Geschichte Stadtrundgang durch Schelklingen

Schelkingen / RENATE EMMENLAUER 01.10.2018
Rund 50 Teilnehmer nutzen die Gelegenheit zu einem Stadtrundgang durch Schelklingen mit Heimatkundler Winfried Hanold.

Für Winfried Hanold ist Schelklingen ein geschichtlich interessanter Ort. Da lag es nahe, das er eine Stadtführung durch seine frühere Heimatstadt anbot – obwohl der einstige Schelklinger Lehrer seit Jahren in Ulm wohnt. Am Sonntagnachmittag führte Hanold rund 50 Bürger durch die Stadt, Veranstalter war das Biosphären-Infozentrum Hütten.

Erste und umfangreichste Station der Tour war die geschichtsträchtige St. Afra-Kapelle, in deren Erforschung Hanolds Großvater Josef Zoller viel Zeit investiert hatte. Deshalb sind der Zoller-Platz und die Zoller-Linde nach ihm benannt. Vor der Friedhofskapelle, deren Geschichte bis ins Jahr 1262 zurückreicht, erzählte Hanold von der Stadt.

„Grauenhafte Fehler“

Schelklingen war in den 1950er und 1960er Jahren ein reiches industrielles Zentrum gewesen. Zeitweilig habe es mehr Ein- als Auspendler gegeben. Er verwies auf die gepflegten Gedenksteine für die verstorbenen Soldaten der Weltkriege. „Hier in Schelklingen wurde ein großer Blutzoll bezahlt.“ Im Innern der Friedhofskapelle schilderte der Heimatkundler außer vielen Details auch die Baugeschichte der Kirche. 1971 wurde die St.-Afra-Kapelle saniert. Einiges habe sich als gelungen erwiesen, anderes als grauenhafte Fehler, sagte Hanold. Weil die Birken stets die Dachrinnen mit Laub verstopft hatten, habe man die Bäume entfernt, dabei aber übersehen, dass sie über Jahrhunderte Wasser aus dem Gebäudefundament gesaugt hatten und dieses so trocken blieb. Nun mussten die Mauern aufwendig trockengelegt werden.

Jahre später sei die Kapelle entkernt und restauriert worden. Hanold war in den Semesterferien selbst als Assistent der Bauleitung dabei. Entdeckt worden sei, dass auf dem Areal zwischen 800 und 1000 Jahren vor Christus eine Holzkirche gestanden habe. „Die St. Afra-Kapelle ist der bedeutendste historische Bau in Schelklingen. Wobei ihr geschichtlicher Wert weit unterschätzt wird“, sagte Hanold. Weiter ging der Stadtrundgang am Waltherbrunnen vorbei quer durch die malerische Altstadt samt der einstigen Stadtmauer.

Viel Applaus

Es war faszinierend, mit welchem Wissen und welcher Leidenschaft Hanold über vergessene Kleinode, Gebäude oder auch markante Orte wie den Bahnhof oder das alte Zementwerk sprach. Der Nachmittag verging wie im Flug, die Teilnehmer spendeten Hanold am Schluss des Rundgangs herzlichen Applaus.

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