Musik Sommernacht mit Lyrik bei Pop & Poesie

Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 29.07.2018
Auf ihrer Jubiläumstour bescherten die Akteure von „Pop & Poesie“ den Ehingern an einem lauen Sommerabend heiße Evergreens.

Feelin Alright“ von Joe Cocker machte den Anfang des musikalischen Abends auf dem Marktplatz und dann groovten sich die neun Musiker, Sänger und Schauspieler bei der SWR1-Pop & Poesie fast drei Stunden durch bekannte Titel der Pop- und Rock-Geschichte. Die Jubiläumstour durch Baden-Württemberg kam wieder nach Ehingen, wo es offensichtlich viele SWR1-Fans gibt.

Matthias Holtmann, Erfinder und Moderator der erfolgreichen Live-Shows, fragte zu Beginn auf dem nicht ganz gefüllten Marktplatz die Zusammensetzung des Publikums ab. Der Radiosprecher lobte die Kroaten für ihre WM-Erfolge, auch die Franzosen wurden anerkennend erwähnt und auf die Frage „Sind Deutsche hier?“ meldeten sich die Angesprochenen nur zaghaft. Holtmann kicherte sich daraufhin eins.

In unvergleichlicher Art

Verbale Volten sind die Spezialität des Moderators, der sich in unvergleichlicher Art durch Texte und Songs nuschelte. Den Entertainer Theo Lingen imitierte der 68-Jährige mit dessen Lied „Der Theodor, der Theodor“, und auch Rudi Carrell kam als Schlagersänger zu Ehren. Diese Kultfiguren der Vergangenheit umrissen den Musikgeschmack des Publikums, das in den 70ern vor dem Radio saß. Matthias Holtmann umgibt sich in seiner Show mit exzellenten Sängern und Musikern.

Allen voran gibt der musikalische Leiter und Pianomann Peter Grabinger die musikalische Richtung vor. Nach der Pause setzte der Pianist zu einer zarten Träumerei aus Schumanns Kinderszenen an, die voller Melancholie über den Ehinger Marktplatz wehte. Der Sänger, Geiger, Bassist und Gitarrist Alex Kraus gab Titel von Robby Williams zum Besten und der Moderator Jochen Stöckle stellte sich für ein Abschiedsvideo für seine Freundin zur Verfügung. Das gelang erst nach einigen Anläufen zu Holtmanns Zufriedenheit und läutete den Titel „Leaving on a jet plane“ von John Denver ein.

Zum Konzept von „Pop & Poesie“ gehört auch, Hintergründe von Liedtexten zu erzählen. So berichteten die Sänger, dass 1979 in San Diego ein Mädchen namens Brenda Ann Spencer wegen eines Anschlags verurteilt wurde. Sie erschoss vor der Grover Cleveland Elementary School zwei Personen und verletzte neun weitere. Bei der Vernehmung gab sie an, keine Montage zu mögen. Die Aussage „Heute passiert nichts mehr. Ich mag keine Montage“ inspirierte den Sänger Bob Geldorf zum gleichnamigen Hit. Mit Stimmgewalt brachten Sängerin Simone von Racknitz-Luick und Jazzsängerin Britta Medeiros diesen Titel auf die Bühne.

Nach der Konzertpause, bei der sich die Besucher an Getränke- und Essensständen laben konnten, wurde es einen Tick sentimentaler und melancholischer. Matthias Holtmann sang in bester Rudi-Schurike-Manier den Schlager „Regentropfen, die an dein Fenster tropfen“ und schickte auf diese Art Grüße in das Publikum. Wie schon in den vergangenen Staffeln von Pop & Poesie thematisierte Holtmann seine Parkinson-Erkrankung, die ihn zwar beeinträchtige, die ihm aber ansonsten am „Arsch vorbei“ gehe. „Man darf sich nicht aufgeben“, sprach er allen Zweiflern im Publikum Mut zu.

Mit Galgenhumor

Matthias Holtmann nimmt sich gerne selber auf die Schippe und fragt das Publikum, ob sein Kopf allzu schief auf dem Hals sitzt. „Hängt mein Kopf nach unten, sieht das blöd aus, aber es kommen mir gute Gedanken“, erklärte der Moderator, der seine gesundheitlichen Einschränkungen mit Galgenhumor nimmt.

Im Laufe des Abends reihte sich in dieser lauen Mondnacht ein Hit an den anderen und einige Konzertbesucher ließen sich auch zum Tanzen animieren.

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