Ehingen / Stuttgart / Simone Dürmuth  Uhr
Meike und Lars Schlecker müssen in Haft. Wo die beiden einsitzen werden, ist noch nicht klar, zumindest bei Meike Schlecker gibt es aber einen wahrscheinlichen Standort in Baden-Württemberg.

Wo die Schlecker-Kinder ins Gefängnis müssen, ist nicht bekannt. „Den genauen Ort kann ich nicht mitteilen“, erklärt Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Es gelte aber die Regel, dass sich der Haftort in der Nähe des Wohnorts befinde. Die Verurteilten könnten zwar beantragen woanders untergebracht zu werden, dafür bräuchte es aber „objektiv nachvollziehbare Gründe“, so Römhild.

Im April hatte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Landgerichts Stuttgart bestätigt, das Meike und Lars Schlecker zu je zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt hatte. Die beiden Kinder des früheren Drogerie-Königs Anton Schlecker waren gegen das Urteil zunächst vorgegangen.

Für Lars Schlecker (47) könnte das also eine der Justizvollzugsanstalten (JVAs) in Berlin sein. Auf seiner Website erläutert der Berliner Justizvollzug einige Regeln: Bargeld ist den Gefangenen zum Beispiel untersagt, alle Zahlungen müssen über ein Konto laufen, das bei der JVA angelegt wird. Auch Elektrogeräte sind verboten, sogar ein elektrischer Rasierer muss extra genehmigt werden. Verboten sind außerdem Handy, Spraydosen, Waffen, nicht verordnete Medikamente sowie Decken und Stofftiere. Pakete darf der Gefangene drei Mal im Jahr bekommen, muss das aber vorher beantragen.

Kommt Meike Schlecker in die JVA Gotteszell?

Da Meike Schlecker in London lebt, gelten für sie andere Regeln. „Ein Vollzug im Ausland ist nicht möglich“, erklärt Römhild. Daher gilt für sie, dass ein Haftort in der Nähe von Stuttgart gesucht wird, da dort das Verfahren gegen sie und ihre Familie stattgefunden hat. Das einzige Frauengefängnis in der Region ist die JVA Gotteszell in Schwäbisch Gmünd. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 45-Jährige dort ihre Haft antreten muss, ist also hoch.

Dabei ist auch dort der Platz knapp. Seit mehr als drei Jahren kämpft die Justiz in Baden-Württemberg mit Überbelegungen. Davon ist auch Gotteszell mit seinen gut 300 Plätzen betroffen, teilt ein Sprecher des Justizministeriums Baden-Württemberg mit. Seit dem Jahr 2016 habe in Baden-Württemberg die Zahl der Gefangenen um 13,5 Prozent auf 900 Zugenommen. Davon sei auch die JVA in Schwäbisch Gmünd betroffen. Das Justizministerium und die Justizvollzugsanstalten des Landes stellten aber sicher, dass alle aufzunehmenden Gefangenen untergebracht werden können.

Das Urteil ist bestätigt, aber was sagen die Menschen auf den Straßen in Ehingen dazu? Die SÜDWEST PRESSE hat sich umgehört.

Die Haftanstalt Gotteszell ist in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht, ein Teil der Gebäude steht unter Denkmalschutz. Im alten Flügel des Hauptgebäudes sind heute noch Gefangene untergebracht während der neue Flügel größtenteils als Bürofläche für die Verwaltung der Anstalt  dient. In einem früheren Bauernhaus auf dem Gelände sind heute die Kantine  und Sozialräume untergebracht. Die ehemalige Fruchtscheuer dient als Werkbetrieb in dem bis zu 60 Strafgefangene einer Arbeit nachgehen können.

So könnte für Meike Schlecker der Tagesablauf aussehen

Für die Gefangenen gilt ein strikter Tagesablauf: Nach dem Aufschluss der Hafträume am frühen Morgen wird überprüft, ob alle Inhaftierten anwesend und gesund sind. Danach kann gefrühstückt werden, das Essen wurde bereits am Abend zuvor verteilt. Anschließend werden die Frauen, die Arbeit haben, zu ihren Betrieben geführt „und verrichten dort ihre zugewiesene Arbeit unter Aufsicht eines Werkbediensteten“, wie es auf der Homepage der JVA Gotteszell heißt. Wer nicht zur Arbeit eingeteilt ist, wird für diese Zeit eingeschlossen.

Die Freizeit nach der Arbeit können die Gefangenen in einem engen Rahmen selbst gestalten, sie können sich unter anderem eine Stunde im Freien aufhalten. Außerdem wird benutzte gegen saubere Wäsche getauscht und das Abendessen und das Frühstück für den nächsten Tag verteilt, bevor am Abend wieder die Zellentüren verschlossen werden.

Strenge Regeln für Besucher in Gotteszell

Für Besucher gelten in Gotteszell ebenfalls strenge Regeln. So dürfen zum Beispiel höchstens drei Personen gleichzeitig zu Besuch kommen, wobei auch Kleinkinder mitgerechnet werden. Wie alt die Kinder von Meike Schlecker sind, ist nicht bekannt. Alle Besucher müssen sich durchsuchen lassen. Wenn sie sich weigern, werden sie abgewiesen. Geschenke oder frische Wäsche darf man den Gefangenen nicht mitbringen: Das Übergeben von Gegenständen ist grundsätzlich untersagt.

Wenn sich der Besuch verspätet, darf er nicht länger bleiben und wenn er gar nicht erscheint, wird die geplante Besuchszeit trotzdem vom Kontingent des Häftlings abgezogen. Und: Muss der Besucher während des Besuchs aufs Klo, darf er danach nicht mehr in den Besuchsraum. Der Besuch ist damit beendet.

Die Besuchszeiten sind Samstag und Sonntag von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Insgesamt darf ein Gefangener pro Monat drei Stunden Besuch empfangen. Für Kinder unter 14 Jahren werden vier Stunden zusätzlich gewährt.