Hochprozentiges Schaubrennerei eröffnet in Emeringen

Emeringen / CHRISTINA KIRSCH 10.10.2018
Elmar Mößlang eröffnet in Emeringen eine Schaubrennerei, in der er Obst, Heu und Rössle Bier zu Eigenkreationen verarbeitet.

„Wenn hier alle Fässer vor sich hin gären, habe ich ein richtiges Konzert“, sagt Elmar Mößlang im Lagerraum seiner Brennerei, die er kommendes Wochenende vorstellen wird. In den Gärspunden der Maischefässer blubbert es vor sich hin und für den Brennmeister ist das Musik in seinen Ohren. An jedem Fass hängt ein Zettel, wann die Maische angesetzt wurde, welches Obst vor sich hin gärt und von wo die Ernte stammt.

Brennkurs an der Uni Hohenheim

Sechs bis acht Wochen liegen die gemusten Zwetschgen, Äpfel, Birnen oder Reineclauden im Fass. „Man darf nur einwandfreie Früchte nehmen“, sagt Mößlang, der einen Brennkurs an der Uni Hohenheim absolviert hat, bevor er in Emeringen die Schaubrennerei aufbaute. Hauptberuflich arbeitet er im Vertrieb eines Unternehmens.

Das vollreife Obst wird entstielt, gewaschen, in das Fass eingeschlagen und mit einem „Muser“ – einer Art Quirl – zerkleinert. Dann heißt es: Blubbern lassen und warten, bis die Blubberei aufhört.

Als 2017 das staatliche Branntweinmonopol wegfiel, beschäftigte sich Mößlang mit der Idee einer eigenen Brennerei. Das Obst wächst im Garten und der leere Stall bot sich als Räumlichkeit an. Der Hofinhaber brennt sein eigenes Obst und das angelieferte von 15 Stoffbesitzern. „Stoffbesitzer“ sind Personen mit einem jährlichen Brennkontingent von 50 Litern reinen Alkohols, die kein eigenes Brenngerät haben, sondern ihr selbsterzeugtes Obst in einer fremden Abfindungsbrennerei brennen lassen.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 29.000 Abfindungsbrennereien, in Baden-Württemberg etwa 1500. „Das Brennen hat sich irgendwie angeboten“, sagt Mößlang, dessen Vater Franz auf den Emeringer Hof eingeheiratet hat. „Der hat damals hier die Obstbäume geschnitten und sich in meine Mutter verguckt.“ Der Vater lebt nicht mehr, aber die 86-jährige Mutter treibt immer noch die Emeringer Wirtschaft „Traube“ um, die ebenfalls zu Mößlangs Anwesen gehört.

Jährlich 50 Liter reinen Alkohol

Heute steht die nächste Generation Obstbäume im Garten. Die 24 Hochstämme von Mößlang warfen dieses Jahr eine gute Ernte ab. „Die kann allerdings am Wochenende noch nicht verkostet werden.“ Das meiste Obst, wie die Reineclaude, gärt noch. „Auch Äpfel sind noch nicht eingemaischt und die Birnen hängen noch am Baum“, sagt der Brenner weiter.

Mößlang hat ein Brennrecht gekauft und darf jährlich 50 Liter reinen Alkohol erzeugen. Für jeden Liter bezahlt er an den Staat rund 10 Euro Steuer. Sobald die Maische nicht mehr blubbert, wird sie in eine Brennblase gepumpt. Die kupferne Brennblase fasst 150 Liter. Der Alkohol verdampft unter Hitzezufuhr, steigt auf und kommt über das Geistrohr in den Kühler. Über das Destillieren entsteht ein 75-prozentiger Alkohol, der kühl lagert und mit Wasser verschnitten wird. Ein Alkoholbrand muss letztlich zwischen 38 und 42 Prozent Alkohol haben, was auf jeder Verkaufsflasche auch vermerkt ist. Was übrig bleibt, ist die Schlempe, die der Hofbesitzer auf Acker, Wiese und Misthaufen verteilt.

Die Kunst beim Brennen ist unter anderem das Timing, die Sauberkeit, die Konsistenz der Maische oder auch das Abtrennen von Vorlauf und Nachlauf. Ein Raum des ehemaligen Schweinestalls ist Elmar Mößlangs Labor, in dem er experimentiert und Spezialitäten ausprobiert. Liköre aus Trauben und Johannisbeeren stehen im Versuch. Ebenso der Heugeist, ein Destillat aus in Alkohol eingelegtem Heu, entstand „aus Spaß an der Freud‘“, sagt der Brennmeister.

Lust am Experimentieren

Ein großes Geheimnis ist auch der Kräutergeist, in dem sich 40 Kräuter miteinander verbinden. Für seine Spezialitäten wie den Likör aus der Kornelkirsche oder Schlehen geht Elmar Mößlang an die Emeringer Waldränder zum Pflücken. Solche Spezialitäten lohnten sich wegen des hohen Aufwands jedoch kaum. Das alles verdeutlicht die Experimentierlust von Mößlang – genauso wie die Tatsache, dass er Haselnüsse in Alkohol einlegt, um Haselnussgeist zu gewinnen.

Momentan stehen vier Brände und fünf Geiste im Probierregal. Auch ein Bierbrand fällt ins Auge. „Da hole ich die fünf Prozent Alkohol aus dem Rössle-Bier heraus“, erzählt Mößlang, dessen Nichte Miriam den Chef des „Rössle Brauerei“, Julius Buckenmaier, geheiratet hat.

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Brände, Schmuck und Dekoration

Eröffnung Die Brennerei ist am kommenden Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Ab 2019 werden regelmäßig Schaubrände angeboten. Das Projekt ist aus Leader-Mitteln gefördert und beinhaltet auch eine Elektrotankstelle im Hof vor der Brennerei. Ebenfalls geöffnet ist die daneben liegende Schmuckwerkstatt von Elisabeth Mößlang, die neben ihrem Schmuck auch besondere Steine und Perlen zeigt. Drucksachen und Dekoartikel aus Holz runden die Ausstellung mit Brennereieröffnung ab.

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