Wie berichtet, hatten Munderkingens "Carnevalisten" 1935 aufgrund einer nie mehr im Landesarchiv Stuttgart aufgetauchten Urkunde zum Brunnensprung das 700-jährige Bestehen als Jubiläum gefeiert. Wie Manfred Locher unsere Zeitung wissen ließ, sei dies nicht auf eine Gaude seines Vaters, Lorenz Locher jr. (1903-1974), zurückgegangen, wie noch immer einige glauben. "Lorenz Locher hat keine Urkunde in Stuttgart erstellen und wieder verschwinden lassen. Er wurde getäuscht wie auch die anderen anwesenden Zeugen: Max Fleischle, Adolf Müller und Fritz Braunger." Die "Urkunde", eine Papierseite aus einem Aktenbündel, in dem angeblich der Brunnensprung 1235 vermerkt war, sei ihnen im Staatsarchiv vorgelegt worden. Locher: "Das Schriftstück wurde von einem Herrn des Staatsarchivs gezeigt und vorgelesen; somit war für alle Anwesenden klar: Der Brunnensprung hat schon vor 700 Jahren stattgefunden."

Wer das Papier erstellt hat und verschwinden ließ sei nie bekannt geworden - "auf keinen Fall aber war es Lorenz Locher", ist sein Sohn überzeugt. Eine Kopie oder Abschrift der Archivseite sei nie nach Munderkingen gekommen, war auch nie in den Akten von Locher zu finden. Im Nachhinein hätten die damals anwesenden Zunftmitglieder, auch noch Jahre später, bestätigt, das Schriftstück in Stuttgart gesehen und erläutert bekommen zu haben. Das Rätsel bleibt ungelöst, und so beruft sich die Trommgesellenzunft weiter auf Carl Borromäus Weitzmann sowie Einträge im Totenbuch von 1742, obwohl der Brauch weitaus älter sein dürfte. Gesprungen wird auch 2017 in den Brunnen, der 1572 erbaut wurde. Dann feiert die Zunft beim Landschaftstreffen in Munderkingen 275 Jahre Brunnensprung.