gutes zu tun“, sagt sie. „Dabei tun sie oft sich selber etwas Gutes, wenn sie mit den Tieren zusammen sind.“

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