Eine solche Aufführung, wie sie am Dienstag ein Mann am Ehinger Amtsgericht bot, dürfte auch Richter Wolfgang Lampa noch nicht allzu oft erlebt haben.

Der Mann hatte einen Strafbefehl erhalten, weil er verbotenerweise seine Auseinandersetzung mit Verwaltungsmitarbeitern im Ehinger Rathaus gefilmt hatte. Das Filmchen veröffentlichte er dann auch noch auf einer Videoplattform im Internet. Entzündet hatte sich der Disput an einem Bußgeldbescheid, den der Mann nicht bezahlen wollte. Verstoß gegen die Vertraulichkeit des Worts und das Recht am eigenen Bild, lauteten die Anklagepunkte. Der Mann hatte gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt.

Am Dienstag sollte deshalb der Prozess am Amtsgericht stattfinden. Auch Ehingens Ordnungamtsleiter Ludwig Griener war im Saal. Doch Richter Lampa kam gar nicht dazu, die Verhandlung ordnungsgemäß zu eröffnen. Denn der Angeklagte nahm nicht einmal Platz, sondern legte sofort einige Papiere auf den Richtertisch. Darunter war ein Strafantrag und ein Befangenheitsantrag gegen Richter Lampa. Der Richter sei nicht zuständig, war dem konfusen Schreiben zu entnehmen. Und zwar, weil Lampa angeblich "kein Deutscher" sei. Was es damit auf sich hat, erklärte Staatsanwalt Martin Goeth später der SÜDWEST PRESSE: Der Mann sieht den deutschen Staat und seine Justiz als nicht rechtmäßig an. "Das wars für mich, ich gehe", erklärte der Angeklagte dann auch kurzerhand und verließ nach kaum einer Minute den Gerichtssaal. Vergeblich forderte ihn Lampa auf, zu bleiben und die Entscheidung über seinen Befangenheitsantrag abzuwarten. Etliche Zuschauer, die den Mann begleiteten, klatschten beim Abgang des Angeklagten lautstark Beifall. "Wenn Sie weitermachen, hole ich die Polizei und lasse den Saal räumen", drohte Lampa an.

Nach kurzer Pause verwarf Lampa dann den Befangenheitsantrag. Der sei nur dazu konstruiert worden, um das Verfahren zu verschleppen. Das Ganze sei Ausdruck einer "wirren Ideologie". Ziel sei es, die deutschen Behörden zu verunglimpfen und vorzuführen. Staatsanwalt Goeth forderte, den Einspruch des Angeklagten gegen den Strafbefehl zu verwerfen.

Dies tat Lampa in seinem Urteil: Der Mann sei der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben, der Strafbefehl sei gültig. Für das Filmen der Rathaus-Mitarbeiter und das Veröffentlichen des Videos muss der Mann nun 60 Tagessätze zu 80 Euro, insgesamt also 4800 Euro, zahlen. Angesichts der Ideologie des Mannes ist damit aber wohl noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Angeklagte tauchte übrigens kurzzeitig noch einmal auf, als Lampa sich zur Abfassung des Urteils zurückgezogen hatte. Er gab seine Geburtsurkunde ab - mit der wollte er seine Anwesenheit beweisen. Dann verließ er den Gerichtssaal wieder. "Ich nehme das zur Kenntnis", sagte Richter Lampa dazu nur, als er das Urteil gesprochen hatte.