Kultur Museum: Stein für Stein neu sortiert

Ehingen / Christina Kirsch 07.06.2018
Seit einem Jahr bereiten Winfried Hanold und Gerhard Steeb die geologische Sammlung auf.

„Während der Umbauphase des Museums lag die geologische Sammlung auf dem Dachboden der Linde“, erzählt Winfried Hanold, der zusammen mit Gerhard Steeb Nachmittag für Nachmittag kleine und große Steine wälzt. Seit Jahrzehnten lagerte die geologische Sammlung in Schachteln in einem Regal und wartete darauf, endlich einmal systematisch erfasst zu werden. Teilweise lagen die Steine und Versteinerungen noch in Papierschächtelchen, die einst von Hand gefaltet und geklebt wurden. Oft fanden die beiden Museumsmitarbeiter Zettel auf dem Grund der Schachteln, die einen Hinweis auf den Fund gaben. „Einzelne Handschriften können wir bestimmten Sammlungen zuordnen, aber manche Zettel sind herrenlos“, meint Gerhard Steeb.

Arbeit von ganzen Generationen

Vor etwa einem Jahr nahmen sich die beiden vor, die Fächer des Geologieregals „aufzuräumen“. Die Sammlungen von Eugen Gaus, Josef Schad und Konrad Miller waren beim Umzug in das Archiv des Museums durcheinander geraten. „Dabei steckt in den Sammlungen die Arbeit von Generationen von Geologen“, bedauert Winfried Hanold, der als Lehrer für Naturwissenschaften 26 Jahre an der Ehinger Realschule unterrichtete und bei der Museumsgesellschaft geologische Führungen anbietet. In den Vitrinen des Museums können nur einige Paradefunde wie das Ehinger versteinerte Farnblatt ausgestellt werden.

Die aufbereiteten Sammlungen bleiben auch nach der Sortierung im Magazin des Museums. „Aber wir erfassen jedes Stück, ordnen es erdgeschichtlich ein und bezeichnen es mit einer fünfstelligen Grundnummer und einer Zusatzzahl“, erläutert Winfried Hanold. Erstmals werden die Funde im Computer eingelesen, so dass sie für Interessierte auffindbar sind. Um Ordnung in die Versteinerungen und Steinbrocken zu bekommen, hat das Museum 55 stapelbare Industriekisten angeschafft, in die Gerhard Steeb unterschiedlich große Trennwände einbaute. Die einzelnen Quartiere mussten der Größe der Funde angepasst werden. Manche Muscheln sind so winzig, dass man sie nur mit der Pinzette einzeln greifen kann und andere Tropfsteine wie der vom Neubau der
B 28 für die Umgehung Blaubeuren sind wahre Brocken.

Die geologische Sammlung reicht vom Schwarzen Jura vor etwa 200 Millionen Jahren und endet mit der Donaugeschichte vor 150 000 Jahren. Die früheren Sammler haben ihre Funde oft schon mit beigelegten Zetteln beschriftet. Auch wenn die Schrift nicht mehr zu entziffern ist, legen Gerhard Steeb und Winfried Hanold die Zettel wieder dazu. „Wir versuchen rauszukriegen, was geht“, meint Winfried Hanold. Bleistiftschrift sei zwar oft verschmiert, aber mit UV-Licht ist sie manchmal noch zu entziffern.

Die Regale sind zwar leer und die Steine einsortiert, „aber wir werden wohl noch ein Jahr für das Bestimmen brauchen“, meinen die beiden Männer, die im Magazin zwischen alten Lampenschirmen und Krippenfiguren einen Schreibtisch aufgebaut haben, um ihre Arbeit tun zu können. Mittlerweile kennen sie einige Kürzel von Gaus und Miller und wissen auch Handschriften zuzuordnen. Aber einiges wird wohl immer im Dunkel der Erdgeschichte verborgen bleiben.

Die Sammler Eugen Gaus, Josef Schad und Konrad Miller

Zur Person Eugen Gaus war von 1878 bis 1997 Rektor des Gymnasiums Ehingen und Professor für Naturwissenschaften und Geschichte. Von 1880 bis 1881 unternahm er Versuche zur Gewinnung von Asphalt aus Süßwasserkalk von der „Wiesmühle“ und in Stetten. Diese Untersuchungen waren 1937/1938 Anlass zur Erdölaufschlussbohrung im Donautal. Die tertiären Süßwasserkalke rund um Ehingen sind häufig bituminös imprägniert. Eugen Gaus untersuchte den Bitumengehalt der Kalke. Ihm gelang die Gewinnung von Asphalt aus diesen Kalken. Bis 1889 erforschte er das Zementmergelvorkommen in Ehingen und entdeckte ein Vorkommen im heutigen Wohngebiet Büchele.  Damit legte er den Grundstein für Ehingens Zementindustrie von 1890 bis 1927.

Josef Schad studierte in Tübingen, Freiburg und Stuttgart Naturwissenschaften. Von 1905 bis 1928 war er Oberreallehrer, später Professor für Naturwissenschaften  am Gymnasium Ehingen. 1908 veröffentlichte er einen „Beitrag zur Kenntnis des Tertiärs am Landgericht und Hochsträß“. 1913 schrieb er zur „Talgeschichte der Donau“ und 1925 beschrieb er den „Werdegang von Ehingens Landschaft seit dem Pliozän“.

Konrad Miller war  katholischer Geistlicher, Naturwissenschaftler und Kartografiehistoriker. Von 1849 bis 1862 verbrachte er seine Schulzeit in Ravensburg und dem Konvikt in Ehingen. Von 1862 bis 1866 studierte er in Tübingen Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. Von 1866 bis 1868 studierte er am Polytechnikum in Stuttgart und in Bonn. 1868 wurde er zum Priester geweiht. Seine Promotion behandelte das Tertiär am Hochsträß. 1871 war er Vikar in Schwörzkirch, anschließend Pfarrer und Lehrer an verschiedenen Orten Oberschwabens. Miller schenkte seine Beleg- und Studiensammlung dem Museum Ehingen. kir

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