Tiere Storchennester: Wie der Vater, so der Sohn

Für Rudi Kohlruss’ Besuch im Nest in Griesingen sind die Störche ausgeflogen. Die Tiere haben die Putzaktion, zu der die Feuerwehr mit der Drehleiter anrückte, aus sicherer Entfernung beobachtet.
Für Rudi Kohlruss’ Besuch im Nest in Griesingen sind die Störche ausgeflogen. Die Tiere haben die Putzaktion, zu der die Feuerwehr mit der Drehleiter anrückte, aus sicherer Entfernung beobachtet. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 13.03.2018
Rudi Kohlruss hat die Pflege der Storchenhorste übernommen, um die sich sein Vater Rudolf Kohlruss gekümmert hatte.

Die Freiwillige Feuerwehr ist am Montag am alten Schulhaus in Griesingen angerückt. Doch es gab keinen Alarm, vielmehr stand der jährliche Frühjahrsputz am Storchennest an. Der Griesinger Storch zeigte sich von der anrückenden Feuerwehr zunächst unbeeindruckt. Erst als sich der Korb der Drehleiter seinem Nest näherte, fühlte er sich bemüßigt, eine Runde um das Dorf zu fliegen und sich das Ganze aus der Entfernung anzuschauen.

Den Frühjahrsputz mit dem Misthaken erledigte heuer Rudi Kohlruss, der sich von Jürgen Münch mit der Drehleiter zum Storchennest hochfahren ließ. Der Ehinger hatte zuvor beschlossen, die Arbeit seines Vaters fortzusetzen und sich um die Storchennester in Ehingen, Griesingen und Kirchbierlingen zu kümmern. Damit hat die Pflege der Störche in der Familie Kohlruss eine Tradition – und geht in die nächste Generation.

„Ich war schon als Kind immer dabei“, sagt Rudi Kohlruss. „Und weil mir die Störche am Herzen liegen, mach‘ ich das einfach weiter“, sagte der 53-Jährige. Allerdings hat Rudolf  Kohlruss nie viel von seiner Arbeit mit den Störchen erzählt. Fast wäre das Wissen mit dem Tod von Rudolf Kohlruss im April 2017 verloren gegangen.

„Doch dann habe ich im Telefonbuch meines Vaters die Nummer vom Hugo Raiber gefunden“, sagte Rudi Kohlruss. Der Griesinger begleitete Rudolf Kohlruss auf seinen Reinigungsfahrten und war auch am Montag wieder mit von der Partie. „Ich bringe den Abraum auf meine Miste“, sagte Raiber. „Aber vorher muss ich quasi den Müll trennen.“ Denn das, was beim Frühjahrsputz anfällt, ist nicht nur Kot und Nistmaterial, es finden sich Plastikmüll, alte Lappen, Luftballonschnüre oder Arbeitshandschuhe. Die Störche schleppen fast alles hoch.

Storchennester wachsen jedes Jahr ein Stück in die Höhe, so man sie nicht ausmistet. „Die Störche bauen immer wieder eine Art Rand um ihr Nest und kacken die Mitte voll“, sagt Rudi Kohlruss. Je mehr Kot sich ansammelt, um so fester wird der Unterbau, irgendwann sickert kein Regenwasser mehr durch. Die Storchenkinder bekommen nasse Füße.

Nicht nach Afrika

Vergangene Woche hatte Rudi Kohlruss zwölf große Wannen mit Nistmaterial vom Kirchbierlinger Storchennest abtransportiert. „Da war fast alles noch gefroren und kaum weg zu bekommen“, sagt der Storchenvater der zweiten Generation. Zwei Stunden habe er an dem Nest herum gekratzt, für die Storchenpflege konnte er sich dank Überstunden frei nehmen. Die Kirchbierlinger Störche sind in ganz Oberschwaben üblicherweise jene, die als erste mit dem Brüten anfangen. „Der Kirchbierlinger Storch hatte auch schon Nistmaterial im Schnabel.“ Die Ehinger Störche fliegen im Winter übrigens nicht nach Afrika, sondern überwintern „vielleicht am Bodensee“.

Beim Reinigen des Nests wird zunächst die Unterlage aufgehackt und altes Material heraus geschafft. In Griesingen waren es am Montag nur vier Wannen Nestabraum. Rudi Kohlruss polsterte das aufgelockerte Nest danach mit Schilf vom „Rudolfsee“ aus. „Das ist der See an der Donauhalde, den mein Vater vor rund 30 Jahren anlegte.“ Damit das lockere Schilf nicht mit dem nächsten Windstoß weg fliegt, verankerte er lange Halme im Nestrand und legt so eine Art Gitter über das Schilf.

Dass sich die Störche entlang der Donau in den vergangenen Jahren wieder vermehrt haben, liegt offenbar an der Pflege. Darin sind sich jedenfalls Rudi Kohlruss und Jürgen Münch einig.

Geschichte der Pflege

Anlass Die Initiative ging von Rudolf Kohlruss aus, der das erste Ehinger Storchennest auf dem Faulturm der Kläranlage installierte. Heute hört man die Störche wieder öfters klappern. Das sei kein Balzverhalten, sagt Rudi Kohlruss, „sondern dient der Begrüßung“. Deshalb muss sich niemand wundern, falls das im Dezember der Fall ist. Gebrütet wird ab Mitte März, am komfortabelsten natürlich in einem trockenem Nest mit Drainage und frischem Schilf.

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