Obermarchtal Schlössle für die Zunft Narrenmolke Obermarchtal: 3200 Stunden Arbeit geleistet

Obermarchtal / DORIS MOSER 26.10.2015
Einst war die ehemalige Molke Treffpunkt für die Dorfjugend, jetzt dient das Gebäude wieder der Gemeinschaft und Kontaktpflege. Die Narrenzunft hat sich mit viel Engagement ein schmuckes Heim geschaffen.

"Eine Narrenstube hatten wir, nun ziehen wir in ein kleines Schlössle ein", freute sich Zunftmeister Reinhard Siegle voller Stolz, als am Freitagabend im Beisein von etwa 150 Gästen die neue Narrenmolke ihrer Bestimmung übergeben wurde und von Diakon Johannes Hänn den kirchlichen Segen erhielt. Mit dabei war im Zelt vor der Narrenmolke auch Ehrenzunftmeister Berthold Maichel mit seinen 93 Lenzen.

Das innen und außen grundlegend sanierte Gebäude bildet nun an der Hauptstraße einen optischen Blickfang. Wie berichtet, hat die Zunft nun Platz für Veranstaltungen und Sitzungen, eine Küche, eine Nähstube und Kleiderkammer sowie ein Büro und in einem neuen Anbau Toiletten. Auch der Außenbereich ist ansprechend gestaltet.

2013 hatte die Zunft die frühere Molke, die zeitweise auch als Musikerheim und Lager diente, von der benachbarten Familie Bowermann erworben, die mit einer Ratenzahlung des Kaufpreises einverstanden war und damit einen wichtigen Mosaikstein für das Projekt legte.

Seit Mitte 2014 wird in der Molke geschafft, die einst der Dorfjugend als Treffpunkt diente. Ein stattliches Pensum mit 3182,15 freiwilligen Arbeitsstunden bildet den Aktivposten bei der Finanzierung. Die vier "Oberschaffer" wurden am Freitagabend unter dem Beifall der Besucher ausgezeichnet. Bernhard Brugger ist Rekordhalter mit 630 Stunden, Hans-Peter Schänzle war 450 Stunden auf der Baustelle im Einsatz, Ralf Striegel schaffte 386 Stunden mit und Reinhold Krieg legte 318 Stunden Hand mit an.

"Dies ist ein Tag der Freude", sagte Bürgermeister Anton Buck und zollte dem Gemeinschaftswerk und dem enormen Einsatz Respekt und großes Lob. Für die 1922 gegründete Zunft sei ein so schmuckes Heim ein Jahrhundertereignis. Mit einigen Geschenken - unter anderem einer finanziellen Festgabe - gratulierte Buck namens der Gemeinde zum gelungenen Werk.

Der Vizevorsitzende der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte, Gerhard Fetscher, sowie der planende Architekt Uwe Seifert schlossen sich den guten Wünschen an und Diakon Johannes Hänn stellte eine Verbindung vom Alten Testament zur Fasnet her. In der Bibel stehe, dass die Menschen Gutes tun, aber auch das Leben genießen, feiern und tanzen sollen, was sich gut mit der närrischen Zeit vereinbaren lasse, sagte Hänn.

Vize-Zunftmeister Patrick Schnitzer ließ die Bauzeit mit Bildern und Textinformationen Revue passieren und informierte auch über die Finanzierung des Projektes. Zum Kaufpreis von 39 000 Euro, der in zehn Jahresraten bezahlt werden darf, kamen 55 000 Euro Baukosten, so dass mit einigen kleineren Posten 96 000 Euro Gesamtkosten zu Buche stehen. Finanziert wurde ohne Zuschüsse, die Zunft hat 33 800 Euro Eigenmittel eingebracht, den Rest finanzierte ein Kredit. Die jährliche Belastung in Höhe von 5300 Euro lässt sich laut Schnitzer stemmen. Dank der vielen Eigenleistungen, die mit 64 000 Euro veranschlagt sind, und dem Entgegenkommen von Handwerksbetrieben hat die Narrenmolke einen Wert von rund 170 000 Euro. Nach dem offiziellen Teil boten einige Gruppen der Obermarchtaler Fasnet närrisch angehauchte Unterhaltung. Die "Schnupfnudlaband" spielte.

Am Samstag wurde im Zelt vor der Narrenmolke weiter gefeiert und am Sonntag servierte die Zunft vielen Gästen Metzelsuppe. Die Schwäbischen Altbachmusikanten unterhielten und die Besucher hatten Gelegenheit, das Narrendomizil zu besichtigen. Alle waren voll des Lobes für das schön sanierte Haus.