Konzert Rauschender Beifall für talentierte Jungmusiker

79 Musikerinnen und Musiker aus insgesamt sechs Nationen rund um den Globus lieferten am Freitagabend beim Klassik-Event des International Regions Symphony Orchestra (IRO) unter Leitung von Dirigent Wolfram Christ ein umjubeltes Konzert in der vollbesetzten Ehinger Lindenhalle. Dafür gab es Blumen für Christ.
79 Musikerinnen und Musiker aus insgesamt sechs Nationen rund um den Globus lieferten am Freitagabend beim Klassik-Event des International Regions Symphony Orchestra (IRO) unter Leitung von Dirigent Wolfram Christ ein umjubeltes Konzert in der vollbesetzten Ehinger Lindenhalle. Dafür gab es Blumen für Christ. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Renate Emmenlauer 06.08.2018

Eine ganz besondere Ausstrahlung ging von den jungen Interpreten aus, die mit ihrem musikalischen Leiter Wolfram Christ in der vollbesetzten Ehinger Lindenhalle auftraten. Dies auch deshalb, weil das Publikum bei dem technisch perfekten und mit viel Intensität dargebotenen Hörgenuss vor Augen hatte, dass es sich bei den Musikerinnen und Musikern nicht etwa um ein langjährig eingespieltes und hoch dotiertes Ensemble handelte. Sondern vielmehr um ein reines Projektorchester. Und dieses besteht aus fast 80 jungen talentierten und hoch motivierten Instrumentalisten.

Höchst anspruchsvolle Werke

Das IRO hatte die höchst anspruchsvollen Werke – das Konzert für Klarinette und Orchester in A-Dur, KV 622, von Wolfgang Amadeus Mozart, ebenso Gustav Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur – in einer nur zweiwöchigen Arbeitsphase gemeinsam mit dem weltbekannten Bratschisten und Dirigenten Wolfram Christ einstudiert. Bereits mit 20 Jahren war der hoch geschätzte Musiker ARD-Preisträger in München. Herbert von Karajan engagierte ihn 1978 als ersten Solobratschisten für die Berliner Philharmoniker. In einer mehr als 20 Jahre währenden Zeitspanne trat Christ neben seiner Tätigkeit im Orchester als Solist sowie in Kammermusikgruppen auf. Seit 1999 ist Christ Professor für Viola an der Hochschule für Musik in Freiburg.

Ehinger Maximilian Cichon dabei

Die 79 Instrumentalisten zwischen 17 und 26 Jahren stammen aus sechs Nationen rund um den Globus. Alljährlich bewerben sich junge Musikerinnen und Musiker für das sommerliche Projekt in Baden-Württemberg und müssen dafür höchste Kriterien erfüllen. Übrigens spielt bereits im dritten Jahr auch der Ehinger Schlagzeuger Maximilian Cichon mit. Zu hören war ab dem ersten Ton des zweistündigen Konzerts, dass der musikalische Leiter und das Orchester bestens miteinander harmonierten. Wolfram Christ, der auch durch seine schwungvolle Stabführung unter vollem Körpereinsatz fesselte, riss die Instrumentalisten durch seine Leidenschaft für die Musik wie auf einer Woge mit.

Die Zuhörer lauschten beseelt den wunderschönen Klängen von Mozarts Werk für Klarinette und Orchester. Das Konzert war dessen letztes Instrumentalwerk, vollendet in seinem Todesjahr 1791. Im ersten Satz des prächtigen Klarinettenkonzerts, bei dem der berühmte Klarinettist Martin Spangenberg als Solist alle Register zog, entwickelte sich die zauberhafte Melodie, löste sich und ging über bis ins kräftige Forte. Im zweiten Satz zeigte der Solist den Ausdrucksreichtum seiner Klarinette. Im dritten Satz quollen Mozarts Melodien von reicher thematischer Erfindungsgabe fast über. Solist und Orchester ließen das Publikum dabei die Genialität des Komponisten spüren. Nach dem letzten Akkord des Monumentalwerkes herrschte Stille im Saal. Dann brandete rauschender Beifall auf.

Kraftvoll und ausdrucksstark

Wer meinte, die jungen Instrumentalisten und ihr Dirigent Wolfram Christ hätten im ersten Part mit ihrem sprühenden Elan bereits ihre ganze Energie verbraucht, wurde eines Besseren belehrt. Kraftvoll und ausdrucksstark krönte das Projektorchester den herausragenden Konzertabend nach der Pause mit Gustav Mahlers 1. Sinfonie in D-Dur. Atemberaubend war, wie das Orchester die Laute der Natur herausarbeitete – etwa das Flimmern des Sonnenlichts oder fröhliches Vogelgezwitscher. Mahlers Fähigkeit, böhmische Volksweisen und Kaffeehausklänge zu verweben, das französische Kinderlied „Frère Jacques“ mit tiefen Instrumenten zu interpretieren und gehobene Sinfonik unterzubringen, beherrschten Orchester und Dirigent in einer faszinierenden Synthese von professioneller Perfektion und Mut. Die Interpreten ernteten vollkommen zu Recht verdienten rauschenden Applaus von den Zuhörern in der Ehinger Lindenhalle.

Hörgenuss zum letzten Mal

Mittel Was bei dem Konzert die Stimmung etwas trübte war, dass es in diesem Jahr zum letzten Mal die Möglichkeit gibt, das IRO zu hören (wir berichteten). Wie am Rande des Konzerts von mehreren Seiten zu hören war, wolle demnach der Landesmusikrat Baden-Württemberg möglicherweise keine finanziellen Mittel mehr für das alljährliche Musikprojekt zur Verfügung stellen.

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