Obermarchtal Tiberius-Wallfahrt in Obermarchtal: Erstmals Preisverleihung

Einen modernen Tiberius von Obermarchtal hat Künstler Hermann Geyer aus Ulm 2013 gestaltet.
Einen modernen Tiberius von Obermarchtal hat Künstler Hermann Geyer aus Ulm 2013 gestaltet.
Obermarchtal / SWP 06.11.2014
Der oberste Prämonstratenser aus Rom, Generalabt Thomas Handgrätinger, kommt heuer zur vierten großen Tiberius-Wallfahrt nach Obermarchtal. Eine junge Frau aus dem Ort wird dabei geehrt.

Auch in diesem Jahr wird am Festtag des Heiligen Tiberius, am Montag, 10. November, in der Münsterkirche von Obermarchtal ein feierlicher Wallfahrtsgottesdienst gefeiert werden. Die Wallfahrts-Tradition reicht zurück bis ins Jahr 1626, wie Dr. Hermann Blankenhorn aus Allmendingen schreibt, der die Tradition vor einigen Jahren mit anderen Enthusiasten wiederbelebt hat. Der Wallfahrtsgottesdienst in Obermarchtal wird in diesem Jahr um 19 Uhr von Generalabt Thomas Handgrätinger vom Orden der Prämonstratenser aus Rom zelebriert werden, zusammen mit fünf weiteren Prämonstratenser Chorherren vom Kloster Roggenburg und zwei Diakonen.

Obermarchtal war von 1171 bis 1803 ein ehemaliges reichsunmittelbares Prämonstratenser Chorherrenstift, genau wie das Kloster Roggenburg. Auch das Reichsstift Roggenburg wurde 1802 säkularisiert und der Konvent aufgelöst. Im Jahr 1982 zogen wieder Prämonstratenser ins Kloster Roggenburg ein, das am 8. November 1992 durch die Abtei Windberg in den Rang eines abhängigen Priorates erhoben wurde. Generalabt Thomas Handgrätinger wird in diesem Jahr auch die Wallfahrtspredigt halten. Die feierliche Messfeier wird umrahmt vom Kirchenchor unter der Leitung von Helmut Striegel. Kustos Gregor Simon wird wieder die berühmte, renovierte Holzhey-Orgel bespielen, begleitet wird er durch Kuno Högerle an der Trompete. Münsterpfarrer Jürgen Dolderer wird wieder zusammen mit den Konzelebranten das "Tiberiuswasser", Tiberiuskerzen und Tiberiusmedaillen weihen.

Am Ende des Wallfahrtsgottesdienstes wird zum ersten Mal der "Tiberiuspreis" verliehen werden. Blankenhorn erklärt den Hintergrund: "Der heilige Tiberius bekannte sich mit Mut zu seinem Glauben und erlitt deswegen mehrere Martyrien. Mit diesem Preis sollen junge Menschen, die sich mutig und engagiert für die Gesellschaft und ihren Glauben eingesetzt haben, ausgezeichnet werden." In diesem Jahr wird diese Ehre Vanessa Fuchs aus Obermarchtal zuteil, die sich als Ministrantin für ihren Glauben im Dienste der Kirche engagiert hat und die ein Jahr lang auf einer Missionsstation in Tansania tatkräftig mitgearbeitet hat.

Zum Schluss wird auch in diesem Jahr wieder der Tiberiussegen erteilt werden. Bereits von 16 Uhr an wird das Gasthaus Adler in Obermarchtal für Kaffee und Kuchen geöffnet sein. Um 17 Uhr wird dann Wolfgang Urban, der frühere Diözesankonservator und Kustos des Diözesanmuseums der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der aus Rottenburg anreist, im Gasthaus Adler einen Vortrag über die Geschichte von Obermarchtal mit einem Schwerpunkt bei Abt Nikolaus Wierieth, dem Erbauer der ersten Barockkirche Oberschwabens, halten.

Eingeläutet wird der Tiberiuswallfahrtsgottesdienst wieder durch die zwölf historischen Kirchenglocken, von denen eine die so genannte Tiberiusglocke ist. Diese kleine Glocke war zu früheren Zeiten vor allem bei Gewitter und anderen Unwettern geläutet worden, informiert Blankenhorn.

Freudenreichs haben originalgetreue Tiberius-Tafel fürs "Kreuz" in Obermarchtal gefertigt

Hofnamen Die Prämonstratenser von Obermarchtal gaben Ihren Höfen, die sie ihren Bauern als Lehen gegen entsprechende Abgaben verliehen, die Namen von Heiligen, wie Sonja Freudenreich berichtet. Das geschah nicht nur zur Ehrung dieser Heiligen, sondern hatte auch betriebswirtschaftliche Vorteile: Änderte sich auch der Familienname der Bauernfamilie, der Hofname blieb immer gleich.

So findet man noch heute, 200 Jahre nach der Säkularisierung, im Herrschaftsgebiet des ehemaligen Klosters eine ganze Reihe alter Häuser, an denen noch alte Steintafeln angebracht sind. Die schlichte Inschrift lautet etwa "St. Hermann" mit einem kleinen Symbol und einer Jahreszahl.

Hauspatron Auch eines der schönsten Fachwerkhäuser von Obermarchtal, das Gasthaus "Kreuz", zeigt eine solche Steinplatte über dem Eingang und zwar mit dem Text "Hauspatron S. Tiberius 1720" mit Christusmonogramm und Symbol. Die kleine Tafel aus Sandstein ist nur noch schwer zu entziffern und zeigt deutliche Auflösungserscheinungen, was nach rund 300 Jahren auch nicht ganz ungewöhnlich ist, wie Freudenreich schreibt.

Restaurierung Seit einigen Jahren wird die einst blühende Wallfahrt zum Heiligen Tiberius in Obermarchtal, auch durch die Initiative von Dr. Hermann Blankenhorn im Hintergrund, wieder gelebt. Dank namhafter Festprediger und dem Tiberius-Segen sei dies ein schöner Erfolg. Da am Montag dieses Fest wieder stattfindet, entschlossen sich die Senioren des Bildhauerbetriebs Freudenreich in Ehingen, dem Fachwerkhaus "Kreuz" wieder zu einem ablesbaren Bezug zu Tiberius zu verhelfen. Kreuzwirt Knab zeigte sich bereit, die Sonderaktion zu erlauben: Die Senioren Freudenreich fertigten eine detailgetreue Kopie des alten Schriftsteines und bauten sie am Platz der alten Tafel ein. Das alte Stück wird von den Restauratoren fachgerecht restauriert und sinnvoll aufbewahrt. eb

SWP