Hund Schnitzeljagd mit Hund

Munderkingen / KARIN MITSCHANG 12.07.2014
Mit seiner empfindlichen Nase kann fast jeder Hund die Menschenverfolgung erlernen. Das entsprechende Hobby namens Mantrailing betreibt Melanie Wundersee mit einem Kurs unter anderem in Munderkingen.

Dass verhaltensgestörte Hunde oft geistig unausgelastet sind und ihre Halter daher fertig machen, ist bekannt. Dies kann den Besitzern nicht passieren, die mit Melanie Wundersee in der Munderkinger Region dem Hobby Mantrailing fröhnen. Bei der Menschenverfolgung, die den Hund voll fordert, geht es darum, eine versteckte Person zu finden, deren Spur der Hund aufnimmt. Jeder Mensch verliert bis zu 19 Gramm nach ihm duftende Hautschuppen pro Tag, die wie Puder in der Luft verteilt werden und durch die der Körpergeruch für die feine Nase des Vierbeiners eindeutig nachzuverfolgen ist - übrigens bei geübten Tieren auch noch Wochen oder gar Monate später.

Zuerst geht beim Mantrail die Zielperson - heute Noreen Hempel aus Berg - mit Wundersee durch die Stadt und sucht sich ein Versteck oder setzt sich auf eine Bank. Wundersee kommt zum Hundehalter am Ausgangsort zurück. Kaum hat Connie Loncar aus Öpfingen der Dobermann-Hündin Malou am Alten Schulhof das getragene T-Shirt von Hempel zum Schnuppern gegeben, schießt diese auch schon davon. Mit angespannter Körperhaltung geht Malou den Job an, schnuppert angestrengt in jede Gasse und verfolgt konzentriert ihre Aufgabe, bis sie Hempel schließlich auf einem Mäuerchen in der Vorstadt findet. Dann gibt es Leckerli und viel Lob.

Während der Übung läuft der Hund an der Leine. Dass der Führer selbst nicht weiß, wo die Person versteckt ist, ist wichtig, wie Mirko Hempel erklärt, der ebenfalls mit zwei Hunden zur Übungsstunde dabei ist. "Ich gebe dem Hund ja versehentlich Hinweise, wenn ich weiß, wo es hingeht. Wenn er nach rechts will und nach links müsste, halte ich zum Beispiel automatisch an."

"Mantrail ist eine gute, einfache Art, den Hund zu beschäftigen", sagt die 25-jährige Munderkinger Hundeschul- und Hundesalon-Geschäftsführerin Wundersee, die pro Übungstag für jeden Hund jeweils dreimal eine Person versteckt. "Der Hund ist danach völlig erledigt", sagt sie. Und Noreen Hempel ist überzeugt: "Er ist wahnsinnig stolz auf seine Leistung und geht dann sogar aufrechter." Dobermann-Hündin Malou, die sonst in Städten aufgeregt ist und aggressiv auf Autos reagiert, vergisst beim Trailen - also beim Verfolgen - alles um sich herum. Wundersee: "Mantrail ist auch hilfreich für die Verhaltenstherapie."

Wichtig sei Abwechslung: So haben die Teilnehmer schon viele hübsche Ecken in Munderkingen, Obermarchtal und an anderen Orten entdeckt, an die sie sonst nie gekommen wären. Anfängerhunde werden mit vier oder fünf nach einem Menschen riechenden Kleidungsstücken, die auf einem kurzen Weg verteilt werden, per Leckerli an die Verfolgung herangeführt. Ideales Wetter ist übrigens Nieselregen: Denn die feuchte Hundenase riecht besser, und auch der Geruch ist dann leichter auszumachen.

Das Mantrailing kann jeder Hund ausüben, wie Wundersee sagt. "Bisher hatten alle Lust und sind begeistert dabei. Dadurch verbessert sich auch nochmal das Verhältnis zwischen Hund und Halter." Es könne aber sein, dass Vertreter einer Rasse, die stark auf den Seh-Sinn hin gezüchtetet ist, weniger Interesse haben. Auch kann es vorkommen, dass sich ein Hund weigert, eine Person zu suchen: Wenn er den Mensch im wahrsten Sinne des Wortes nicht riechen kann - also nicht mag. Oder wenn der oder die Gesuchte schlechte Laune hat. Wundersee: "Das riecht der Hund, und dann will er diese Person auch gar nicht finden."