„Ich bin überwältigt, das geht ganz tief rein“, sagte Sebastian Wolf am Donnerstag am Rednerpult im Kleinen Saal der Lindenhalle mit zwei Blumensträußen in der Hand, von denen er einen seiner Frau, den anderen seiner Mutter versprach. Wenige Minuten zuvor hatte Oberbürgermeister Alexander Baumann in der Gemeinderatssitzung das Ergebnis der Wahl zum Hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Ehingen verkündet: Aus dem Gremium entfielen – nach geheimer Wahl – 31 Stimmen auf Amtsinhaber Sebastian Wolf, zwei Stimmen erhielt Ralf Schepers, Jurist aus Nordrhein-Westfalen. Damit tritt Wolf am 1. Juni seine zweite Amtszeit als Bürgermeister der Großen Kreisstadt an, die Amtszeit beträgt acht Jahre.

OB Baumann hatte zu Beginn  die, wie er sagte, „Spielregeln“ noch einmal erklärt: Jeder Bewerber bekam 15 Minuten Zeit, um sich vorzustellen, anschließend konnten die Stadträte ohne Zeitlimit Fragen stellen, der andere Bewerber wartete jeweils vor der Tür. Wolf – seine Bewerbung ging vor Schepers Bewerbung ein – machte den Anfang.

Wolf zieht Bilanz

Der Bürgermeister für Soziales, Erziehung und Ehrenamt und Diplom-Verwaltungswirt zog in aller Kürze eine Bilanz seiner Amtszeit, sprach vom Ausbau der verlässlichen Grundschule; dass es „uns gemeinsam gelungen ist“, den Rechtsanspruch auf Betreuung zu erfüllen; bezeichnete die Lokale Agenda als Erfolgsmodell. Ehingen sieht er „gut aufgestellt“, dennoch warteten Herausforderungen. Dazu zählte er den Erhalt dezentraler Strukturen am Schulstandort, es sei seine „feste Überzeugung“, dass Kinder und Jugendliche Schulen nahe am Wohnort vorfinden sollten und dass in Sachen Digitalisierung „die Technik einem pädagogischen Konzept folgen muss“. In der Betreuung ist sein Anspruch, „der attraktivste Kindergartenträger im Alb-Donau-Kreis zu sein“, Projekte wie das Reparatur-Café „probieren wir einfach mal aus“. Künftig soll alle zwei Jahre ein Integrationsbericht erscheinen, um diesen als Planungsinstrument nutzen zu können.

Hubert Dangelmaier (Grüne) fragte Wolf, ob künftig neue Betreuungsformen und -zeiten in Kindergärten möglich seien. Wolf entgegnete, dass nicht stets alle Wünsche erfüllt werden könnten, auch personelle Ressourcen zu berücksichtigen seien. Joachim Schmucker (SPD) fragte, wie Jugendliche besser in politische Prozesse einbezogen werden könnten. Wolf sieht hier die Schulen in der Pflicht, auch das Jugendzentrum, verwies auf Klassenbesuche im Rathaus und auf die Einbeziehung von Jugendlichen in die Planungen zu Skateranlage und Streetballplatz. Georg Schreiber (SPD) fragte, wie sich die Große Sportstadt Ehingen weiterentwickeln könne, um Schwimmmöglichkeiten in „kalten Monaten“ zu ermöglichen. „Wir sollten festhalten an dem, was wir haben“, antwortete Wolf. Das Lehrbecken, das Vereine zur Verfügung steht, sei eine Möglichkeit. Letztlich aber sei der „Gemeinderat das Hauptorgan“ in solchen Dingen, sagte Wolf. Heinz Wiese (CDU) fragte, wie die Chancen auf eine Fachhochschule „als Sahnehäubchen“ für Ehingen stünden. Von Landesseite gebe es keine Tendenzen, antwortete Wolf.

Keine Fragen an Mitbewerber

Ralf Schepers aus Langerich (NRW) sprach zunächst mehrere Minuten über seinen Lebenslauf, dass er nahe Witten im Ruhrgebiet aufwuchs, 1999 dort zum Stadtrat gewählt wurde, 2003 als Jurist seine Kanzlei gründete und sich zunächst mit Zivil- und Verkehrsrecht befasste, später übers Bankenrecht Klienten vertrat, die vor der Zwangsversteigerung standen. Er wolle sich auch als Bürgermeister für Menschen einsetzen und habe zudem Interesse an Politik.

Das Interesse der Bürger am Stadtgeschehen sei mit Blick auf Lokale Agenda und Integrationsarbeit „bemerkenswert“. Daraufhin formulierte er, zunächst etwas ungelenk: „Man kann es spüren, dass es hier eine Verbundenheit gibt.“ Er plädierte für kostenlose Kinderbetreuung statt für kostenloses Studium, forderte ein durchlässiges Schulsystem, weil sich Kinder und Jugendliche unterschiedlich schnell entwickelten.

Fragen hatten die Stadträte im Anschluss keine an Ralf Schepers.

Das könnte dich auch interessieren:

31


Stimmen bekam der amtierende Bürgermeister Sebastian Wolf, zwei Stimmen entfielen auf den Kandidaten Ralf Schepers. Die Wahl war geheim, jeder Rat hatte eine Stimme.