Auto Selber wechseln ist nicht ohne

Julian Reichle empfiehlt, jetzt die Winterreifen aufzuziehen.
Julian Reichle empfiehlt, jetzt die Winterreifen aufzuziehen. © Foto: EVA MIHAI
Ehingen / EVA-MARIE MIHAI 29.10.2015
Nicht das Datum, sondern das Wetter ist bei Winterreifen ausschlaggebend. Sobald die Temperaturen unter vier Grad sinken, sollten Reifen gewechselt werden, empfiehlt Automechaniger Julia Reichle.
Reichles sind im Stress, sowohl Vater Peter, als auch Sohn Julian können sich während des Arbeitstages kaum von ihrer Werkstatt in Ehingen losreißen. „Rund 60 Reifenwechsel machen wir zur Zeit täglich“, erzählt der 29-jährige Julian. Fünf Fest- und zwei Saisonkräfte sind damit beschäftigt, im halbstündigen Takt die Werkstatt neu mit Autos zu befüllen und die Reifen zu wechseln.

Seit vier Wochen geht das so, viele kennen wohl die „O-bis-O-Regel“: „Von Oktober bis Ostern Winterreifen benutzen.“ Der Kälteeinbruch Mitte Oktober hat sein Übriges getan: „Wenn der Wetterbericht entsprechend ist, in höheren Lagen Schnee fällt, dann kommen viele“, sagt Julian Reichle. Im Schnitt ist die Werkstatt dann sechs Wochen mit der Aufrüstung der Fahrzeuge auf den Winter beschäftigt. Pro Fahrzeug kostet das rund 20 Euro.

Zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde dauert der Wechsel. Bei Autos mit Reifendruckkontrollsystem (RDKS) dauert es unter Umständen etwas länger und wird auch teurer. RDKS ist seit dem 1. November 2014 Pflicht für neu zugelassene Autos. Die Sensoren im Reifen kontrollieren automatisch den Luftdruck und warnen vor Abweichungen – entweder als Anzeige im Cockpit oder über Warnleuchte. Mit dem falschen Reifendruck können Reifen schneller oder einseitig abgenutzt werden. Falsch eingestellter Reifendruck ist auch ein Problem, weswegen oft von einem Reifenwechsel als Privatperson abgeraten wird. Mit einem Wagenheber und Felgenschlüssel können zwar durchaus auch Laien Räder wechseln, allerdings muss einiges dabei beachtet werden. Das Drehmoment und die richtige Laufrichtung der Schrauben, die den Reifen halten, ist wichtig. Ebenso, dass der Reifen auf Beschädigungen und Luftdruck hin untersucht wird.

Zu erkennen sind Winterreifen an dem „M+S-Symbol“ (deutsch: Matsch und Schnee) und an dem Symbol eines Berges mit einer Schneeflocke. Experten empfehlen, Reifen mit dem Schneeflockensymbol zu kaufen, da nur die nach internationalen Mindeststandards hergestellt werden. Aus gesetzlicher Sicht reichen „M+S-Reifen“ aber aus. Ebenso auch Reifen, die mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe haben. Der ADAC hat aber in Untersuchungen ermittelt, dass die Wintertauglichkeit von Reifen bei Profiltiefen unterhalb von vier Millimetern nachlässt.

Viele fahren Winterreifen, die weniger als vier Millimeter Profiltiefe haben, im Frühling voll herunter. Julian Reichle kann das aus fachlicher Sicht nicht empfehlen: „Winter- und Sommerreifen haben einfach unterschiedliche Eigenschaften, die Gummimischung ist eine andere.“ Ab vier Grad wird Gummi härter. Dagegen können Winterreifen bei höheren Temperaturen schneller abgenutzt werden.

Von wann bis wann mit Winterbereifung gefahren werden muss, ist vom Gesetzgeber nicht vorgegeben. Vorschrift ist, dass der Witterung angepasste Reifen verwendet werden müssen. Wer also beispielsweise im Winter auf einer trockenen Stelle mit Sommerreifen von einer Polizeistreife kontrolliert wird, hat Glück. Sobald es aber glatt ist, muss der Fahrer mit Sommerreifen mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Sollte das Fahrzeug von der Polizei als „Gefährdung“ eingestuft werden, kommt es auch vor, dass nicht mehr weitergefahren werden darf. Wer mit seinen Sommerreifen andere behindert, beispielsweise einen Berg hochfährt und stecken bleibt, zahlt 80 Euro; wer andere gefährdet 100 Euro und wer einen Unfall verursacht 120 Euro plus jeweils ein Punkt in Flensburg. Achtung: Zur dunklen Jahreszeit kontrolliert die Polizei vermehrt Lichttechnik und die Bereifung.