Natur Schmiech und Ach überprüft

Schmiechen / Von Bernhard Raidt 17.04.2018

Mit Manfred Erhardt einen Bach oder Fluss entlang zu gehen, ist schon ein besonderes Erlebnis. Denn mit untrüglichem Blick sieht der Gewässerschutz-Experte des Landratsamtes, was sein darf – und was eben nicht erlaubt ist. Da ist dann die Rede von „So-da-Schuppen“ und von schwarzen Pumpen – dabei handelt es sich zum einen um Holzhäuschen, die irgendwann ohne Genehmigung zu nahe ans Gewässer gebaut wurden. Sie waren also einfach mal „so da“. Zum anderen sind die schwarzen Pumpen diejenigen, mit denen sich Gartenbesitzer kühles Nass für ihre Pflanzen aus dem Bach holen – auch das ist nicht erlaubt.

Gestern besichtigte Erhardt die Gewässer in Schmiechen und Schelklingen. Mit dabei: Bauamtsleiter Markus Schmid, der stellvertretende Bauhofleiter Kai Autenrieth, der Naturschutzbeauftragte Michael Rieger und in Schmiechen Ortsvorsteherin Kerstin Scheible. Das Hochwasser war und ist ein Problem für Schmiechen – mit Grausen denken noch viele im Ort an die Überschwemmungen Anfang vergangenen Jahres zurück, die durch die vereiste Schmiech ausgelöst wurden. Nur knapp entging das Dorf damals einer größeren Katastrophe.

Viel Blau in Schmiechen

Tatsächlich zeigt die aktuelle Hochwassergefahrenkarte für Schmiechen sehr viel Blau – ein ungutes Zeichen, denn die Farbe weist auf die Grundstücke hin, die im Falle eines Hochwassers überschwemmt werden. Demzufolge galt die besondere Aufmerksamkeit der Fachleute den Stellen in der Schmiech, die für eine Zunahme des Hochwassers sorgen könnten. Dabei handelte es sich etwa um Schwellen, die bei der Sägerei Richtung Hütten über das Gewässer gelegt wurden. Dort hat sich auch Treibgut angesammelt, das entfernt werden muss. Überhaupt – Holzstapel und vor allem Komposthaufen am Gewässerrand sind Fachmann Erhardt ein Gräuel. Denn das Holz schwemmt es bei Hochwasser weg, aus den Komposthaufen sickert stinkende Brühe in die Gewässer. Einige kleinere Brücken in Schmiechen wurden ebenfalls als „so da“ identifiziert – sie sollen weichen, weil sich an ihnen im Hochwasserfall Treibgut stauen könnte. Beim Wasserkraftwerk Burgmaier versucht die Gemeinde, Grund zu erwerben, um einen Fischpass  zu bauen. Besprochen wurden auch die Gewässergestaltung bei der Sanierung der Schmiechener Ortsdurchfahrt, die bald beginnt, und dem Abriss und Neubau der Produktionsgebäude der Firma Held. Bei der Brücke am Gasthaus „Sonne“ fordert der Experte einen höheren Neubau mit mehr Platz für das Wasser – ebenfalls, um Hochwassergefahren vorzubeugen. Die Gespräche dazu laufen. Richtigen Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser wird das Schmiechtal laut Fachmann Erhardt aber nur dann haben, wenn ein neues Bauwerk errichtet wird – und zwar ein großes Rückhaltebecken im Oberen Schmiechtal bei Sondernach. Das mehrere Millionen Euro teure Vorhaben könnte in fünf bis zehn Jahren realisiert werden, schätzt Erhardt – und bietet dann sowohl Schmiechen als auch Allmendingen und sogar Ehingen Schutz. Was außerdem noch zu beobachten war entlang der Schmiech in Schmiechen: Der Biber ist sehr aktiv, immer wieder sind gefällte und angenagte Bäume zu sehen. Erhardt fordert mehr Drahtschutz für manche Bäume. Ein Privatmann in Schmiechen hat aber bereits die Eigeninitiative ergriffen – er hat sein  Grundstück am Gewässer per kleinem Elektrozaun vor dem Nager geschützt.

