Industrieprojekt Riesige Baustelle in Schelklingen

Schelklingen / Bernhard Raidt 15.12.2018

Es ist eine Baustelle, wie sie selten zu finden ist: Für mehr als 100 Millionen Euro modernisiert Heidelberg Cement gerade das Werk in Schelklingen. „Wir bauen hier das modernste Werk Europas“, sagt Werksleiter Stephan Wehning. Die Arbeiten sind weit fortgeschritten. Die Anlage stehe kurz vor der Kalt-Inbetriebnahme, berichtete Wehning in der vergangenen Woche. Unter Kalt-Inbetriebnahme verstehen Techniker die Prüfung aller Antriebe und Mess-Stellen auf ihre Funktion.

Mancher wird sich über das Wort „kalt“ wundern – denn schon seit geraumer Zeit strömt Rauch aus dem 142 Meter hohen Kamin der neuen Anlage. Doch das ist Rauch aus dem alten Zementwerksofen, der bereits über den neuen Kamin abgeleitet wird. Im März oder April soll die Warm-Inbetriebnahme folgen, die in die Produktion übergeht. „Wir sind dicht vor dem Ziel“, sagt Wehning. Als Werksdirektor ist für ihn vor allem eines wichtig: Wann der erste Klinker – das Ausgangsprodukt des Zements – die neue Anlage verlässt.

Klinker auf Vorrat

Doch momentan produzieren die Mitarbeiter des Schelklinger Werks Klinker auf Vorrat. Denn Anfang kommenden Jahres ruht die Produktion des Schelklinger Werks zwei Monate lang komplett. Grund ist ebenfalls die Modernisierung: Denn von der neuen Ofenanlage muss ein Klinker-Transportsystem zu den bereits vorhanden Lagersilos gebaut werden. Dieses Transportsystem führt mitten durch die alte Ofenanlage. Sie wird auseinandergerissen und dadurch funktionsunfähig. Später, wenn die neue Anlage in Betrieb ist, wird die alte Anlage dann abgerissen.

Aber von wegen „neue Ofenanlage“ – für einen Laien sieht auch der neue Ofen ganz schön alt aus: Nämlich wie eine riesige, rostige Metallröhre. Ein Fachmann wie Stephan Wehning grinst, wenn er auf den Rost angesprochen wird: „Weltweit gibt es keinen einzigen Zementofen, der lackiert ist“, sagt er. Ein Lack würde die enormen Temperaturen – in Zementöfen wird es bis zu 1450 Grad heiß – nicht lange aushalten. Im Gegenteil, Rost wird auch als eine Art natürliche Schutzschicht der Ofenröhre betrachtet. Der neue Ofen ist übrigens 65 Meter lang und damit rund 15 Meter kürzer als der alte. Eine neue Belüftungstechnik macht es möglich.

Turbulentes Hin und Her

Es herrscht ein turbulentes Hin und Her auf der Baustelle. 500 Arbeiter reißen mit mächtigen Maschinen alte Anlagen ab und bauen die neuen auf. Aus ganz Europa kommen die Fachleute, miteinander gesprochen wird auf Englisch. Es gibt einen Gesamt-Bauleiter und Bauleiter für die einzelnen Gewerke. Ein Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordinator überwacht permanent die Arbeiten. Noch immer ist im Zementwerk aber auch noch die Trauer über den Tod von zwei Bauarbeitern aus Polen zu spüren. Sie waren im Herbst gestorben, als in einem Silo in 40 Meter Höhe ein Gerüst zusammenbrach. Die Ermittlungen zum Unfall laufen noch immer, berichtet Wehning. Der Bericht des Gutachters liege noch nicht abschließend vor. Wehning berichtet, dass die Betriebsfeuerwehr sofort an der Unfallstelle war. Notfall-Seelsorger und Psychologen waren dann später ebenfalls im Einsatz.

Die Arbeiten am Werk gehen aber weiter – und sie betreffen viele weitere Bereiche. Etwa auch die Versorgung mit dem Ersatzbrennstoff, wie der in Kleinteile geschredderte Gewerbemüll genannt wird. Gelagert wird dieser Hauptbrennstoff des Werks nun in einer Halle nicht weit vom neuen Ofen.

Wichtig: Energie-Einsparung

Extra konstruierte Förderbänder werden von einer Spezialfirma aus Frankreich gerade aufgebaut. Das Material wird dabei in Röhren auf einem Luftstrom zur Verbrennung in den Ofen transportiert – das spart Energie. Energie-Einsparung und das Vermeiden von Schadstoffen sind auch die wichtigsten Ziele der Umbauarbeiten. Zentraler Baustein ist dabei der neue Gigant von Schelk­lingen – der 140 Meter hohe Wärmetauscherturm des Zementwerks. Derzeit wird ein Aufzug eingebaut, der einen schnell nach oben an die Spitze  bringt. Der alte Wärmetauscherturm daneben wirkt trotz seiner 70 Meter Höhe klein. Er wird, obwohl er bald außer Betrieb genommen wird, noch nicht so schnell abgerissen werden. Es sei noch sehr viel Elektrik in ihm verbaut, die noch benötigt werde, berichtet Werksleiter Wehning.

65

Meter lang ist der neue Zementofen des Werks in Schelklingen. Er ist damit kürzer als der alte Ofen, neue Technik macht es möglich. Der alte Ofen wird übrigens bald stillgelegt.

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