Musik Konzert: Stadtkapelle und Montagschor überzeugen

Die Stadtkapelle und der Montagschor sind gemeinsam in der Ehinger Lindenhalle aufgetreten.
Die Stadtkapelle und der Montagschor sind gemeinsam in der Ehinger Lindenhalle aufgetreten. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 10.12.2018
Ein bemerkenswert ungewöhnliches Konzertprogramm bietet die Stadtkapelle Ehingen auf einem Adventskonzert mit dem Montagschor.

Was passt zum Advent? Etwas Getragenes, weil man sich vor Weihnachten auf das besinnt, was wichtig ist? Oder lieber etwas Fröhliches, weil Weihnachten kirchlich die Geburt Jesu, weltlich den Konsum feiert? Viele Adventskonzerte tragen beiden Aspekten Rechnung. Auch das Programm des Musikvereins Lyra und des Montagschors zollte mit ihrem Gemeinschaftskonzert in der Lindenhalle der Freude und dem besinnlichen Respekt. Die Mischung war ungewöhnlich, doch die Besucher erlebten ungewohnte Klänge.

Tobias Brust, der neue Vorsitzende der Stadtkapelle, ging zunächst auf die Entstehung des Gemeinschaftskonzerts ein und wunderte sich, „was aus einer Fasnetsbegegnung alles werden kann“. Chorleiter Wolfgang Gentner und Dirigent Frank Zacher heckten den Plan einer Zusammenarbeit an der Fasnet aus. Dass da keine Schnapsidee geboren wurde, hörten die Konzertbesucher. Die Stadtkapelle begann mit einer Fuge von Johann Sebastian Bach und variierte das Thema spannungsvoll.Mit Gordon Jacobs „Original Suite“ wagte sich die Stadtkapelle an eine selten gehörte, anspruchsvolle Komposition. „Hören Sie auf die Verwebungen durch die Register und Stimmen“, empfahl Thomas Sievers, der das Konzert moderierte. Im ersten Satz waren verspielte Klänge und energische Passagen zu hören, freche Steigerungen und zarte Intermezzi. Dirigent Frank Zacher blockte den Applaus der Zuhörer ab, es folgte ein ruhig-verträumter zweiter Satz.

Frank Zacher dirigierte mit Umsicht. Die Instrumentierung, für die der Komponist Gordon Jacob bekannt ist, bewältigte die Stadtkapelle mit Bravour. Dem schwierigen Stück folgte das getragene „Dona Nobis Pacem“ im Arrangement von Thomas Doss. Chor und Orchester harmonierten. Ein Stück mit Schmelz-Charakter war „That‘ll do“ von Randy Newmann, das von der Stadtkapelle zuckersüß und weichgespült dargeboten wurde. Es galt nur zu vergessen, dass mit dem Stück schon der Film mit Schweinchen Babe untermalt worden war.

Gut einstudiert

Nach diesem Zuckerguss stand auch dem Orchester wieder der Sinn nach etwas Zackigem. Mit „Sbandiamo“ ließ die Stadtkapelle Big-Band-Sound hören. Einen flotten Wechsel im Rhythmus sowie Überraschungseffekte in der Melodie zeichneten die Komposition aus. Die Gäste konnten heraushören, dass die Musiker das Stück schon oft gespielt hatten – es war beim Wertungsspiel in Kirchen der Stundenchor des Musikvereins.

Einen kleinen Gedankenexkurs zur biblischen Aufforderung „Fürchte dich nicht“ entfaltete Thomas Sievers vor dem „Ave verum“ von Wolfgang Amadeus Mozart. „Zu allen Zeiten haben wir Angst.“ Man müsse bedenken, dass Ängste massiv das Verhalten beeinflussen. Es sei heilsam, sich dieses „Fürchte Dich nicht“ ab und zu vor Augen zu führen. Kinder hörten das Du-musst-keine-Angst-haben oft von ihren Eltern, den Erwachsenen hingegen fehle dieser Zuspruch.

Auf das „Ave verum“ mit dem Chor folgte ein Szenen- und Stimmungswechsel. Mit „Shepherd‘s Hey“ ging es auf die Weide, wo die Lämmer blöken und über Stock und Stein hüpfen – ohne sich Beine zu brechen oder bei den Instrumenten Missklänge zu provozieren. Am Ende des musikalischen Galopps gab es einen „Plumps“, der Zuschauern ein Kichern entlockte.

Publikum singt mit

Im „Choral for a Solemn Occasion“ hörte man schwebende Klänge, zu denen der Dirigent geradezu vibrierte. Und Johann Sebastian Bachs „Jesus, Joy of Man‘s Desiring“ war ein würdiger Konzertschluss. Noch schöner war allerdings, dass jeder, der singen wollte, in das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ einstimmen konnte. Dank des projizierten Textes war das auch für Menschen möglich, die normalerweise nicht über die erste Strophe hinauskommen. Und so endete das Konzert mit vier gemeinsam gesungenen Strophen.

Die heilsame Wirkung von Musik war wieder einmal deutlich spürbar. Aber nur, wenn wie in diesem Adventskonzert das Gesamtbild aus Stimmung und Können stimmt.

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