Ehingen / JULIA-MARIA BAMMES  Uhr
Am Donnerstag wurden am Turm von St. Blasius die Sturmschäden behoben. Die Arbeiten offenbarten, dass einige Dachlatten morsch sind. Auch die Sanierung an der Liebfrauenkirche könnte schwierig werden.

Für Edwin Maucher wäre es kein schönes Abschiedsgeschenk gewesen. Am Donnerstagmittag wurde der Kirchenpfleger, der am Donnerstag in die passive Phase der Altersteilzeit geht, mit einer Nachricht konfrontiert, die zunächst recht dramatisch klang: Das Holz der Turmhaube von St. Blasius sei morsch.

Das hatten die Arbeiter entdeckt, die mit einer großen Hub-Arbeitsbühne die Schäden behoben, die der heftige Sturm am Sonntag angerichtet hatte. Nachdem Edwin Maucher auf dem Kirchhof eingetroffen war, wurde jedoch rasch klar, dass es nicht so schlimm ist wie zunächst befürchtet. Unterhalb eines Grates der Turmhaube, auf einer Länge von etwa 4,5 Metern und einer Breite von etwa einem Meter, seien die Dachlatten morsch, erläuterte Markus Dobrzanski von der Ehinger Firma Dachbau Mühlen. Er hatte das Holz in Augenschein genommen. Die Latten könne man zusammendrücken, "das ist wie Butter". Die Dachbalken hätten aber offenbar keinen Schaden genommen.

Das morsche Holz soll so schnell wie möglich ausgetauscht werden. Wie Edwin Maucher sagte, solle auch wieder eine Unterspannbahn eingebaut werden, die das Gebälk schützt. Das heißt, dass die Spezial-Hub-Arbeitsbühne noch ein weiteres Mal zum Einsatz kommen wird.

Am Morgen hatte Thomas Gressmann die Arbeitsbühne der Ulmer Firma Schirmer auf den Kirchhof gefahren. 33 Tonnen wiege das Fahrzeug, sagte Gressmann, der Arbeitskorb könne auf eine Höhe von 70 Metern gebracht werden. Um die Schäden zu beheben, mussten Gressmann und zwei Mitarbeiter von Dachbau Mühlen auf eine Höhe von fast 60 Metern. Von dem Arbeitskorb aus konnten die Dachdecker reparieren; die neuen Grat-Ziegel wurden mit 18 Zentimeter langen Schrauben befestigt, berichtete Kirchenpfleger Peter Hecht, der Nachfolger Edwin Mauchers.

Wie berichtet, hatte der Sturm am Sonntag an St. Blasius etliche Gratziegel aus der Verankerung gerissen. Die Ziegel waren an den Kanten, den Graten, des steilen Turmdachs mit Draht angebunden. Von innen sind die Ziegel nicht zu erreichen. Wie Maucher nach dem Unwetter sagte, koste allein der Einsatz des Krans 5000 Euro. Der Kirchenpfleger rechnete aber damit, dass die Versicherung einspringt.

Restauriert werden müssen außerdem die hohen Türen des so genannten Ölbergs. Die kunstvoll gearbeiteten Türen des Schreins, der zur Osterzeit geöffnet wird, haben etliche tiefe Schrammen abbekommen. Der Sturm hatte die Ziegel von der Kirche mit solcher Wucht über den Kirchhof geschleudert, dass sie am Ölberg zerschellten. Kleine, rote Ziegelstücke lagen gestern noch am Fuß des Schreins. Da ein Restaurator beauftragt werden müsse, sei hier wohl mit einigen Kosten zu rechnen, erläuterte Peter Hecht.

Kompliziert gestaltet sich auch die Reparatur an der Liebfrauenkirche, sagte Hecht. "Wir überlegen noch, wie wir das machen." Der Sturm habe Ziegel genau in jenem Bereich herausgerissen, der am schwersten zu erreichen ist - unterhalb der Wölbung, welche die Turmzwiebel ausbildet. Mit einer Hub-Arbeitsbühne wie bei der Stadtpfarrkirche könne man an der Liebfrauenkirche nicht arbeiten, da dort kein Platz für ein solch breites Fahrzeug ist. Möglicherweise müsse deshalb ein Industriekletterer ran, das sei in der Diskussion, sagte Hecht. Das Vorgehen werde nun zusammen mit der Versicherung geklärt.