Ihren Gang entlang der Ach in Schelklingen starteten die Experten am Achtopf bei der Dreikönigsmühle. Hier legten sie den Meterstab an: Im Achtopf ist zu viel Wasser, es muss etwas abgelassen werden. Der mit Steinen neu gebaute Damm am Achtopf verschnupfte Fachmann Erhardt etwas – er hätte gerne vorher mehr darüber gewusst. Manche ins Gewässer ragende Treppe oder andere Bauten kritisierte der Experte – er verlangt einen Abbruch.

Schwarzerlen am Fluss

Auch die Bäume entlang des Flusses waren ein Thema. Erhardt empfiehlt die Anpflanzung von Schwarzerlen, da sie mit ihren Wurzeln den Gewässerrand stabilisiert. Naturschutzwart Rieger plädiert für Bäume, die Insekten Nahrung bieten. Beides soll jetzt entlang der Ach gepflanzt werden. An der Brücke bei der Spielothek in Schelklingen soll übrigens bald wieder eine Statue des Brückenheiligen Nepomuk stehen. Bauamtsleiter Schmid und Fachmann Erhardt besprachen den besten Standort. Immer wieder war auch Müll in der Ach zu sehen – Kai Autenrieth vom Bauhof notierte sich alles. Im Spätsommer, wenn die Ach wenig Wasser führt, soll das Flussbett entrümpelt werden. Doch der relativ leicht entfernbare Müll ist gar nicht das größte Problem der Ach – die Gewässerqualität bereitet Sorgen (siehe Infokasten). Maßnahmen sind geplant.

Die wegen Einsturzgefahr abgerissene Brücke am Freibad soll wieder aufgebaut werden, Bauamtsleiter Schmid entwickelt gerade Pläne. Sie soll auch für Autos befahrbar sein, so dass sie im Notfall auch vom Rettungswagen benutzt werden kann.

Demnächst Post im Briefkasten

Nach gut vier Stunden war der Gang entlang von Schmiech und Ach abgeschlossen. Das Ergebnis der Gewässerschau werden einige Privatleute in Schmiechen und Schelklingen demnächst in ihren Briefkästen finden: Eine Aufforderung der Stadt, einen Holzstapel oder gar ein Bauwerk zu entfernen oder zumindest etwas weiter weg vom Gewässer zu errichten.

Fachmann Erhardt verriet übrigens, dass er auch in seiner Freizeit nicht an einem Bach entlang gehen könne, ohne alles im Detail zu kommentieren. „Schluss, du hast Feierabend“, sage dann seine Frau zu ihm.

Schelklingen und Blaubeuren wollen Wasserqualität der Ach verbessern

Qualität Wegen der schlechten Wasserqualität der Ach hat es vor rund sechs Wochen eine Konferenz im Landratsamt in Ulm gegeben. Das war gestern bei der Gewässerschau in Schelklingen zu erfahren. Ein Wissenschaftler hatte den Fluss eingehend untersucht. Sein Fazit: Die schlechte Wasserqualität beruht offenbar auf mehreren Ursachen – diffuse Einträge wie Dünger aus der Landwirtschaft, Fischzucht, aber vor allem auch aus Wasser aus Regenüberlaufbecken, die in die Ach geleitet werden. Nach dem Schelklinger Freibad nimmt die Fließgeschwindigkeit des Gewässers ab, Sedimente lagern sich ab.

Maßnahmen Sowohl Blaubeuren (dort wird die Aach mit zwei „a“ geschrieben) als auch Schelklingen wollen auf ihren Gemarkungen den Fluss renaturieren. Dazu zählen die Einrichtung von Gewässerrandstreifen, Bepflanzungen und Maßnahmen, die die Fließgeschwindigkeit erhöhen sollen. Damit sollen Sedimente entfernt werden. In Schelklingen wird derzeit auch ein Gutachten erarbeitet, welche Schmutzfrachten die einzelnen Einleitungen wie Regenüberlaufbecken in die Ach bringen. Das Ganze soll dann optimiert werden, womöglich wird auch ein Regenüberlaufbecken neu gebaut werden müssen, um den Bedarf zu decken.