Ehingen Rückblick: Was vor 25 und vor 50 Jahren rund um Ehingen geschah

Vor 25 Jahren: Vor dem Rathaus stand ein großer Schneemann.
Vor 25 Jahren: Vor dem Rathaus stand ein großer Schneemann. © Foto: Archiv
JB 08.01.2015
Vor 25 Jahren berichtete die Zeitung über den Schnee und das fehlende Eis auf dem Groggensee. Vor 50 Jahren ging es um die Änderung der Bauordnung und die Schülerzahlen an der Landwirtschaftsschule.

Vor 25 Jahren

Nicht nur Weihrauch, sondern auch Schnee brachten die Heiligen Drei Könige im Januar 1990: In der Nacht auf den Dreikönigstag habe es zum ersten Mal im Winter richtig geschneit. Wie die Zeitung berichtete, wurde eine 13 Zentimeter dicke Schneeschicht gemessen. Für die Kinder habe es kein Halten mehr gegeben: Die Schlitten wurden ausgepackt und auf dem Marktplatz, vor dem Rathaus, bauten Eifrige einen großen Schneemann.

Nur wenige Tage zuvor hatte sich die Zeitung mit dem Thema Schlittschuhlaufen auseinandergesetzt: Die frühlingswarmen Tage hätten das Eis auf dem Groggensee wieder auftauen lassen, berichtete die Zeitung. Die Schlittschuhläufer stünden im Grünen und machten lange Gesichter. Dabei sei der Eislauf ein alter Ehinger Volkssport: Bereits 120 Jahre zuvor habe sich das Volk auf einer glatten Fläche am rechten Ufer der Schmiech getummelt. Eisfeste mit bengalischer Beleuchtung, Musik und Feuerwerk seien einst gefeiert worden. Der älteste auffindbare Nachweis über den Eislauf in Ehingen sei eine Anzeige von 1879, in der der Schlittschuhclub Ehingen Mitglieder für seinen Verein suchte.

Zwischen Ehingen und Biberach verlegt die Post Breitbandkabel. Damit eröffne sich für die Bewohner der Orte in der "Pfarrei" die Möglichkeit, alsbald die Programme des Kabelfernsehens zu empfangen, wurde berichtet. Allerdings müsse mit deutlich höheren Kosten als üblich gerechnet werden, denn die Post verlange zusätzlich zur Standard-Anschlussgebühr einen so genannten Baukostenzuschuss.

In der Rinderzucht sei die Haltung von Vatertieren für viele Gemeinden zu einem Problem geworden, berichtete die Zeitung. Die künstliche Besamung sei immer verbreiteter. In vielen Orten hätten die Farren bereits den Gang zum Metzger antreten müssen, die Farrenställe rentierten sich nicht mehr. In Justingen standen noch drei Tiere im Farrenstall. Sie sollten noch einige Monate bleiben, dann würden auch sie nicht mehr gebraucht werden. Allein in Justingen würden bereits 250 Tiere künstlich befruchtet.

Ein Einbrecher war in das Vereinsheim der SG Dettingen eingestiegen. Er hatte es offenbar auf den Fernseher abgesehen; sowohl das Gerät als auch die Fernbedienung waren verschwunden. Außerdem hatte der Dieb bei den Süßigkeiten zugegriffen, die der Verein in einer gläsernen Vitrine aufbewahrt hatte.

Vor 50 Jahren

Mit dem Beginn des Jahres 1965 war in Baden-Württemberg eine neue Bauordnung in Kraft getreten. Sie löste die Württembergische Bauordnung von 1910 ab. Um den Bewohnern die Plage des Kohlen- oder Ölkannenschleppens zu ersparen, aber auch, um eine Vielzahl von möglichen Brandherden zu vermeiden, müssten Gebäude mit mehr als fünf Vollgeschossen entweder zentral oder mit Gas beheizt oder mit Fernwärme versorgt werden, hieß es darin etwa. Auch Spielflächen für Kinder müssten bei Neubauten berücksichtigt werden.

Die Landwirtschaftsschulen in Baden-Württemberg, die in den Vorjahren immer wieder über sinkende Schülerzahlen geklagt hatten, konnten aufatmen. Der Tiefstand sei nun überwunden, hieß es. In der Landwirtschaftsschule Ehingen wurden im Winter 1965 insgesamt 51 Schüler unterrichtet. Dem Oberkurs gehörten 16 Schüler an (Vorjahr 13), dem Unterkurs 18 junge Leute (Vorjahre 16) und der Mädchenabteilung 17 Schülerinnen (Vorjahre 15).

Auf den Lutherischen Bergen kam es zu einem Unfall zwischen einem Auto und einem Personenschlitten. Der Schlitten sei nicht beleuchtet gewesen, das Auto habe auf der schneeglatten Straße zwischen Grötzingen und Tiefenhülen ausweichen müssen und sei deshalb gegen einen Telefonmasten geprallt, berichtete die Zeitung. Dem Führer des Schlittens sei eine Blutprobe entnommen worden.

Eine Trikotwarenfabrik, die auch in Rottenacker ein Werk betrieb, suchte per Zeitungsanzeige "Mädchen und Frauen, die das Nähen lernen wollen". Man biete einen sicheren, guten Arbeitsplatz und eine saubere, leichte Arbeit, "die dem fraulichen Wesen entspricht".

In der Rubrik "Ehinger Wochenmarkt" hieß es, dass kaum eine Handvoll Stände auf dem Marktplatz gezählt werden habe können. Die Kunden trafen auf einen Gemüsestand, einen Stand mit Butter und Käse, einen Gewürzhändler und die Eierhändlerinnen, die unverdrossen hinter ihren Tischen gestanden hätten. Die Eier seien mit 20 bis 23 Pfennigen pro Stück günstiger geworden, Gemüse dagegen teurer.

Die Zeitung befasste sich mit der Frage, was es mit Ehinger Flurnamen auf sich hatte. Die Bezeichnung "Am Wenzelstein" etwa sei schon sehr alt und bereits im 14. Jahrhundert verwendet worden. Vermutlich sei sie auf den Personennamen Wenzel zurückzuführen. Später sei "von Wenzelstein" auch als Adelsprädikat geführt worden. Dass Ehingen bei der Erschließung von neuem Baugelände die zum Teil uralten Ehinger Flurnamen verwende, "ist ein erfreulicher Beweis für die Verbundenheit mit der Vergangenheit", meinte der Autor.