Shirley Valentines heitere Emanzipation

ELVIRA LAUSCHER 08.11.2014
Bislang ging das Leben an ihr vorbei. Doch Shirley Valentine, die Marion Weidenfeld jetzt im Schloss Dellmensingen spielt, beschließt das zu ändern.

So ein Gläschen Wein ist etwas Schönes beim Kochen und Bügeln, denkt sich Shirley Valentine in "Die heilige Johanna der Einbauküche", die Marion Weidenfeld vom Theater Erbach jetzt in Schloss Dellmensingen spielt. Sie träumt davon, dieses Glas dort zu trinken, wo die Reben wachsen. Doch ihr Mann Jo mag keinen Urlaub und auch keine Veränderungen. Und auch sie selbst hat Ängste, zum Beispiel die, keinen Platz mehr für sich zu finden, wenn sie Jo verlässt. Dabei merkt sie, dass sie auch sich selbst, Shirley, schon lange verlassen hat.

Bevor sie sich zu ändern beginnt, muss sie Höhen und Tiefen durchschreiten und sich reflektieren - im Gespräch mit der Küchenwand beim Kartoffelschälen, in Begegnungen mit alten Schulfreundinnen oder der Nachbarin im Dessous-Geschäft, in erzählten Dialogen mit ihrem Mann Jo und ihren Kindern.

Und sie fragt sich, wie viel ungenutztes Leben in jedem von uns steckt. Allerdings alles leicht verpackt und zwischen humorvolle Sätze und auch manch originellen Gag eingebettet - schließlich soll "Shirley Valentine oder Die heilige Johanna der Einbauküche" vor allem unterhalten.

Marion Weidenfeld schafft es, die Bühnenpräsenz zu halten, sich mit der Figur zu wandeln und auch fast durchgängig die Spannung zu vermitteln. Doch das Stück von Willy Russel hat auch einige Schwächen. An manchen Stellen zeigen sich doch die Jahrzehnte, die das Stück auf dem Buckel hat und vielleicht hätte da die Regie (Sina Baajour) mutiger kürzen können.

Marion Weidenfeld hat das Stück bereits vor vielen Jahren in der Theaterei Herrlingen gespielt und sich gefragt, ob es auch 15 Jahre später noch ankommt. Das Premierenpublikum hat diese Frage mit viel Beifall beantwortet.

Info Marion Weidenfeld spielt "Shirley Valentine oder Die Heilige Johanna der Einbauküche" wieder am 15. und 16. November, jeweils 20 Uhr, im Schloss Dellmensingen.