Biosphärengebiet Städte weisen BUND-Kritik zurück

Andreas Hacker 30.12.2016

„Das war damals die Geschäftsgrundlage“, sagt Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann zu der Kritik des BUND-Regionalverbands an der Tatsache, dass sich Städte wie Ehingen und Schelklingen Ökopunkte dafür gutschreiben lassen, dass sie bei der Gründung des Biosphärengebiets Waldflächen als Kernzonen erklärt und aus der Waldwirtschaft herausgenommen haben. Die Praxis, mit diesen Ökopunkten Eingriffe in die Landschaft   an anderer Stelle auszugleichen, sei deshalb völlig rechtmäßig, sagt Baumann.

Sein Schelklinger Kollege Ulrich Ruckh wird noch deutlicher. Eben weil die Stadt um die Notwendigkeit wusste, in Verbindung mit einem Bebauungsplan Zementwerk Schelklingen vielleicht einmal auf ein gut gefülltes Ökokonto zurückgreifen zu müssen, habe Schelklingen beim Regierungspräsidium in Tübingen vor drei Jahren diese Praxis nochmals überprüfen lassen. Und sie genauso bestätigt bekommen wie in den Gründerjahren des Biosphärengebiets um 2008, als beteiligte Gemeinden einen Mindestanteil von drei Prozent an Kernzonen nachweisen mussten, die damals dann nach den Anforderungen des Biosphärengebiets wirtschaftlicher Nutzung entzogen wurden.

Wanderweg aufgelöst

Für Baumann wie Ruckh ist eindeutig klar, dass diese Einschränkung der Nutzung zu einer ökologischen Aufwertung dieser Flächen geführt hat, und solche Maßnahmen dürfen auf kommunalen Ökokonten verbucht werden. Wie weit das gehen kann, verdeutlicht Ruckh am beispiel des Walds oberhalb von Hütten, wo nicht nur keine Waldwirtschaft mehr stattfindet, sondern auch nicht mehr gejagd werden darf und Wanderwege aufgelöst werden. „Das sind eindeutige Indizien dafür, dass sich die Qualität dieser Flächen geändert hat.“

Kein Ausgleich zum Nulltarif

Auch das Argument des BUND, die eingebrachten Wälder seien, weil meist schwierig zu bewirtschaftende Hanglagen, zuvor nie wirklich intensiv genutzt worden, weist Ruckh zurück. Dort habe es vor der Ausweisung als Kernzone noch eine Holzernte gegeben. Und das Beispiel des diesjährigen Holzeinschlags im Längental beweise, wie sich mit moderner Technik Holz auch aus Steillagen wirtschaftlich schlagen lasse.

Von einem Gesetzesverstoß, das wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in seinem Jahresgespräch in Ulm genannt hat, kann nach Ansicht Baumanns und Rucks deshalb keine Rede sein. Und damit auch nicht von „Trickserei“ oder von „Ausgleich für Flächenverbrauch zum Nulltarif“. Andreas Hacker

BUND-Kritik Seite 24