Ehingen Sagenhafte Baumgestalt: Ziegelhoflinde ziert Kalenderblatt

Ehingen / ANDREAS HACKER 27.05.2013
Im Juni wird sie zum Kalenderblatt: Die Ziegelhoflinde in Ehingen ziert dann einen Monat lang als "sagenhafte Baumgestalt" deutsche Wohnzimmer und Büros. Und die Stadt kümmert sich um Nachwuchs.

Richtig schön ist sie nicht mehr. "Ein Torso", sagt Ehingens Baumpfleger Rüdiger Lesehr. "Man weiß, dass das ein sterbender Baum ist, der aber noch gut 50 Jahre leben kann." Und der den Betrachter in seinen Bann zieht, je näher er der mehr als 600 Jahre alten Linde kommt, denn auf den ersten Blick von weiter weg wirkt sie ziemlich gestutzt: Ein Sturm hat im Sommer vergangenen Jahres einen Teil der Baumkrone so stark beschädigt, dass die Stadt die Linde regelrecht sanieren musste: Krone und Seitenäste wurden gekürzt und beide Hauptäste mit einem Gerüst gestützt, das Bauhof und Stadtgärtnerei selbst konstruiert haben. "Das sieht zwar etwas monströs aus, aber es funktioniert und war auch noch preiswert", sagt Lesehr.

Weil die Stadt weiß, wie es um die Ziegelhoflinde steht, hat sie sich bei der Baumsanierung auch um Nachwuchs bemüht. "Ein Baum, der so alt wird", sagt Lesehr, "der hat vermutlich ein außergewöhnliches genetisches Potenzial." Um dieses zu erhalten, wurde damit begonnen, Ableger zu ziehen, die jetzt in der Baumschule Schmid groß gezogen werden. Unterstützt wird die Stadt dabei von Peter Klug, der für Ehingen immer wieder auch mal als Gutachter tätig ist. In Klugs Arbus Verlag in Bad Boll ist auch der Kalender "Sagenhafte Baumgestalten 2013" erschienen, auf dem die Ziegelhoflinde jetzt das Juni-Blatt ziert. Das Foto zeigt den gewaltigen Stamm der auch im Deutschen Baumarchiv erfassten Linde, die mit einem Stammumfang von 9,45 Meter als die stärkste Linde der Schwäbischen Alb gilt.

Die Ziegelhoflinde erfährt immer wieder überregionale Aufmerksamkeit. Im Sommer 2012 war der Baum am Wanderweg von Jäger- und Ziegelhof hinauf in Richtung Stoffelberg in der Bausparzeitschrift "Das Haus" gewürdigt worden. Ganz intensiv damit befasst hat sich der junge Schweizer Grafiker und Baumforscher Michel Brunner, der bei den Arbeiten für sein Buch über bedeutende Linden auf Ehingen aufmerksam geworden ist. "Wir staunen nicht schlecht, als wir den mächtigen Stamm mit seinem verwilderten Hohlraum sehen", schreibt er in dem 2007 erschienenen Buch. Brunner erinnert daran, dass die Ziegelhoflinde schon im "Schwäbischen Baumbuch" der königlich württembergischen Forstdirektion von 1911 beschrieben wird, und er erinnert an Geschichten, die sich um den Baum ranken: von Blitzschlägen, die er überstanden hat, und von kaiserlichen Soldaten, die beim Manöver 1912 darin Verstecken gespielt haben sollen.

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