Ausstellung Schätze im Kleinformat

Hermann Branz vom Arbeitskreis Museum und Geschichte Obermarchtal lädt zur Ausstellung „Obermarchtal im Postkartenformat“ in den Dorfgemeinschaftsraum ein.
Hermann Branz vom Arbeitskreis Museum und Geschichte Obermarchtal lädt zur Ausstellung „Obermarchtal im Postkartenformat“ in den Dorfgemeinschaftsraum ein. © Foto: Maria Bloching
Maria Bloching 13.04.2018

Im Handyzeitalter haben Ansichtskarten ihre Bedeutung längst verloren. Leider. Für Reisende war es früher selbstverständlich, einen Kartengruß aus Wallfahrtsorten oder Garnisonsstädten zu verschicken und für Daheimgebliebene gab es nichts Schöneres, als aus der Ferne ein Lebenszeichen zu erhalten.

Bereits 1870 wurden diese „offenen Postsendungen“ eingeführt, sagt Hermann Branz vom Arbeitskreis Museum und Geschichte in Obermarchtal. Der Höhepunkt der Herstellung und Verteilung war um 1900 zu verzeichnen. In Deutschland waren es zu dieser Zeit rund 90 Millionen Karten, die hergestellt, verschickt und natürlich auch leidenschaftlich gesammelt wurden. Es durfte nur die Bildseite beschrieben werden, da die Rückseite postalischen Belangen vorbehalten blieb. Erst 1906 wurde diese Vorschrift aufgehoben. Branz kann darüber viel erzählen: Viele der hundert Postkarten, die von Sonntag an in der neuen Ausstellung zu sehen sind, wurden von ihm zusammengetragen oder stammen aus der Sammlung des Museums. Der größte Teil aber wurde ihm von Hans Beck überlassen, dessen Urgroßvater Maurus Beck von 1871 bis 1898 Rentkammerdirektor in Obermarchtal war. In der Ausstellung sind auch Fotografien von ihm und seiner Frau Mathilde, von seinem Grabstein und dem Gedenkstein zu sehen, der sich heute noch in der Friedhofsmauer befindet.

Die Fürstliche Rentkammer Obermarchtal hatte damals die Aufsicht über 40 Schulen im Thurn und Taxischen Gebiet. „Die älteren Obermarchtaler wissen noch, dass der Fürst von Thurn und Taxis Patronatsherr von Obermarchtal war und über die Bestellung des Pfarrers entscheiden durfte. Dieses Wissen ist bei der jüngeren Generation leider verloren gegangen“, erfährt man von Hermann Branz.

Reise in die Vergangenheit

Der Besuch der Ausstellung ist eine Reise in die Vergangenheit von Obermarchtal. Alte Ansichten auf Postkarten vermitteln Kenntnisse von Gebäuden, die in den 1950er und 1960er Jahren verschandelt oder abgebrochen wurden: „Das macht eine solche Postkartensammlung wertvoll“, sagt Branz. Ob schwarzweiß oder farbig – viele Karten zeigen natürlich die Klosteranlage von Obermarchtal. Aber auch vom Soldatenfriedhof, vom Marchtaler Hof oder vom ganzen Ort aus der Luftperspektive gibt es sehenswerte Aufnahmen, die nach dem Jahr, in dem sie gelaufen sind, von Branz geordnet wurden.

Mehrere Luftaufnahmen von Obermarchtal ab dem Jahr 1926 bis 2000 zeigen deutlich auf, wie sich der Ort im Laufe der Zeit weiterentwickelt und vergrößert hat. In die Ausstellung wurden auch alte Stiche, Lagepläne und Aquarelle aufgenommen, die älteste Ansicht der Klosteranlage mit der im Jahr 1239 erbauten Klosterkirche ist auf dem im Jahr 1665 erstellten Silbernen Tiberiusaltar zu sehen. Zwar ist dieser Altar nicht mehr vorhanden, dafür gibt es aber noch den Kupferstich von 1673.

Am kommenden Sonntag, 15. April wird die Ausstellung um 14 Uhr im Dorfgemeinschaftsraum eröffnet. Auch am Sonntag, 22. April, kann sie von 13 bis 17 Uhr besucht werden.