Interview Florian Teichmann seit 100 Tagen im Amt

Allmendingens Bürgermeister Florian Teichmann an seinem Schreibtisch im Rathaus. In diesem Jahr geht die Gemeinde viele Großprojekte an – manches ist bereits am Werden.
Allmendingens Bürgermeister Florian Teichmann an seinem Schreibtisch im Rathaus. In diesem Jahr geht die Gemeinde viele Großprojekte an – manches ist bereits am Werden. © Foto: Julia-Maria Bammes
Allmendingen / Von Julia-Maria Bammes 24.07.2018
Seit April ist Florian Teichmann Bürgermeister in Allmendingen. Ihn freuen die täglichen Begegnungen – und dass manches rasch gelöst werden kann.

Seit 19. April ist Allmendingens Bürgermeister Florian Teichmann im Amt. Eines ist jetzt schon klar: In diesem Jahr stemmt die Gemeinde – nun mit ihrem neuen Bürgermeister – einige große Projekte.

Herr Teichmann, seit knapp 100 Tagen sind Sie im Amt. Wie sind Sie in Allmendingen angekommen?

Florian Teichmann: Sehr gut, weil ich sehr gut von der Bevölkerung aufgenommen worden bin. Ich habe eine tolle Unterstützung hier im Rathaus. Ohne diese Unterstützung hätte ich mir vermutlich bei weitem nicht so leicht getan, in das Amt so schnell reinzufinden.

Welche großen Projekte stehen Ihnen und der Gemeinde in den kommenden Monaten ins Haus?

Große Projekte haben wir dieses Haushaltsjahr sehr, sehr viele. Eines ist die Seniorenresidenz, die wir errichten und vermutlich sogar vor dem Zeitplan fertigstellen können. Das ist aus meiner Sicht ein hervorragendes Projekt, das auf zwei, vielleicht nachher auch auf drei Beinen steht. Da ist einmal die Gemeindeseite mit sozialem Wohnungsbau, dann die privaten Wohnungen, die vermarktet werden, und wenn es uns gelingt, die Tagespflege noch nach Allmendingen zu holen, wäre das das dritte Standbein. Das wäre für mich eine Herzensangelegenheit. Wegen der Tagespflege gibt es erste Gespräche mit der Sozialstation Erbach, die neben Schelk­lingen und Erbach dann in Allmendingen tätig werden könnte.

Ein weiteres großes Projekt ist die Sanierung und der Umbau des Alten Rathauses zum Archiv und einem Raum für den Arbeitskreis Heimatgeschichte, wo es Ausstellungen geben soll. Es werden zwei Wohnungen in den oberen Stockwerken entstehen, die wir zu gegebener Zeit verkaufen werden.

Auch die Internetversorgung ist ein großes Projekt: Wir haben vor ein paar Wochen den Förderbescheid über 734 000 Euro bekommen. Wir sind aktuell in der Planung des Breitbandausbaus. Das wird zu einer deutlichen Qualitätsverbesserung führen, dies betrifft im Wesentlichen die Teilorte. Allmendingen im Kernort ist relativ gut versorgt.

Was ebenfalls ansteht, ist die Sanierung der Ortsdurchfahrt in Schwörzkirch mit Anschluss an die Kanalisation und damit verbunden auch natürlich die Infrastruktur für den Breitbandausbau.

Ein weiteres Vorhaben ist der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Weilersteußlingen. Hier sind wir aktuell in den Vorplanungen und Gesprächen zu einem geeigneten Standort.

In Ihrem Wahlkampf haben Sie auch das Thema Nachhaltigkeit angesprochen. Gibt es hierzu Pläne?

Wir sind gerade dran, die Forstbewirtschaftung der nächsten zehn Jahre festzulegen und da ist eine Maßgabe für den Förster, dass auch ein Totholz-Konzept erarbeitet wird, um den Kleinlebewesen einen notwendigen Lebensraum in unseren Wäldern zu schaffen. Wir wollen da ein Stück weit als Vorbild fungieren. Es gibt einfach ein Sterben von Tierarten. Die Bienen sind bedroht. Jeder isst gerne Honig zum Frühstück, und man muss auch den Lebensraum für Tiere und Insekten schaffen. Wir sind auch im Austausch mit dem Naturschutzbeauftragten Michael Rieger; wir überlegen, welche kommunalen Flächen für Blumenwiesen oder andere Grünflächen zur Verfügung gestellt werden können, die nicht mehrmals im Jahr gemäht und gemulcht werden.

