Natur Schelklingen zum Blühen bringen

Christine Hepperle und Thomas Tolksdorf planen eine Blühaktion für Schelklingen.
Christine Hepperle und Thomas Tolksdorf planen eine Blühaktion für Schelklingen. © Foto: Raidt
Schelklingen / Bernhard Raidt 06.07.2018

Die Zahl der Insekten geht bundesweit dramatisch zurück. Auch die Vögel werden weniger. Die Nachrichten über das Insekten- und Vogelsterben haben viele aufgeschreckt – auch Thomas Tolksdorf aus Schelklingen. Der sehr aktive SPD-Stadtrat ist unter anderem Mitglied im Arbeitskreis des Biosphären-Infozentrums Hütten. Für diesen Arbeitskreis arbeitete er im Bündnis für Artenvielfalt mit, in dem sich Naturschützer aus der Region zusammengeschlossen haben. Das Ziel des Bündnisses: Wichtige Lebensräume für Vögel und Insekten nicht nur zu erhalten, sondern auch neu zu schaffen.

Ruckh begrüßt die Idee

Tolksdorf sah sich in der eigenen Stadt um – und suchte nach städtischen Flächen, die durch die Ansaat von Blüten wertvoller werden könnten. Außerdem sprach er mit Bürgermeister Ulrich Ruckh, der die Idee begrüßte. Ruckh wusste auch eine Expertin, die Tolksdorf unterstützen konnte: Christine Hepperle, die Flüchtlingsbetreuerin der Stadt Schelklingen, ist gelernte Diplom-Biologin und Garten-Liebhaberin. Gemeinsam mit Stadtbaumeister Markus Schmid fahndeten Hepperle und Tolksdorf nach Flächen, die aufgewertet und zum Blühen gebracht werden könnten. Es gibt dafür sogar ein nahes Vorbild: In Bad Saulgau (Kreis Sigmaringen) blüht es auf Verkehrsinseln und an den Straßenrändern, die kleine Stadt lag sogar beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt der Biodiversität“ ganz vorne. „Das sieht dort richtig klasse aus“, sagt Hepperle.

Auf einer Fläche bei der Heinrich-Kaim-Schule testeten Bauhof-Mitarbeiter zunächst, wie der Boden zu bearbeiten ist, um darauf eine Blumenwiese für die Insekten anzulegen. Doch es gab ein Handicap: Der Großhändler konnte die bestellte Mischung mit einheimischen Gräsern und Blumen nicht rechtzeitig liefern – offenbar auch, weil derzeit viele Kommunen ähnliche Vorhaben starten. Die Aussaat erfolgte zu spät, der Erfolg blieb aus.

Aufgeben wollen Tolksdorf, Hepperle und Schmid allerdings nicht: Im Herbst soll ein neuer Versuch mit der Aussaat an dieser Stelle gestartet werden. Außerdem werden weitere Flächen in Schelklingen und den Teilorten gesucht. Eine passende Fläche  liegt etwa in Justingen neben dem Feuerwehrhaus, Hepperle will dort in Absprache mit der Ortsverwaltung tätig werden – „aber erst im Oktober“, sagt sie. Nur im Frühjahr und Herbst ist die Aussaat sinnvoll. Übrigens hat auch die Tätigkeit Hepperles als Flüchtlingsbetreuerin etwas mit den Pflanzplänen zu tun. „Es ist von unserer Seite schon angedacht, dass einige der Flüchtlinge bei der Aktion mitmachen und etwa helfen, den Boden vorzubereiten.“

Lehrgarten als Motivation

Generell denkt Hepperle auch noch ein Stück weiter: Es könnte eine Art Lehrgarten angelegt werden, in dem gezeigt wird, wie eine attraktive Pflanzenwelt für Insekten und Vögel aussieht. „Da könnten kleine Schilder stehen, auf denen zu lesen ist, welche Pflanze das ist, und welchen Insekten oder Vögeln sie nützt“; sagt Hepperle. Das motiviere dann vielleicht mehr Leute, etwas Ähnliches zu beginnen.

Das Bewusstsein für das Problem sei bei den Bürgern vorhanden, sagt die Biologin. „Jeder Gartenbesitzer spürt ja irgendwann, dass er weniger Obst und Gemüse hat, weil die Insekten zum Bestäuben fehlen.“ Das Problem komme über kurz oder lang in jedem privaten Garten an.

Keine Kies- oder Steinflächen

Um die Vielfalt an Pflanzen für die Insekten und Vögel zu erhalten, plädiert Hepperle auch dafür, möglichst keine lediglich mit Kies oder Steinen bedeckte Flächen im Garten zu schaffen. „Das ist zwar pflegeleicht, aber lässt die Natur verarmen.“ Insgesamt habe sie aber schon das Gefühl, dass mehr Leute als früher für das Problem des Insektensterbens sensibilisiert seien.

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