Kunst Städtische Galerie stellt Sepp Mahler aus

Volker Sonntag und Anne Linder stellen den oberschwäbischen Heimatmaler Sepp Mahler vor. 140 seiner Bilder zeigt die Städtische Galerie Ehingen von kommenden Sonntag an.
Volker Sonntag und Anne Linder stellen den oberschwäbischen Heimatmaler Sepp Mahler vor. 140 seiner Bilder zeigt die Städtische Galerie Ehingen von kommenden Sonntag an. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 07.12.2018

Das enorme Bedürfnis nach innerer Freiheit bestimmte Sepp Mahlers Leben“, schreibt Kurator Volker Sonntag auf einer Informationstafel zur Ausstellung mit dem oberschwäbischen Heimatmaler Sepp Mahler, die am kommenden Sonntag um 11 Uhr in der Städtischen Galerie Ehingen eröffnet wird. Die große Ausstellung mit mehr als 140 Bildern auf zwei Stockwerken darf man als  Retrospektive seines Lebenswerkes bezeichnen. Die Malereien stammen aus dem Sepp-Mahler-Archiv in Bad Wurzach und dem Museum Biberach. Entlang der Biografie des Künstlers erlebt der Besucher auch ein Stück Zeit- und Heimatgeschichte, die noch gar nicht so furchtbar lange her, aber unendlich weit weg zu sein scheint.

Sepp Mahler wurde 1901 als Sohn des Torfmeisters Josef Mahler im Wurzacher Leprosenhaus geboren, in dem damals mehrere Familien des nahe gelegenen fürstlichen Torfwerks lebten. Im Alter von 13 Jahren porträtierte er bereits seine Eltern, mit 14 Jahren setzte er sich heimlich in den Zug nach München, um Dekorationsmaler zu werden. Er ging „Ins Offene“ betitelt der Kurator die frühen Jahre und bedient sich dabei eines Buchtitels von Karl Heinz Ott.

Mahler hatte das Glück, in einem für damalige Verhältnisse freigeistigen Haushalt aufzuwachsen. Der Vater führte als Torfwerkleiter Neuerungen im Arbeitsablauf ein, schaffte Loren an und förderte auch das Kunstinteresse seines einzigen Kindes. Mahler bewarb sich nach kurzer Zeit als Dekorationsmaler an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste und wurde 1922 angenommen.

Man sieht in der Ausstellung Bewerbungsarbeiten und eine Abschlussarbeit der Kunstgewerbeschule, bei der Sepp Mahler möglichst genau ein Stuckelement abgezeichnet hat. 1916 starb bereits der Vater und Mahler ging auf Wanderschaft. „Er war Wasserverkäufer in Istanbul, Walfänger auf Island, Koch in einem Holzfällerlager und vertickte Gipsmadonnen in Italien“, zählt Volker Sonntag einige Stationen seines Vagabundenlebens auf.

Immer neu erfunden

Seine Zeichnungen weisen kubistische Einflüsse auf und der Ausstellungsbesucher wird sehen, dass sich der oberschwäbische Heimatmaler die Kunstwerke von Vincent van Gogh, Paul Klee, Marc Chagall, Lyonel Feininger und Oscar Kokoschka genau angeschaut hat. „Mir gefällt es, dass sich Sepp Mahler, anders als der oberschwäbische Landschaftsmaler Jakob Bräckle, immer wieder neu definierte“, sagt Anne Linder, Kuratorin und Vorsitzende der Ehinger Kunstfreunde. „Sepp Mahler malte nicht, um zu gefallen.“ Der pazifistische Künstler eckte auch mit seinen Gedichten während der Zeit des Nationalsozialismus an und wurde 1933 in Leutkirch 42 Tage in „Schutzhaft“ genommen.

Nach dem Krieg erfuhr Sepp Mahler künstlerische Anerkennung und stellte in namhaften Galerien aus. Er malte am liebsten Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen. Moormänner und Bauernhäuser, viele Baumbilder und Selbstbildnisse sind in der Ausstellung zu sehen. Am 11. Oktober 1975 starb der Künstler in seiner Heimatstadt.

Einblicke in Sepp Mahlers Schaffen

Ausstellung Sepp Mahler „Spüre das Leben“ ist vom 9. Dezember an in der Städtischen Galerie Ehingen am Tränkberg zu sehen. Die Werkschau hat bis zum 10. Februar mittwochs, samstags und sonntags von jeweils 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen mit Volker Sonntag finden am 16. und 26. Dezember sowie am 13. und 27. Januar, jeweils um 15 Uhr statt. Am 15. Dezember um 17 Uhr erzählt Mahlers Tochter Adelgund aus ihrem „Leben mit Sepp Mahler“. Am Samstag, 19. Januar liest Walter Frei um 17 Uhr Mahlers Texte. kir

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