„Der Dorffrieden ist einfach dahin“, sagte Joachim König im Gemeinderat in Lauterach. Der Grund: Siegfried König junior will aus einer Wiese im Teilort Neuburg acht Stellplätze für Wohnmobile machen, dazu ist eine Versorgungsstele geplant. Zu zentral in der Dorfmitte sei das Projekt, sagte der Gemeinderat für Neuburg. „Wenn Leute mitten im Ort Urlaub machen, ist es nicht ab 19 Uhr ruhig“, ist König überzeugt. Außerdem seien noch andere Baustellen im Dorf offen, da brauche es keine weitere, deutete er an, wohl mit Blick auf den Bauherrn, der die „Scheibe“ anders umbaut als ursprünglich geplant. Rolf Sorgenfrei meinte, dass ein solcher Wohnmobilplatz nicht ins Dorfbild passe. Schließlich plane die Gemeinde selbst einen Wohnmobilplatz am Parkplatz der Halle. Lutz Mammel zeigte sich zwiegespalten. Er könne die Bedenken der Anwohner verstehen, sehe aber auch ein neues Gewerbe in den Plänen, was grundsätzlich positiv sei. Allerdings plädiere er für eine Abgrenzung durch einen Zaun, eine Hecke oder Mauer, wie es für Campingplätze innerorts in Urlaubsgebieten etwa in Italien üblich sei. Gerold Burger zeigte sich unentschlossen: Er habe neulich einen sehr interessierten, älteren Wohnmobilurlauber kennengelernt, der das Biosphärengebiet besuchte. „Wenn solche Leute in den Ort kämen“, wäre das nicht so schlimm.

Wie Bürgermeister Bernhard Ritzler berichtete, hat ein nicht unmittelbarer Angrenzer zehn Unterschriften gegen das Baugesuch gesammelt. Deren Argument: In der Dorfmitte sei so ein Projekt eine erhebliche Veränderung. Wie der Bauherr am Freitagabend im Rat sagte, sei das Projekt mit dem Landratsamt vorbesprochen, man begrüße die Nutzung als gutes Projekt im Biosphärengebiet. Auch Constanze Braunwarth, offenbar auch mit Bauherrin und selbst in der Biosphärengruppe aktiv, machte deutlich, dass sie all den „Gegenwind“ fraglich finde. „Das ist kein Campingplatz, und da werden keine vagabundierenden Partygruppen kommen, sondern Leute, die sich ein solches Mobil leisten können, in unserem Alter.“

Rechtlich sei das Baugesuch „Zum Burggraben 19“ völlig in Ordnung und stimme mit dem Bebauungsplan überein, sagte der Bürgermeister, der für die Bedenken Verständnis zeigte. All die Argumente würden vom Landratsamt als Baurechtsbehörde aber wohl als nichtig angesehen. Die Gemeinde könne ihr Einvernehmen nicht aus einem Bauchgefühl heraus verweigern. Allerdings müsse die Prüfung des Projekts noch erfolgen, dann müsse man sehen, ob Umweltschutz und die Erschließung mit Ver- und Entsorgung gewährleistet sind. Dass die Gemeinde seit fast zwei Jahren schon Pläne für eine ähnliche Stellplatznutzung bei der Halle in der Tasche habe, dürfe nicht maßgeblich für die Entscheidung sein. Das kommunale Projekt sei bisher nur noch nicht umgesetzt, weil die nötigen Zuschüsse fehlen.

Lothar Rehwald war dafür, die Prüfung durch das Landratsamt abzuwarten, Paul Fisel meinte, er wäre als Angrenzer auch nicht erfreut über einen solchen Platz, und Bärbel Kiebler war als befangen vom Ratstisch zurückgewichen. Der Gemeinderat einigte sich darauf, dass der Bürgermeister eine Stellungnahme mit den Bedenken und Meinungen der Räte ans Landratsamt vorbereitet, die Entscheidung über das Einvernehmen wurde auf die nächste Sitzung vertagt.

Auch ein weiteres Baugesuch, und zwar im Lauteracher Baugebiet "Ehinger Steige II", hat manchen Bürger aufgebracht. Gegen ein geplantes Fünffamilienhaus Am Fackelesberg 6 – ebenfalls im Einklang mit dem Bebauungsplan – hatten zwei Anwohner beim Landratsamt Einspruch eingelegt. Sie argumentierten, dass sie über eine Änderung im Bebauungsplan, die einen solchen zweigeschossigen Bau möglich macht, nicht informiert worden seien. Bernhard Ritzler verlas daraufhin die einzelnen Schritte bis zum Satzungsbeschluss der Bebauungsplanänderung von 2011 vor und wies nach, dass die Angrenzer mehrfach Gelegenheit hatten, sich dazu einzubringen.

Auf Wunsch mehrerer Gemeinderäte soll der Bauträger nachweisen, dass das Projekt durchfinanziert ist. Die relativ kleinen Wohnungen würden wahrscheinlich als Ferienwohnungen dienen und könnten sowohl verkauft als auch vermietet werden.