Bildung Technisches Grundwissen für Kaufleute

Ehingen / Christina Kirsch 11.04.2018
Die Gewerbliche Schule und die Kaufmännische Schule in Ehingen haben sich zusammen getan und bieten seit diesem Schuljahr angehenden Industriekaufleuten eine Zusatzqualifikation im Bereich Technik an.

Auf ihre Fingernägel scheinen Lena und Carina in der Werkstatt der Gewerblichen Schule am Weiherbach keine Rücksicht zu nehmen. Mit Eifer polieren die jungen Frauen ein Metallstück, in das sie zuvor Löcher gebohrt haben. Der Metallstaub hinterlässt dabei deutliche Spuren an den Händen. Der Metallblock ist die Basis für das Spiel „Vier gewinnt“ und entstand in der Zusatzqualifikation Technik an der Gewerblichen Schule.

Das Angebot ist neu und wurde für den Ausbildungsberuf der Industriekauffrau und des Industriekaufmanns eingerichtet. „Wir haben festgestellt, dass Industriekaufleute auch technisches Wissen brauchen“, erläutert Tobias Kamm von der Kaufmännischen Schule, an der dieser Beruf unterrichtet wird. Ein Industriekaufmann bestellt beispielsweise Schrauben mit der Bezeichnung 8.8 und sollte wissen, was die beiden Ziffern bedeuten. Schrauben und Muttern werden in Festigkeitsklassen eingeteilt, die bei Schrauben aus zwei durch einen Punkt getrennten Zahlen bestehen. Die Ziffern bezeichnen jeweils die Eigenschaften Zugfestigkeit und Streckgrenze beziehungsweise die Dehnbarkeit einer Schraube.

„Uns war wichtig, dass die Industriekaufleute technische Pläne lesen können und bei Metallteilen auch die Fertigung nachvollziehen können“, meint Jochen Münz. Der Schulleiter der Gewerblichen Schule ordnet seine Fachlehrer für zwei Stunden in der Woche an die Kaufmännische Schule ab. Die Zusatzqualifikation ist freiwillig und von den Ausbildungsbetrieben sehr gerne gesehen. Im Ehinger Raum gibt es mit Liebherr und Tries große metallverarbeitende Betriebe, in denen auch Industriekaufleute ausgebildet werden. Da komme es den kaufmännischen Auszubildenden zugute, wenn sie die Grundfertigkeiten wie Bohren, Feilen, Drehen und Fräsen selber einmal erlernt haben. Der Ausbildungsgang startete mit 16 Schülern, was 80 Prozent der Auszubildenden entspricht.

„Die sind sehr motiviert“, hat Miriam Mayer festgestellt. Die Lehrerin für Fertigungstechnik und Fahrzeugtechnik unterrichtet den theoretischen Teil, während ihr Kollege Peter Keller den Schülern in der Werkstatt praktisch zur Seite steht. Die Zusatzqualifikation ist auf 130 Schulstunden innerhalb von zwei Ausbildungsjahren angelegt und lehnt sich an den Lehrplan für Industriemechaniker im ersten Lehrjahr an. Für die Auszubildenden sind das zusätzliche Schulstunden.

Die Frauen, die an der Bohrmaschine die Späne fliegen lassen, haben sichtlich Spaß an dem praktischen Tun. „Es nützt einem schon, wenn man technisch ein bissle eine Ahnung hat“, meint Annika, die im Erbacher Betrieb Habrama ausgebildet wird. „Wir machen ja auch Lohnfertigung“, sagt die junge Frau. Mit Druckgussformen hat Linda in der Laichinger Firma Schaufler-Tooling zu tun. Auch sie findet es gut, an Bohrmaschinen und Fräsen zu stehen.

„Im zweiten Ausbildungsjahr kommen dann Fügetechniken wie Löten oder Kleben dran“, erläutert Miriam Mayer. Jeder Auszubildende bekommt am Ende des Lehrgangs eine Bescheinigung über die Teilnahme. Die beiden Schulleiter und die Abteilungsleiter der beiden Schulen sind sich jetzt schon sicher, dass die Zusatzqualifikation ein Erfolg wird. Denn aus den Betrieben kommt die Rückmeldung, „dass die schwer dahinter her sind, dass die Industriekaufleute das machen“, sagt Tobias Kamm.

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