Dürre Wasserkraft kämpft mit Niedrigwasser

 Elmar Reitter zeigt auf deutliche Zeichen, wie wenig Wasser die Donau führt.
Elmar Reitter zeigt auf deutliche Zeichen, wie wenig Wasser die Donau führt. © Foto: Bloching
Region / MARIA BLOCHING 24.08.2018

Seit 40 Jahren verwaltet und betreibt Elmar Reitter zahlreiche Wasserkraftwerke an Donau, Neckar, Lauter, Erms, Zwiefalter Ach, Lauchert, Waldseer Steinach, Schussen, Wiese, Iller und Amper. Doch an eine solche Trockenheit kann er sich nicht erinnern. Zwar hat es jetzt etwas geregnet – „aber das bringt den Wiesen etwas, nicht den Gewässern“, sagt Reitter. Auch die Aussichten seien in Sachen Niederschlag nicht gut. „Wir können nur darauf hoffen, dass es im Herbst mehr regnet.“ Der Sommer ist für seine Mitarbeiter immer Hochsaison, aufgrund Niedrigstandwasser werden in dieser Jahreszeit immer sämtliche Anlagen gewartet und repariert oder neue Fischtreppen angelegt. Die Schlosser inspizieren die Technik im Turbinenschacht. Außerdem findet jetzt gerade keine Fischlaichzeit statt: „Ab Oktober darf man nur mit Ausnahmegenehmigungen im Gewässer etwas machen. Da gibt es viel zu beachten“, sagt Reitter.

Vom Wetter abhängig

Die Ausbeute an Strom war im Sommer schon immer geringer, daran hat sich der Unternehmer gewöhnt. „Wir darben zu dieser Jahreszeit, uns geht es wie den Bauern, weil wir vom Wetter abhängig sind.“ Und das ist in diesem Jahr viel zu trocken. „So massive Einbußen hatten wir noch nie. Inzwischen mussten bereits zwei Wasserwerke komplett stillgelegt werden. Das habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Lediglich noch ein Drittel der Produktion bei Volllast kann derzeit gewonnen werden. Dabei hat das Frühjahr mit dem nassen Winter sehr gut angefangen. Allerdings: „Wenn es zu viel Wasser gibt, läuft es an uns als Hochwasser auch vorbei.“ Und dennoch ist die Lage anderswo noch deutlich schlimmer, wie Reitter betont. „Die Donau profitiert von den Flüssen der Alb wie Lauchert oder Zwiefalter Ach. Von Tuttlingen her kommt aber längst gar nichts mehr. Auch in anderen Jahren ist hier die Donau versickert, aber nicht über einen so langen Zeitraum“, weiß er.

Probleme bringt auch die Wassertemperatur mit sich. Mittlerweile misst die Donau 20 Grad. Wird sie noch wärmer, setzt Fischsterben ein. „Diese schwimmen dann bei uns an und wir müssen sie entsorgen.“ Auch die Farbe des Wassers hat aufgrund des vermehrten Algenwuchses durch die Sonneneinstrahlung einen deutlichen Grünton angenommen. Laut Reitter ein Alarmzeichen, dass mit dem Klima etwas nicht mehr in Ordnung ist. „Ich denk immer an die Bibel. Hier ist die Rede von sieben fetten und sieben mageren Jahren. Das hier ist auf jeden Fall ein mageres Jahr.“ Wer mit der Natur schaffe, müsse halt alles so nehmen, wie es komme. Sein Gesichtsausdruck wird aber trotzdem sorgenvoll, wenn er seinen Blick auf die Donau oberhalb seines Wasserkraftwerks in Rechtenstein, das vor eineinhalb Jahren komplett erneuert wurde, richtet. Bis zu den Knien baden hier Leute: „Das habe ich noch nie erlebt.“

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