Ein Großformat mit den Ausmaßen von vier auf sechs Metern sprengt fast die Möglichkeiten der Nikolauskapelle im Schloss Mochental. Das Werk aus 24 quadratischen Tafeln von Ursula Jüngst ist die malerische Fassung für eine Fenstergestaltung in der Taufkapelle der Kirche Allerheiligen in Nürnberg und entstand in Barcelona. Die Glasfenster werden vermutlich Ende des Jahres in der Kirche eingebaut werden. Die Besucher der Ausstellung können also einen malerischen Entwurf mit der Wirkung als Glasfenster vergleichen.

Zur Ausstellungseröffnung sprach der Stuttgarter Galerist Dr. Bert Schlichtenmaier. Seit mehr als 30 Jahren erkunde die 1965 geborene Künstlerin malerische Positionen. Die sich wiederholenden Pinseltaktungen seien dabei in ihrem Rhythmus typisch für die Künstlerin. Jeder Pinselstrich sei wie ein Baustein oder Modul zu verstehen, das Ursula Jüngst zusammenfügt.

Die Malerei von Ursula Jüngst wirke dabei unabhängig von Natur, Zeit und Ort. Der lebendige Farbkörper sei ein Träger reichhaltiger Empfindungen und Erfahrungen, sagte Schlichtenmaier. Tatsächlich verleitet das Großformat dazu, es aus der Entfernung auf sich wirken zu lassen und aus der Nähe die einzelnen Pinselstriche zu betrachten.

In dem Bild mit dem Namen „Fiesta de la vida“, übersetzt „Feier des Lebens“, dominiert die Sonnenfarbe Gelb. Das Gelb scheint über das Bild gegossen und die Nähe zu der Farbe Blau zu suchen. Man ist versucht, eine Verbindung zwischen der spanischen Sonne und dem Meer zu suchen. Das Blau des Wassers eignet sich auch besonders gut für eine Taufkapelle. Beide Farben wirken belebend, lebendig und ineinander fließend.

Das Format sprengen

Das Hauptwerk wird von anderen, oft auch recht großformatigen Arbeiten flankiert. Mal dominiert ein Nachtblau, das an Vincent van Gogh erinnert, das Bild, ein anderes Mal ist Ursula Jüngsts Palette eher zart und verhalten. Immer scheinen sich die Bilder über ihre Ränder weiterentwickeln zu wollen und das ihnen vorgeschriebene Format als zu eng sprengen zu wollen.

Nach der Ausstellungseröffnung in der Nikolauskapelle folgte eine weitere im oberen Stockwerk, wo Michael Urtz seine jüngsten Werke ausstellt. Der Künstler zeigt sich den Kennern seiner Malerei mit ganz neuen Ansätzen. Vor 10 bis 20 Jahren vertrat der Stuttgarter die Ansicht, eine Farbe müsse ein Bild dominieren. „Diese Phase ist abgeschlossen“, sagte der Künstler zu seinen Fans im Rundgang.

Die neueren Bilder unter dem Titel „Metamorphosen“ entstanden in meist gebrochenen, zurückgenommenen Farben auf weißem oder grauem Grund. Michael Urtz, der auf den Bildern, die in der Bretagne entstanden, ein kräftiges Grün bevorzugte, wird nun duftig und flüchtig. Man könne sich auch vom Titel leiten lassen, erläuterte Dr. Melanie Klier in ihrer Vernissagerede. Titel wie „Sphäre“, „Zenit“ oder gar „Herzblüten“ verweisen auf einen flüchtigen Kosmos, in dem die Dinge in Bewegung sind.

Und so wirbelt und kreist es auf Urtz’ Bildern um eine imaginäre Mitte. Michael Urtz, der die Prosa von Adalbert Stifter verehrt, inszeniert ein „großes Rauschen“, das nicht als Bedrohung auf den Betrachter wirkt, sondern als sanftes Blätterrauschen. Es ist fast eine Liebeserklärung an Transparenz und Transzendenz.

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