Sie sind weiß, unscheinbar, hängen an der Decke, retten aber mit ihrem ohrenbetäubendem Piepen Leben: Seit drei Jahren besteht in Baden-Württemberg die Pflicht, unter anderem in privaten Wohnräumen Rauchmelder zu installieren. Laut Oliver Burget, Stadtbrandmeister in Ehingen und Gesamtkommandant der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, retteten Rauchmelder seither in Ehingen drei Menschen das Leben. Der Statistik der Ehinger Feuerwehr zufolge gab es in jedem Jahr einen Einsatz, der auf einen Alarm eines Rauchmelders zurückzuführen war, den wiederum ein Nachbar gehört hatte, der dann die Feuerwehr rief. Die Rettungskräfte hatten sich in jedem der Fälle Zugang zu den Wohnungen verschafft, die jeweils stark verraucht waren und die Bewohner schlafend vorgefunden.

„Wer im Tiefschlaf ist, nimmt Rauch nicht wahr und erstickt allmählich“, sagt Burget. Wie lange ein Mensch unbedenklich Rauch einatmen könne, lässt sich nicht sagen. Laut Burget hängt das von mehreren Faktoren ab, wie Rauchmenge und darin enthaltene Giftstoffe. Er mahnt deshalb vor der trügerischen Sicherheit, die noch immer verbreitet sei, dass man im Schlaf den Rauch rechtzeitig riecht und aufwacht.

Die Vorgeschichte der drei Einsätze war meist ähnlich, wie Burget sagt: Die Bewohner waren spät von der Arbeit nach Hause gekommen, hatten sich in der Küche noch etwas zu Essen auf den Herd gestellt oder in den Backofen gelegt, sich dann aufs Sofa und vor den Fernseher gesetzt und waren dann eingeschlafen. Zwar entwickeln sich aus verbranntem Essen in der Pfanne oder im Backofen nicht zwingend Großbrände. „Aber schon allein der Brandgeruch tut sein Übriges“, sagt Burget.

Keine Kontrollen

Es gibt im Übrigen keine Kontrollen, ob Wohnungseigentümer oder -besitzer der Pflicht, Rauchmelder zu installieren, auch nachkommen. Und selbst wenn die Feuerwehr Verstöße feststellt, werden diese nicht sanktioniert. „Wir weisen die Leute dann aber darauf hin und die meisten sind dann einsichtig.“ Was dann jedoch eine Woche später wirklich geschehe, das wisse die Feuerwehr letztlich natürlich nicht, sagt Burget.

Dass die Feuerwehr wegen der Rauchmelder vermehrt ausrückt, kann Burget nicht bestätigen. Auch die Einsätze, die sich gemäß Statistik in Ehingen auf eine Fehlfunktion zurückführen lassen, sind nach Angaben des Feuerwehrkommandanten mit etwa fünf im Jahr überschaubar. Auch hierbei hört meist ein Nachbar oder ein Passant das Signal, alarmiert die Rettungskräfte über den Notruf, woraufhin Polizei und Feuerwehr die Tür öffnen und nachschauen.

Unabhängig von der Anzahl der Rauchmelder in den Wohnungen und Arbeitsräumen in Ehingen ist es um ein anderes Feld des Brandschutzes gut bestellt in Ehingen: Die Fassaden der hiesigen Hochhäuser sind nach Informationen der Stadtverwaltung allesamt sicher, ein Unglück wie beim Brand des „Grenfell Tower“ in London im Juni 2017, wo 72 Menschen ums Leben kamen, scheint sich somit hier nicht ereignen zu können.

Wie Sprecherin Bettina Gihr auf Nachfrage sagte, hatte die Stadt im August 2017 die Hausverwaltungen aller sieben Hochhäuser in Ehingen angeschrieben und um eine Stellungnahme zu den Fassaden aufgefordert. Ergebnis: Eine Sanierung ist nirgends notwendig. Für alle sieben Gebäude gebe es zudem ein Brandschutzgutachten.

Sieben Hochhäuser in der Stadt


Definition Ein Hochhaus gilt als solches, sobald der Fußboden im obersten Stockwerk höher als 22 Meter liegt. Diese Höhe liegt in Löschreichweite einer Feuerwehrdrehleiter. In Ehingen gelten demnach sieben Bauten als Hochhaus: Am Alten Postweg 14, Allensteiner Straße 28, Am Wenzelstein 53, Elsternstraße 1 und 11, der Business-Park BED und das Gebäude Hopfenhaus 7 am Krankenhaus.