Ehingen / Stefan Bentele Der Restaurator stellt in großen Teilen der Decke Schäden fest. Die Sanierung wird lange Zeit dauern und Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen.

Die Probleme in der Decke in der Stadtpfarrkirche St. Blasius sind größer als befürchtet und erfordern eine aufwendige Sanierung. Pfarrer Harald Gehrig geht davon aus, dass die Kirche frühestens zu Weihnachten 2020 wieder geöffnet werden kann. „Aber nur, wenn es ganz gut läuft“, sagt er am Dienstag in einem Gespräch.

Mitte Dezember hatte sich vom Decken-Fresko ein Quadratmeter großes Stück gelöst und war zu Boden gestürzt. Verletzt wurde niemand, aus Sicherheitsgründen ließ die Kirchengemeinde das Gotteshaus schließen. Erste Untersuchungen deuteten daraufhin hin, dass die Bockshaut, auf dem auch die Fresken aufgebracht sind, stellenweise nicht mehr mit dem Deckenputz verbunden ist. An solchen Hohlstellen wird das Gewicht der Decke nicht mehr gehalten.

Detaillierte Untersuchungen sollten Gewissheit bringen, dazu hatte Ende Februar eine Spezialfirma ein Gerüst mit einer geschlossenen Fläche von 300 Quadratmetern in der Kirche aufgebaut. Wie Hecht am Dienstag erklärte, konnte der Restaurator so die gesamte Decke über dem Gerüst abklopfen und ein Profil über Hohlstellen erstellen.

Vergangene Woche wurde das Gutachten Gehrig und Hecht sowie Vertretern des Denkmalamts, des bischöflichen Bauamts, dem Architekten und weiteren Beteiligten präsentiert. „Das Ergebnis ist nicht so, wie wir es ersehnt haben“, sagt Gehrig. Große Teile der Decke sind beschädigt. Man stehe vor einer „Herausforderung“.

Hecht spricht von einem „Flickenteppich“ an Schäden, die mal größer, mal kleiner seien. Besonders tragisch: Das Mörtelmaterial, das zur Sanierung Mitte der 90er Jahre eingebracht wurde, um die Verbindung zwischen Putz und Bockshaut zu stärken, hat offenbar teilweise dazu geführt, dass sich die Bockshaut aufgelöst hat. „Aber das war damals Stand der Technik“, sagt Hecht, da könne man niemandem einen Vorwurf machen.

Wie teuer die Sanierung wird, ist offen. „Das lässt sich noch nicht sagen“, sagt Gehrig, er und Hecht rechnen mit einem Millionenbetrag. „Allein das Gerüst hat schon 200.000 Euro gekostet“, sagt Hecht. Das wird wandern, bislang konnte nur die Decke im vorderen Teil des Kirchenschiffs begutachtet werden, im zweiten Bauabschnitt wird der hintere Teil übers Gerüst untersucht. Im dritten Abschnitt der Chorraum.

Eine Ursache für die Schäden könnte sein, dass in der Kirche eine niedrige Luftfeuchtigkeit herrscht, um die Orgel zu schützen. Der Restaurator vertritt laut dem Kirchenpfleger die These, dass darunter die Bockshaut litt, die aus einem Gemisch aus Kalk und Stroh besteht.

Die Sanierung erfolgt als „Mischsanierung“, wie Hecht erklärt. Dort, wo die Bockshaut fehlt, werden kleine Löcher in die Decke gebohrt und neue Bockshaut eingespritzt, oder vom Dachboden her eingebracht. „In der Hoffnung, dass sich eine Verbindung herstellt“, sagt Hecht. Bevor die Arbeiten beginnen, wird die Decke noch gereinigt vom Schmutz, der sich dort seit Mitte der 90er Jahre abgelagert hat.

Zusätzlich wird ein Statiker das Gebälk über der Decke prüfen. Laut Hecht sind dort Spanten angebracht, die womöglich Verwerfungen im Holzdachboden auf die Decke übertragen. Außerdem haben sich die Sparren von den Dachbalken wegbewegt, das soll über Metallverstrebungen korrigiert werden. Und weil die Glaswolle-Isolierung über der Decke schimmelt, soll diese mit Holzfaser ersetzt werden. „Das geht Hand in Hand mit der Maßnahme“, sagt Hecht.

Glockengeläut fehlt

„Das Schlagen fehlt im Ort“, sagt Gehrig zum fehlenden Glockengeläut. Laut Gehrig soll jede Bewegung verhindert werden, und beim Glockengeläut gebe es ja genug Schwingungen. Mit dem Kirchengemeinderat will der Pfarrer nun beraten, wo Kirchenfeste und Veranstaltungen bis Ende 2020 begangen werden. „Wir können froh sein, dass wir Alternativen haben“, sagt der Pfarrer mit Blick auf Liebfrauen- und Konviktskirche. Manches aber lässt sich anderswo nicht veranstalten. Das Rätschen an Ostern etwa fällt aus.

200

Tausend Euro kostet alleine das Gerüst, das für die Sanierungsarbeiten in der Kirche benötigt wird. Die Kosten der Sanierungsarbeiten stehen noch nicht fest.