Stadtrat Rampe an der Bücherei in Schelklingen sorgt für Diskussionen

Wer in die Schelklinger Stadtbücherei will, muss zuerst drei Stufen überwinden. Der Gemeinderat hat jetzt über den Einbau einer Rampe für die Barrierefreiheit diskutiert.
Wer in die Schelklinger Stadtbücherei will, muss zuerst drei Stufen überwinden. Der Gemeinderat hat jetzt über den Einbau einer Rampe für die Barrierefreiheit diskutiert. © Foto: Bernhard Raidt
Schelklingen / BERNHARD RAIDT 17.02.2017

Die Barrierefreiheit von Gebäuden ist seit einiger Zeit ein Thema in Schelklingen. Wie berichtet versucht eine Gruppe um Daniel Hildebrand, einen Verein ins Leben zu rufen, der sich für einen problemlosen Zugang zu Gebäuden in Schelklingen einsetzt. Der 32-Jährige ist an Multipler Sklerose erkrankt und seit zwei Jahren auf den Rollstuhl angewiesen.

Ganz besonders am Herzen liegt Hildebrand die Stadtbücherei. Er würde gerne dort Medien ausleihen – kommt aber nicht hinein, weil es vor der Tür zu dem denkmalgeschützten Gebäude drei Stufen gibt. Die Fraktionen von SPD und Freien Wählern hatten nun im Dezember einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt. Der Gemeinderat soll 5000 Euro für den Bau einer Rampe am Bücherei-Eingang bereitstellen. Das Geld soll etwa aus dem neuen Stadtteilbudget stammen. Dieses Budget haben alle Teilorte und auch die Kernstadt Schelklingen neu zugewiesen bekommen, um bürgerschaftliches Engagement zu stärken.

Hindernisse weiter oben

In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch stand nun die Beratung über den Rampen-Bau auf der Tagesordnung. Man habe in den Haushaltsvorberatungen über die Kosten für eine Rampe diskutiert. Der Gemeinderat habe die Aufnahme der Summe in den Haushalt mehrheitlich abgelehnt, sagte Bürgermeister Ulrich Ruckh zu Beginn der Debatte. Natürlich sei es der Wunsch aller, dass möglichst viele die Bücherei nutzen können. Mit der Rampe könne ein Rollstuhlfahrer aber zwar ins Erdgeschoss der Bücherei kommen. Aber im Obergeschoss und im Dachgeschoss würde er auf weitere Hindernisse treffen. Die Bücherei sei nun einmal ein historisches Gebäude und leider sehr vollgestopft – es stelle sich wirklich die Frage, inwieweit Gehbehinderte das Gebäude überhaupt nutzen könnten.

In der Sitzungsvorlage empfahl die Stadtverwaltung eine Ablehnung des Antrags. Darin waren noch weitere Argumente gegen den sofortigen Rampen-Bau aufgeführt: Etwa, dass die Stadt einen Online-Zugang für die Bücherei anbiete. Durch den persönlichen Kontakt der Bücherei-Mitarbeiterinnen würden bisher auch im Eingangsbereich der Bücherei sämtliche Medien bei Bedarf zur Verfügung gestellt.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Haas sagte, die Stadt müsse dem Thema Barrierefreiheit näher kommen. Die SPD sehe die Notwendigkeit eines Rampen-Baus, aber man schaue auch auf die Machbarkeit. Man habe sich deshalb beraten und den Beschlussvorschlag geändert: Die Verwaltung solle nun prüfen, wie der Einbau der Rampe verwirklicht werden könne. Sobald diese Informationen vorliegen, soll der Gemeinderat beraten – noch in diesem Jahr. Der Bau könne dann eventuell in den Haushalt 2018 aufgenommen werden.

Pflaster als Stolperfalle

Auch für die CDU sei das Thema sehr wichtig, sagte Heinz Zeiher. Es sei zu begrüßen, dass der erste Schritt gemacht werde. Seine persönliche Meinung sei aber, dass der Bau einer Rampe außen das Problem nicht lösen werde. Mit dem zweiten Vorschlag der SPD könne die CDU leben und werde ihn unterstützen. Michael Strobl sagte für die Freien Wähler, dass Schelklingen massive Problemstellen in Sachen Behinderten- und Altersgerechtigkeit habe. Schon der Pflasterbelag in der Marktstraße sei eine Stolperfalle. Auch die Rollstuhl-Auffahrt zum Rathaus sei äußerst gefährlich, wenn sie nass sei. Das müsse in den nächsten Monaten intensiv beleuchtet werden.

Bürgermeister Ruckh verstand den Antrag so, sagte er, dass die Verwaltung in Zukunft sehr sensibel auf das Thema Barrierefreiheit achten solle. Aber die Stadt werde ihren Gebäude-Bestand  nie vollkommen barrierefrei hinbekommen. Die Rampe am Rathausplatz sei vor zwei Jahren übrigens durchaus verbessert worden. Dabei sei die Stadt an die Grenze des Möglichen gegangen. Sie sei so gestaltet worden, dass sie weniger steil sei, aber nicht in die Marktstraße hineinrage. Sie sei nun durchaus besser nutzbar für Menschen mit einer Beeinträchtigung und auch für Familien mit Kinderwagen.

„Bitte lasst die Kirche im Dorf“, sagte Ruckh, an die Stadträte gewandt. Zudem habe die Verwaltung für die anstehende Bundestagswahl jetzt neu die gut zugängliche Kita Bunte Welt als Wahllokal ausgewählt. Das sei eine schnelle, kostenlose Maßnahme, um Barrierefreiheit zu schaffen. „Das verstehe ich unter Sensibilisierung“, sagte Ruckh. Er bat darum, keine Erwartungshaltung aufzubauen. „Wir können nicht alles umsetzen“, sagte Ruckh. Es müsse pragmatisch gehandelt werden. Man dürfe sich nicht vergaloppieren.

Einstimmig für neuen Antrag

Die Stadträte sprachen sich in der Abstimmung schließlich einstimmig für den abgeänderten Antrag aus und erteilten der  Stadtverwaltung den Auftrag,  den Bau der Rampe zu prüfen.