Natur Sommertour „Vitale Gewässer“ bringt Staatssekretär André Baumann nach Datthausen

Voll des Lobes: Staatssekretär Andre Baumann (rechts) zeigte sich gestern bei seinem Besuch in Datthausen begeistert von der Donau. Sie war dort vor einem Jahr renaturiert worden.
Voll des Lobes: Staatssekretär Andre Baumann (rechts) zeigte sich gestern bei seinem Besuch in Datthausen begeistert von der Donau. Sie war dort vor einem Jahr renaturiert worden. © Foto: Maria Bloching
Datthausen / MARIA BLOCHING 04.08.2018

„So schön es hier auch ist, so ernst ist doch der Hintergrund“, begrüßte Regierungspräsident Klaus Tappeser gestern die Besucher. Außer  Umwelt-Staatssekretär Andre Baumann nahmen Bürgermeister Martin Krämer, der Erste Landesbeamte Markus Möller, der AfD-Landtagsabgeordnete Daniel Rottmann sowie Vertreter des Regierungspräsidiums und Gewässerführer die abgeschlossene Renaturierung in Augenschein. Der Besuch fand im Rahmen der Sommertour des Umweltministeriums „Vitale Gewässer in Baden-Württemberg“ statt.

Flüsse seien schon immer von den Menschen genutzt worden – als Antrieb und als Lebensgrundlage, wie Tappeser betonte. „Man musste sie im Griff haben. Sie störten und nahmen landwirtschaftliche Flächen weg.“ Nach dem großen Hochwasser im Jahr 1990 hätte ein Umdenken stattgefunden, Veränderungen seien in Gang gesetzt worden, um solche Hochwasser in schnell fließenden Gewässern ohne Ausweichmöglichkeiten zu vermeiden.

Doch auch die Revitalisierung sei ein Grund, weshalb in Folge immer mehr Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt wurden. „Fische brauchen Hoch- und Flachwasser, ruhige und schnelle Zonen“, sagte Tappeser. Deshalb hätte man in Datthausen auf einem Abschnitt von rund 200 Metern 3000 Quadratmeter mehr Wasserfläche geschaffen und 9000 Kubikmeter Erde vom Uferbereich abgetragen.

Hierfür hat das Land rund 250 000 Euro ausgegeben. 200 Kilometer sei die Donau lang, die Hälfte davon total verbaut: „Es gibt noch einiges für uns zu renaturieren“. Wie wichtig vitales Gewässer für Mensch und Natur ist, machte Umwelt-Staatssekretär und Biologe Andre Baumann deutlich. Im vergangenen Jahrhundert hätte sich das Fließgewässer stark verändert. „Jetzt machen wir etwas fast Widersinniges, in dem wir Gerades wieder krumm machen. Aber dadurch schaffen wir ein lebendiges und vielfältiges Gewässer mit einem guten ökologischen Zustand“, bekräftigte Baumann. Es werde wohl kaum möglich sein, die Vorgaben nach den EU-Richtlinien bis 2027 für alle Gewässer zu schaffen: „Aber bei der Donau kriegen wir das hin.“ Nachdem hinsichtlich der Wasserqualität viele Erfolge erzielt werden konnten, müsse man nun die Gewässerstrukturen verbessern, dann „kann auch der Donaufisch Huchen wieder kommen“. Man bereite die Donau hier oben gut vor, so dass möglichst viel Leben in Richtung Bayern gehe: „Denn dort ist Natur notwendig.“

Alles berücksichtigt

15 Millionen Euro stellt das Land jährlich für die Renaturierung von Flüssen zur Verfügung, bei der stets auch mehrere Parteien wie Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Kanu- und Angelnutzung unter einen Hut gebracht werden müssen. Die Renaturierung von großen Gewässern der ersten Ordnung werden zu 100 Prozent gefördert, bei kleinen Gewässern unterstützt das Land die Kommunen zu 85 Prozent.

Norbert Menz hat als Fachplaner die Renaturierung maßgeblich betreut und gab einen detaillierten Einblick. Nachdem im Frühjahr zweimal das Wasser über die Ufer getreten ist, sei genau das passiert, was man sich erhofft hätte: Es ist ein großer Kiesstrand entstanden. Der angelegte Auwald hat zwar auch etwas gelitten, aber Menz zeigte sich zuversichtlich, dass der sich wieder erholt. „Wir haben dem Fluss den Startschuss gegeben.“

Die Renaturierung sei in Datthausen sehr gut gelungen, sagte Baumann. Alles sei berücksichtigt worden. Steilufer wurden entwickelt, Unterstände für Fische und Laichplätze eingerichtet, Steinblöcke und Totholz eingebaut, Strömungsvarianzen und Sedimentablagerungen gefördert und der ufernahe Bereich mit artenreicher Ufermischung angesät. „Wieder ein Stück Natur mehr in Obermarchtal“, freute sich Bürgermeister Martin Krämer.

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