Ehingen Schilddrüse: OP in manchem Fall unnötig

SWP 16.06.2014
Viele Fragen rund um die erkrankte Schilddrüse hat Experte Bernd Nasifoglu nach seinem Vortrag im Gesundheitsforum Ehingen beantwortet.

"Schilddrüsenerkrankungen - OP oder nicht", war kürzlich die Frage im Gesundheitsforum im Ehinger Gesundheitszentrum. Antworten hatte Bernd Nasifoglu, Sektionsleiter der Viszeralchirurgie am Kreiskrankenhaus Ehingen, für zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer, wie Daniela Rieker, Pressesprecherin der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, berichtet.

Durch Jodmangel kann ein hormonelles Ungleichgewicht im Körper entstehen, was zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führt, erklärte Nasifoglu. Die Symptome: Gewichtszunahme, Müdigkeit und Lustlosigkeit, aber auch der so genannte Kropf - die Vergrößerung der Schilddrüse. Autoimmunerkrankungen sind die häufigsten Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion. Dabei richten sich Antikörper gegen körpereigenes Schilddrüsengewebe, zerstören es und verursachen Entzündungen. Die Hormonproduktion ist dort stark eingeschränkt oder versiegt.

Wird im Gegenzug über den Bedarf hinaus Thyroxin an den Körper abgegeben, spricht man von einer Überfunktion. Herzrasen, innere Unruhe, Zittern und Abneigung gegen Wärme können da sein. Ursache können Erkrankungen und Entzündungen der Schilddrüse sein - ebenfalls Autoimmunreaktionen, bei denen Antikörper die Drüse zu einer ungehemmten Hormonausschüttung veranlasst. Beispiele sind die so genannten heißen Knoten oder der Morbus Basedow.

Nach einer umfassenden Diagnostik aus Anamnese, Labor, Ultraschall, Szintigramm stellt sich die Frage: Was muss operiert werden, was nicht? Wurden Entzündungen festgestellt, ist ein operativer Eingriff meist nicht nötig und eine medikamentöse Therapie absolut ausreichend. Jodtabletten können Jodmangel im Körper ausgleichen; die Radio-Jod-Therapie eignet sich bestens im Fall einer Überfunktion. Dabei nimmt der Patient eine geringe Menge an radioaktivem Jod zu sich, das nur in der Schilddrüse wirkt und dort krankhaft verändertes Gewebe zerstört.

Werden Knoten feststellt, muss im Einzelfall entschieden werden, ob ein operativer Eingriff die geeignete Therapie ist. "Watch and wait" - also abwarten und beobachten - kann hier das Motto sein. Kein Ermessen hingegen gibt es, wenn der Verdacht auf eine bösartige Veränderung sich bestätigt. Dank moderner Operationsverfahren wie etwa dem Neuromonitoring können selbst sensible Stimmbandnerven, die direkt im Operationsgebiet verlaufen, lokalisiert und kontrolliert werden. So ist eine Verletzungsgefahr nahezu ausgeschlossen. Am Ende seines Vortrages beantwortete Nasifoglu gerne zahlreiche Fragen.