Ein weiteres Thema Ihres Wahlkampfes waren bürgerfreundlichere Öffnungszeiten...

Die Öffnungszeiten im Rathaus haben wir ein Stück ausgedehnt, wir sind am Beobachten, wie es angenommen wird. Das Feedback hierzu war sehr positiv. Wir haben uns auch bewusst den Donnerstag rausgesucht, weil da der Markttag ist. Beim VHS-Programm haben wir zum Beispiel den Anmeldemodus geändert; die E-Mail-Anmeldung wird jetzt gleichwertig gesetzt mit der Anmeldung per Telefon oder Fax.

Wie brisant ist das Thema Gewerbeflächen?

Wir haben ein Gewerbegebiet auf den Weg gebracht (Bebauungsplan Schwenksweiler, südlich der Firma Rampf), da sind wir gerade in den naturschutzrechtlichen Untersuchungen und werden Ende September die ersten Ergebnisse haben. Wir haben heute schon sehr, sehr große Anfragen von einzelnen Interessenten, aber auch von einigen örtlichen Betrieben, die erweitern möchten. Das heißt, da haben wir eher eine größere Nachfrage als das, was wir nachher an Flächen zur Verfügung stellen können. Ähnlich verhält es sich mit den Bauplatzanfragen. Wir haben noch Bauplätze, sind aber gerade an weiteren Baugebieten dran. Allerdings dauert so etwas manchmal länger Wir möchten auch in den Teilorten Baugebiete realisieren, sowohl auf dem Hochsträß als auch auf den Lutherischen Bergen.

Was freut Sie besonders an Ihrer neuen Arbeit als Rathauschef?

Mich freut der tagtägliche Umgang mit Menschen, die persönlichen Begegnungen und auch, dass manche Entscheidungen, die man trifft, sich schnell umsetzen lassen und man schnell eine Veränderung sieht. Das war zuvor in einem Großkonzern manchmal nicht so möglich. Man muss sich aber auch an der einen oder anderen Stelle in Geduld üben, gerade wenn man Richtung Bebauungspläne denkt, dass es da einfach lange Planungszeiträume gibt. Ein Beispiel dafür, wie schnell man etwas bewegen kann: Am 1. Mai war ich beim Maibaumstellen in Allmendingen mit meiner Familie. Wir haben ein kleines Kind, meine Frau wollte es wickeln, und wir haben festgestellt, dass es leider keine Wickelmöglichkeiten gibt. Wir haben uns dann mit dem Bauamt Gedanken gemacht, wo man Wickeltische anbieten könnte. Wir haben jetzt in fünf öffentlichen Liegenschaften Wickeltische eingerichtet – im Bürgerhaus, im Waldfreibad, in der Turn- und Festhalle, in der Hochsträßhalle und in der Halle in Weilersteußlingen.

Nehmen Sie sich jetzt auch eine Sommer-Auszeit?

Ich werde mir, wie jeder oder fast jeder andere auch, eine kleine Auszeit gönnen und Ende August mit meiner Familie in den Urlaub fahren.

Nach 24 Jahren Wechsel im Rathaus

Wahl Florian Teichmann war am 18. Februar zum Bürgermeister gewählt worden. Mit 1559 Stimmen, das entspricht 66,4 Prozent, hatte sich der Söflinger gegen seine Mitbewerber Emanuel Sontheimer aus Allmendingen sowie Dauerbewerberin Friedhild Miller durchgesetzt, die 750 Stimmen (32 Prozent) beziehungsweise 31 Stimmen (1,3 Prozent) erhielten. Teichmann folgte auf Robert Rewitz, der 24 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde war und nicht erneut zur Wahl angetreten war.

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