Innenstadt Munderkingen: Sanierung der Kernstadt

Der Martinsbrunnen soll durch die Kernstadtsanierung ins Licht gerückt werden. Die Sanierung beginnt 2019.
Der Martinsbrunnen soll durch die Kernstadtsanierung ins Licht gerückt werden. Die Sanierung beginnt 2019. © Foto: Maria Bloching
Munderkingen / MARIA BLOCHING 03.08.2018
Vor drei Jahren wurde die Munderkinger Marktstraße saniert. Nun beschloss der Gemeinderat eine Fortsetzung vom Rathaus bis zum Martinsbrunnen.

„Wir wollen aus der Kurve raus in die Zielgerade“, hob Bürgermeister Dr. Michael Lohner die Dringlichkeit der weiteren Sanierung der Kernstadt hervor. Die Maßnahmen rund um den Marktbrunnen seien sehr gelungen, daran wolle man nun anknüpfen mit dem Ziel, „keine Klappercity“ zu sein.

Der Grundgedanke, attraktive Häuser und Plätze, einen attraktiven öffentlichen Raum zu schaffen, soll zu neuen Investitionen anregen. Doch man könne eben nur bauen, was der Geldbeutel hergebe und man müsse sehen, wie es dann nach den mageren Jahren 2019/2020 weitergehe. Denn schon im September will die Stadt Munderkingen in die Ausschreibung gehen, im Frühjahr 2019 soll dann Baubeginn und im Oktober Fertigstellung sein.

Die Kosten für den Straßenbau werden mit gut einer Million Euro veranschlagt, das sind rund 226.000 Euro mehr als im Januar geplant. Die Kosten für die gesamte Kernstadtsanierung, die auf viele Jahre ausgelegt ist, belaufen sich auf rund 4,1 Mio. Euro.

Spanischer Granit

Vorgesehen ist nun die Weiterführung des Platzcharakters durch spanischen Granit vom Marktplatz bis zum Martinsbrunnen, niveaugleich ohne Bordstein. Fahrbahn und Fußgängerbereich werden nicht getrennt, alle Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt. „Das wird eine Umstellung geben“, räumte Bernd Burgetsmeier, Sachverständiger für Pflasterverlegung, ein. Aufgrund der Verkehrsbelastungen sowie dem Straßenverlauf ist in den Kurvenbereichen am Rathaus und am Martinsbrunnen keine ungebundene Bauweise wie im Bereich Marktplatz und Markstraße möglich, so dass in diesen Bereichen auf einer Fläche von 650 Quadratmetern – das ist etwa die Hälfte der Gesamtfläche – die spanischen Granitsteine in einem Zementmörtelbett in gebundener Bauweise verlegt werden müssen.

Das Verlegen der vorhandenen Pflastersteine aus den 1970er Jahren scheidet aus, weil diese mit dem tatsächlichen Steinmaß von 9 bis 12 Zentimetern nicht den Vorgaben der Mindeststärke entsprechen. Laut Burgetsmeier ist das Pflaster nicht eben und erfüllt somit auch nicht die Voraussetzungen für Barrierefreiheit.

„Schließlich haben wir den Ehrgeiz, keine Stadt mit „Klapperpflaster“ zu sein“, betonte Bürgermeister Lohner. Die Marktstraße hätte jetzt Hand und Fuß: „Da wackelt nichts“. Und dieser Anspruch müsse bleiben.

Martin Speth vom Ingenieur-Büro Langenbach informierte über den Ablauf dieses zweiten Bauabschnitts der Kernstadtsanierung und sprach von einer Herausforderung, die Kanalanschlüsse konzeptionell vorzubereiten und mittendrin mit dem Bauen anzufangen. In der ersten Bauphase sollen in den Kalenderwochen 34 bis 36 im kommenden Jahr der Drainasphalt eingebracht und Pflaster in ungebundener Bauweise verlegt werden. Während der dreiwöchigen Bauzeit haben die Fußgänger freien Zugang. Etwa sieben Wochen dauert das Verlegen des gebundenen Pflasters, hierfür sind die Kalenderwochen 37 bis 42 vorgesehen.

Es soll eine großzügige Umleitung eingerichtet werden, allerdings ist den Akteuren und auch dem Gemeinderat bewusst, dass „eine Baustelle vor dem Haus kein Spaß“ ist, wie es Bernd Burgetsmeier ausdrückte. „Es wird sicher bei einigen Geschäften während der Bauzeit Einbußen geben“, räumte Speth auf Anfrage von Waldemar Schalt ein.

Mit Hilfsbrücken zu erreichen

Manche Gebäude werden nur mit Hilfsbrücken erreichbar sein, weil man insgesamt mit dem Straßenniveau nach oben geht. „So dass die Entwässerung funktioniert, aber kein Wasser in die Geschäfte läuft“, informierte Bauamtsleiter Roland Kuch.

Bürgermeister Lohner versprach, die Maßnahmen mit Anwohnern und Geschäftsleuten zu planen und abzuklären, wer welchen Zugang zu welchen Zeiten brauche. „Wir haben gute Erfahrungen mit der letzten Bauphase gemacht. Da hat es funktioniert“.

Insgesamt soll es eine gestalterische Verbindung der drei Brunnenplätze mit Marktbrunnen, Martinsbrunnen und Marienbrunnen geben, die Gestaltung aller drei Plätze jedoch muss nicht identisch sein. Hier greift das Beleuchtungskonzept von Matthias Wilcken-Frey vom Lichtplanungsbüro Vogt & Partner, der zwei Varianten für den Martinsplatz vorschlug. Bei Variante eins steht der Platz im Vordergrund, das Brunnenbecken wird mit blauem Licht sanft illuminiert und die Martin-Figur explizit von vorn beleuchtet. Wandleuchten an Häusern spenden Licht, zwei Häuser sollen angeleuchtet werden. Für die Martinstraße sind drei Pendelleuchten vorgesehen.

Bei Variante zwei liegt der Schwerpunkt auf dem Brunnen mit blau schimmerndem Wasser und auf den Boden projizierten Botschaften, die mit Sankt Martin zu tun haben.

Ein Alleinstellungsmerkmal

Monika Veser begrüßte die Idee, jeden der drei Brunnen anders darzustellen und auch Erich Pöschl sah in Variante zwei eine Möglichkeit, den Platz charakteristisch aufzuwerten und ein Alleinstellungsmerkmal zu erhalten.

Simone Bertsche tendierte zur ersten Option, um den Martinsbrunnen hervorzuheben und Ernst Fundel sprach sich dafür aus, alle Brunnen gleich zu gestalten. „Im ersten Schritt ist die Gestaltung rund um den Marktbrunnen gut gelungen, nun muss man die Gesamtmaßnahme im Blick haben“, machte Städteplanerin Stefanie Burg deutlich. Man wolle nicht nur gestalterisch eine bessere Situation schaffen, sondern auch im Blick auf Barrierefreiheit und auf eine sinnvolle Verkehrsberuhigung. „Fußgänger können sich freier bewegen und finden eine geschützte Zone im Randbereich. Wir müssen mit der Gestaltung die drei Renaissancebrunnen hervorheben.“

Der Straßen- und Tiefbauplanung stimmte der Gemeinderat zu. Für eine Variante bei der Beleuchtung konnte sich das Gremium noch nicht entscheiden.

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