Stets die Ohren offen

Lesen und schreiben als Leidenschaft: Albin Beck wird heute 80.
Lesen und schreiben als Leidenschaft: Albin Beck wird heute 80. © Foto: Kirsch
CHRISTINA KIRSCH 31.12.2015

Da gehst' drei Mal durchs Städtle und scho bisch 80, sagt Albin Beck. Heute ist es bei dem Mundart-Autor und ehemaligen Chef der Raiffeisenbank Ehingen so weit: Beck feiert mit seinen drei Kindern, den sieben Enkeln und seiner Frau Thea Dannenmaier seinen 80. Geburtstag. Der große Esstisch ist bereits ausgezogen, in der Küche backt und kocht Thea, der Kachelofen gibt warm und von den Wohnzimmerwänden schauen einen Kinder- und Enkelfotos an.

Man glaubt dem Senior, der so gern auf der Straße Geschichten einsammelt, die 80 Lebensjahre kaum. Dabei war Albin Beck ein kränkliches Kind mit Asthma und wurde noch vor der Einschulung zu Verwandten nach Sontheim geschickt. Die Eltern dachten, die Luft auf etwas über 500 Metern Höhe sei besser als die Luft im Dreiländereck bei Wyhlen, wo Albin Beck geboren wurde. Die Sontheimer Luft war vor allem von der Landwirtschaft geprägt. Albin Beck ging in die Volksschule nach Kirchbierlingen und der Schultag begann mit dem Ausmisten, dem Melken von zwei Kühen, eigener Katzenwäsche und dem Kirchgang. Erst dann begann der Unterricht. Sontheim sei ihm bald zu klein gewesen, erinnert sich Beck. Er ging auf die Landwirtschaftsschule, die Genossenschaftsakademie und machte in Sigmaringen eine Banklehre. In den 60er Jahren hatte die Südwest-Bank in Ehingen im ehemaligen Gasthof Bären eine Buchstelle. "Ich habe mit einer Kasse, Papier, Stift, Lochkarten und einem Schreibtisch angefangen", erzählt Albin Beck. 1973 kaufte die Raiba die Krone in der Bahnhofstraße und Albin Beck war ihr Chef bis zu seiner Pensionierung 1998. Im Jahr 2000 verstarb seine erste Frau Martha.

Schon zu Schulzeiten hat der Ehinger gerne Aufsätze geschrieben. "Der Goldinkel" hieß die Geschichte, die er 1994 an eine Zeitung geschickt hat. Seither schreibt er Glossen, Satiren und Anekdoten. Bei einem Mundarttreffen lernte er andere Autoren kennen, die bereits Bücher geschrieben hatten. "Das will ich auch", sagte sich Albin Beck und fand im Silberburg-Verlag seinen Partner. Mittlerweile sind dort fünf Bücher erschienen und Beck freut sich über 35 000 verkaufte Bücher. Das Schwäbische eröffne ihm Chancen, sich in Nuancen und direkter auszudrücken, erklärt Albin Beck seinen Hang zum Dialekt. Professionell gesprochen, fanden seine Geschichten auch im Hörfunksender SWR 2 großen Anklang. Ein bisschen bedauert der Autor, dass "man aus der Mundart-Kiste nicht mehr raus kommt, wenn man mal damit angefangen hat". Außerdem sei der Mundart-Boom seit eineinhalb Jahren in sich zusammengefallen. "Das sind vermutlich Zyklen", sinniert Albin Beck, der auf dem Standpunkt steht, dass alles seine Zeit hat. Und heute ist erst einmal Zeit für den 80. Geburtstag.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel